Dezente Worte und Chancen

Anita Lang für #kkl40 „Friedenskultur“




Dezente Worte und Chancen

Seltsam, was dezente Worte manchmal bewirken können. Es war vor zwanzig Jahren. Ich erinnere mich daran, dass sie Martina hieß, unsere Kommunikationstrainerin im Trainee der WU Wien. Es war angenehm, mit ihr zu sprechen. Zum Abschluss ihres Seminars sagte sie: „Gebt ihnen noch eine Chance.“ Sie führte den Gedanken aus. Später, in unserem Arbeitsalltag, für den Fall, dass wir auf die eine oder andere Angelegenheit sauer wären, uns nach Kündigung zumute sein sollte.

„Werft nicht gleich das Handtuch. Gebt ihnen wieder eine Chance!“

Dieser Gedanke hat mich nachhaltig in meinem Tun beeinflusst. Die Beratung Studierender gehört zu den Pflichten der Institutsangestellten im Universitätsalltag. Manchmal sind die verstimmt, wenn sie sich für Seminare, die sie dringend benötigen, nicht anmelden können. Oder sie sind auf der Suche nach Studienmaterial, frustriert ob der Rennereien, die sie auf sich nehmen müssen. Großteils Einzelkämpfer, die ihr Studienziel verfolgen. Ein freundliches Gesprächsklima kann maßgeblich dazu beitragen, ob man in einer Sache vorankommt. Man kann Sachfragen entspannter bearbeiten. Die Professoren sind Vertreter ihrer Ressorts, ihrer Spezialgebiete, auf ihren speziellen Bereich fokussiert. Manche glauben, die Angestellten stehen nur ihnen zur Verfügung. Und die haben nur ihre Worte. Um zu erklären, dass ein Arbeitstag nur 12 Stunden hat. Um sich durchzusetzen.

„Give peace a chance“, sang John Lennon. Kann sein, dass mich dieser Satz der Beatles wegen aufhorchen ließ. Was zunächst undramatisch klang, hat danach meine Entscheidungen bewegt. Es ist die Geduld mit Menschen, die mich weiterbringen kann.  Menschen, die mir auf meinem Lebensweg Wichtiges beigebracht haben. Von denen ich lernen konnte. Darum halte ich es für klug: „Gib dem Gesprächspartner eine Chance.“ Selbst wenn sich eine Meinung zunächst ungewohnt anhören sollte und dem zuwiderläuft, wo ich gerade hinwill. Im Akzeptieren der anderen Meinung beginnt das Lernen und das Gespräch kann ein interessantes werden.

Es gibt bestimmte Werte, die die Menschen verbinden. Ein gemeinsamer Nenner kann gefunden werden. Wie auch Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen immer wieder unter Beweis stellen. Zum Beispiel trafen einander geistliche Würdenträger, die aus unterschiedlichen Konfessionen kamen, wie der Dalai Lama und Erzbischof Desmond Tutu, und suchten gemeinsame Werte und Ziele. Das können ethische Begriffe sein oder soziale Projekte, die den Menschen wesentlich betreffen. Manche werden sich fragen, was man daraus gewinnen könnte. Ein Stück Lebensfreude und freundschaftliche Kontakte, die wiederum dazu führen, sich selbst zu akzeptieren und zu mögen. Es gibt zahlreiche, vielschichtige Probleme in unserer Zeit. In einem freundlichen Diskussionsklima lässt sich manches, das zunächst konfliktgeladen aussieht, sachlich besprechen.

In unserer Wohlstandsgesellschaft haben wir genug zu essen, ein Dach über dem Kopf, ausreichend Kleidung und Nutzgegenstände zu unserer Verfügung. Die Grundbedürfnisse des Menschen sind gedeckt und eigentlich sollte damit ein gewisses Maß an Zufriedenheit erreicht sein. Zufriedenheit ist ein unspektakuläres Gefühl. Kaum jemand sagt heutzutage mehr, er wünscht sich ein zufriedenes Leben. Man könnte sich darauf besinnen. Man muss nicht aggressiv kämpfen, um noch mehr zu erreichen. Wir hätten den Kopf frei, um uns den schönen Dingen im Leben zuzuwenden, um das Gute in uns selbst zu kultivieren. Geben wir dem Gespräch eine Chance und damit dem friedlichen Weg!





Anita Lang kommt aus Wien. Ihr Berufsweg führte als Assistentin in die unterschiedlichsten Bereiche. Zum Journalismus und zum Kreativen Schreiben kam sie über das Fernstudium.

http://annylangwriter.at

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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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