Endloses Ensemble

Konstantina Hornek für #kkl41 „Rasender Stillstand“




Endloses Ensemble

Auf einer modrigen Holzbank,

die unbeweglich still zu stehen scheint

inmitten einer Unendlichkeit an überlagerten Rhythmen.

Doch selbst sie, ihre Oberfläche unter dem Mikroskop,

lebendig wie ihre Umgebung:

tausende sich gleichzeitig bewegende Organismen.

Diese nur ein kleiner Bestandteil im unendlichen Bewegungsfluss,

den ich restlos in mich einsauge.

Parallel, verkreuzt und quer laufen sie aneinander vorbei und

komponieren eine fortlaufende Melodie.

Ein knurrender Hund,

ein entferntes Flugzeug dröhnend,

eine Person, die ihre Kaugummiblase mit einem Knall zerdrückt,

drei lachende junge Männer,

ein Fahrrad, dessen Fahrers Schlüssel gegen das Vorderrad hämmert,

das elektrische Zischen eines E-Scooters,

ein Paar Stöckelschuhe auf Pflasterstein,

eine grelle Stimme und ein hohes Lachen,

eine ratternde Fahrradkette,

ein tief fliegender Hubschrauber,

ein kaum hörbarer Taxi-Motor,

ein regelmäßiges Rollen von Kofferreifen,

“da wo wir letztes Mal waren… Oskar” und

“zigtausende Viren da drauf auf dem Ding”,

beim Gehen aneinanderreibende Hosenbeine,

das hohe Schwirren des Rückwärtsgangs eines Taxis,

die Metallkette eines Fahrradschlosses, das beim Abnehmen gegen den Ständer schlägt,

beim Gehen aneinanderreibende Hosenbeine,

zwei Paar Stöckelschuhe auf Pflasterstein,

ein telefonierender Radfahrer,

das elektrische Zischen eines E-Scooters,

ein kreischend-laut klingelndes Handy,

ein entferntes Sirenenläuten,

ein tief fliegender Hubschrauber,

ein quietschender Reifen.

Dann ein winziger Moment,

in dem die unendliche Komposition abebbend

mich meinen Atem hören lässt,

bevor er schon vom nächsten Crescendo abgelöst wird,

dass sich gleich aus mehreren Richtungen

an das wahrnehmende Organ drängt.

“Was für langweilig?”

„Hallo… hallo, hörst du mich?“

der Menschenmasse aus der Bahn folgt

eine neue Schallwelle.




Konstantina Hornek ist Studentin an der Universität für Angewandte Kunst und Universität Wien und interessiert sich für die Schnittstelle Kunst / Kultur. Das Schreiben erlaubt ihr in eigene wie fremde Welten einzutauchen.







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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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