Die Zeit totschlagen

Wolfgang Uster für #kkl39 „Hinter der Zeit“




Die Zeit totschlagen


Wenn Menschen sich erfreuen, die Zeit totzuschlagen,

sollten wir grundsätzlich nach dem Wesen fragen

der nun da liegenden toten Zeit

im Kontrast zur einstmals

belebten Variante,

die offensichtlich einen Zustand beschrieb,

der keine Tötungsinstrumente benannte

und in dem die Zeit lebendig blieb.


Es stellt sich demnach die elementare Frage:

Töten sie nur einen kleinen Augenblick,

der in ihnen brodelnden wohlbedachten Zeit,

und davon genauer noch

welche Aspekte?

Oder wirkt die Kraft des mortalen Rausches

langfristig und in die Vergangenheit zurück,

da sich die Zeit noch im Unbewussten versteckte?


Könnten sie damit das Altern unterbinden

im Anblick des erschlagenen Gebildes

der brechenden Auges vor ihnen liegenden Zeit

als Stillstand zum einstmals

fließenden Empfinden,

das sich durch den Rausch des Kommenden erfrischte,

heute ein Tag schon wie morgen, weil etwas Neues, Wildes

sich im Jetzt zu einer reinen Illusion vermischte?


Die Zeit totzuschlagen – welch ein grauenhafter Suizid

des inneren Modells der Einheit des Bewusstseins,

das uns hilft, eine Gegenwart zu finden

im gigantischen kosmischen Klang,

ein zerbrechliches biologisches Lied,

die Berge und Meere erschaffend, den Raum und die Blumen,

da das Lächeln der Haut und die Tiefe der Augen

im Zugang verschüttet für immer verschwinden.





zeitlos geht die Zeit los                                                                                                      


ziwitt ziwitt

zwischen zwei Zoten

zappelt die Zeit


zerapp zerapp

zeitlos zwitschert

der Zilpzalp dem Zeisig


zerknautscht

die Zeit

zermalmt zahnlos


den schlabbrigen Schmatz

Schatzi, mein Schatzi

es läuft uns die Zeit


davon die Zeit

die lose Substanz

die affige Gans


die flüchtige Braut

zum Packen zum

Greifen versteifen


Sie sich nie

auf einen

Zeitpunkt


Punkt

Punkt

Punkt




Wolfgang Uster *1951

Kurzbiografie:

– Studium Germanistik / Linguistik / Pädagogik  (bis 1975 / Braunschweig und Hamburg)

   Lehrerseminar Deutsch/Biologie (bis 1977 / Hamburg)

– Direktor / Lehrer „Gesellschaft zur Förderung berufsspezifischer Ausbildung e.V.“,   

   1977 bis 1993 (Hamburg und Hannover) / Entwicklung von Berufsperspektiven für

   geflüchtete Menschen nach dem Asylrecht vor 1993

– UNHCR – Consultant Assistant „Philippine refugee processing centre“, (1982)

– Lehrer für Deutsch und Naturwissenschaften / Integrierte Gesamtschule Hannover

Literarische Tätigkeit

  • Gedichte, Kurzgeschichten, Essays, Experimentaltexte in diversen Anthologien, Zeitschriften und Projekten seit 1975
  • Meiendorfer Druck Nr. 9 „Der Speckfresser“ / Verlag fulgura frango, Hamburg
  • Meiendorfer Druck Nr.12 „Dschungelkummer“ / Verlag fulgura frango, Hamburg
  • „Früher war alles besser“ (Prosa/Collage), Kid-Verlag, Bonn

     2018                                                                                                      

     –   „Erfelyk“ (Erzählungen, Satiren, Kurzgeschichten, Essays), Kid

         Verlag, Bonn 2020

  • „Vom Schälen der Drachenfrucht“ (Erzählungen, Betrachtungen, Essays), Verlag Leuenhagen & Paris, 2021

Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS ver.di) sowie im Autoren-Netzwerk „Gruppe 48“






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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