Wenn der erblindende Maler den Blues singt

Helmut Blepp für #kkl39 „Hinter der Zeit“





Wenn der erblindende Maler den Blues singt


Essenz des Lebens im Detail

ausgemalt mit voller Palette

Akkorde dazwischen

Gesang voller Flusen


Mehr Freiheit geht nicht

nur ein einziger Takt

auf der Wollsaite gezupft


Je weniger Augen-Blick

desto größer die Flächen

scharfe Konturen

das Blau

mit Rhythmen grundiert


Landschaften sind nur noch

eingeteilte Malbücher

aus welcher Perspektive auch immer


Bei geschlossenen Augen

bleibt ein Farbenmeer

und ein verhallender Ton





Dimensionen


Ich denke nach

über Tage 

die noch kommen

überschaubar

mit einem Leben danach

vielleicht


Dieses Denken

früher

von Jahr

zu Jahrzehnt

war wie ewig

aber plötzlich

ein Nu





Endzeit


Die Brüstung des Turms unbewehrt

eine zartgliedrige Führerin

als Blockade für Suizidgefährdete

vor dem Absprung


Die Prophylaxe durch Appelle

ist gescheitert

auf dem Pflaster


Das Parlament debattiert

über Reinigungskräfte

und Pietät beim Schrubben





Helmut Blepp *1959 in Mannheim, Studium Germanistik und Politische Wissenschaften, selbständig als Trainer und Berater für arbeitsrechtliche Fragen; lebt mit seiner Frau in Lampertheim an der hessischen Bergstraße; Veröffentlichungen: vier Gedichtbände; zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien; hblepp@aol.com







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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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