Miriam Brümmer für #kkl41 „Rasender Stillstand“
AUFGEGANGEN
Über die Umsicht hinaus
um ihr Leben gerannt,
vorbei an schwarz-weiß
Genuss in grüner Idylle,
an Märchen ohne Schloss,
das Prinzen entbehrt.
Dahinter geschaut, auf
grau grüne Krisen,
getürmt, gesteigert bis in
den Wolkendunst.
Einer schließt den Himmel auf,
mit einem Hauch
aus letztem Loch
geht eines auf.
Ich fing den Streif
von frischem Wind
und legte ihn hinein.
(Er soll die Erde retten.)
GEGEN DAS, WAS LEISE GREIFT
Aufbäumen gegen das Zerbrechen,
gegen den alten Geruch in den Vorhängen,
die ihn nicht abhalten können.
Aufbäumen gegen den Sturz, der
zu schwer nicht mehr zu retten blieb,
auf seine Knochen bauen.
Aufbäumen gegen den Berührungsmangel
der Haut, der sie auf ihre Spitzen spannt,
ihren Stoff ins Bodenlose dünnte.
Aufbäumen gegen den Fluss der Zeit,
der das Herz in ein letztes Pochen
Blau der Adern schwemmt.
Gegen das Unabwendbare Muskeln antrainieren,
auf allen denkbaren Ebenen Staudämme bauen
und ein Tor
für einen einzig neuen Augenblick, der
Flügel leihen könnte. Hoffen, warten.
In einem Flüstern das Schloss umdrehen.
GEWACHSEN
Heute blieben Briefe, die
mein Gesicht nicht nannten,
leicht
nach Jahren, die ich wartete
auf Worte von Gewicht.
Lügen krümmten ihre Rücken
in die Abstände der Zeilen.
Auf Linien schreibt sich kein Gewissen.
Der Wind brach sein Versprechen
und warf vor meine Tür Steine.
Ich fütterte sie Jahre
mit Hunger meiner Blicke.
Der Himmel ließ Federn,
Schnee Regen, Moos
und immer dünner
Grün
zittern auf den Satzanfängen.
Grau spitzte die Mauern.
GEWAGT
FÜR mit langer Pause zum Niederschmettern
EIN mit Trennungslinie zum
ANDER die Vereinzelung zum
DA läge es doch so nahe das
SEIN in der Schule der Achtsamkeit,
zur Mode auserkoren.
Wo waren wir zur rechten Zeit,
in fremde Hände zu geben?
einer nur für alle? –
In Predigten nur sein Relief,
Blut am weißen Wort,
wie trocken Brot
zerschneidet.
Ich bin auf der Jagd,
die Einsamkeit schießen,
sie erlegen, wie ein Reh,
seine Wunden ausnehmen,
ein zartes WIR filetieren.
ÜBERGANGEN
Sag mir, was wächst durch
den Blick meiner Worte,
dass du sie ausblendest?
Sag mir spürst du Wind
durch sie hindurch zu laufen?
So voller Leben waren sie
durch deine Finger geronnen
durch deinen Blick gefallen
von deinen Füßen …
Sag mir,
dass die Luft
meines Schweigens dich schneidet,
wie mich meine Ohnmacht!
DER UMZUG
Ich muss die Farben erneuern,
ihren Geruch ausmisten,
bis auf den Ort der Grundfürsorge.
Ich muss ihnen beim Umzug helfen,
ihre Koffer packen,
Proviant für die Atemlücken,
für die Brücken,
unter denen sie schlafen, wenn
die Nächte um sich greifen,
eine warme Decke.
Ich fürchte, sie könnten
dem Gift in den Adern erliegen,
erfrieren, verschütt´gehen
sich gegen die neuen Wände
lehnen die Farbe im Rücken,
bis sie weiß sind, wie die Wand
anstelle dass sie Muster sprühen,
die neue Räume säumen.
Ich muss die Farbe erneuern,
ihren Geruch …
Miriam Brümmer (*1968), schreibt vorwiegend Lyrik.
Im August 2022 Ausschreibung in der Zeitschrift sfd (Schule für Dichtung Wien) zum Thema Tiere gewonnen. Derzeit Arbeit an einem Debut Lyrikband. Interview für den #kkl-Kanal 2023, s.u.
E-Mail: miriam.bruemmer@gmx.de
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