In einer einzigen Hand

Ellipse für #kkl41 „Rasender Stillstand“




In einer einzigen Hand


Karierte Flecken auf meinen Schuhen

durchdrängen meinen Willen

mich endlich auszuruhen

mich selbst abzustillen


Blicke auf meine faltigen Hände

sehe nichts als vier Wände

und fühle schnell

nur in mir ist es grell


Mehlig trockene Luft durchdrängt mich

es ist nur die eine Sache für sich

einfach nicht mehr so viel zu denken

und nur fühlen durch lenken


Da steh ich wieder

hochgradig erstarrt wie starkes Fieber

würde gerne aus mir heraus

hoch hinauf

wohin auch immer

Hauptsache bergauf


Ich würde gerne

frei in Pfützen springen

lautstark „ich liebe mich“ singen


Ich würde gerne

alles sagen was ich denke

ohne, dass ich mich selbst ablenke


Ich würde gerne

Euphorie spüren

wenn mich deine Finger berühren


Ich würde gerne

vollkommen stillstehen

ohne, innerhalb und außerhalb fortzugehen


Ich würde gerne

auf einen tausend Meter Baum klettern

mein eigenes Buch immer wieder von neu umblättern


Ich würde gerne

alle erlebten Momente nochmal erleben

nur als dritte Person eben


Ich würde gerne

tiefe Dankbarkeit spüren

ohne, dass sich meine Zunge und Lunge zuschnüren


Ich würde gerne

ein paar andere Leben testen

drei Tage wach sein

und reiten wie im Wilden Westen


Ich würde gerne

Lautstark weinen

ohne zu denken,

dass die anderen alles besser meinen


Ich würde gerne

bis zum Ende vorspringen

damit mir im Hier & Jetzt unmögliche Dinge gelingen


Ich würde gerne

mir selbst genug sein

mich zu Hause fühlen mit mir allein


Da steh ich immer noch

festgefroren auf betonfesten Boden

alles zieht vorbei wie tausend Episoden

vor mir ist nur ein großes schwarzes Loch


In mir tobt es rasend schnell

es gibt kein Ende

alles was ich habe

lege ich in meine Hände


Da kommt eine andere Hand

legt sie auf meine

und sagt

hier hast du noch ein paar Steine

zusammen schaffen wir das

schauen über den Tellerrand

laufen manchmal gegen eine Wand

aber egal wo ich stand

du und ich

wir sind wie feinstaubiger Sand

rasend schnell

aber fest zusammen ein Stillstand

in einer einzigen Hand.




Elisa Güth, Jahrgang 94, schreibt seit ihrer Jugend Kurzprosa, Kurzgeschichten und Gedichte. Die staatlich anerkannte Sozialpädagogin lebt mit ihren zwei Kindern im Westerwald. Der Fokus ihrer Arbeit liegt unter anderem in den Traumata und in der Psyche von jungen Müttern. Das Pseudonym Ellipse bringt den kurzen und knappen Schreibstil der jungen Schriftstellerin zum Ausdruck. Eines ihrer Ideologie ist: „wir sind alle nur ein Haufen voller unendlich vieler Entscheidungen!“

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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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