Manifest der Selbstachtung

Ella Einhorn für #kkl42 „Selbstachtung“




Manifest der Selbstachtung: Was es ist
(nach Erich Fried)


Es ist ….

Grenzen einfordern, sagt der Respekt.

Wild leben, sagt die Freiheit.

Mitfühlen, sagt die Empathie.

Dich und andere umhüllen, sagt die Liebe.


Für die eigenen Werte einstehen, sagt die Moral.

Langsam leben, sagt die Achtsamkeit.

Gut im Kontakt mit dir selbst sein, sagt die Intuition.

Versprechen einhalten, sagt die Verantwortung.


Dich nähren und stärken, sagt die Resilienz.

Der Freude folgen, sagt die Neugierde.

Bei lieben Menschen sein, sagt das Herz.

Auf dich achtgeben, sagt die Vorsicht.


Dir und anderen verzeihen, sagt die Vergebung.

Unermüdlich losgehen, sagt die Sehnsucht.

Im Ungewissen offen sein, sagt das Vertrauen.

Wahrhaftig du selbst sein, sagt die Authentizität.




My heart is for sale


Ach, mein Herz, du schlägst so heftig,

übervoll fließt du dahin.

Deine Hand fasst meine Wange,

zärtlich streichelst du mein Kinn.


Um uns dunkelt sanft der Abend,

und du hältst mich nah bei dir.

Langsam winde ich mich labend

und es drängt mich hin zu dir.


Meine Lippen suchen deine,

auf die Kehle küsst du mich.

Doch ich frage mich: Wie lange

kann ich zählen hier auf dich?


Meine Augen brennen lähmend

und im Magen tobt der Schmerz,

denn ich spüre ganz beklommen:

Zu verkaufen ist mein Herz.


Verkaufen, nein, ich will`s verschenken,

reiß es aus und zeig es dir.

Pochend leg ichs dir zu Füßen –

Hier, schau her – nimm es von mir.




Love sex money


Sono stanco.

Ich bin müde, so unendlich müde.

Alles scheiße!

Die Totenschädel starren mich unverhohlen an.

Hinter dem Schuh, die Diskokugel rollt.


Don`t die.

Stirb nicht vor mir.

Ich will es versuchen.


Zwischen Elvis und dem roten Alien

flitzen grünliche Lichtpunkte durch den Raum.


Illusions for sale.

Illusionen im Ausverkauf.

Wohin wandern heute meine Träume?


Was würde ich verkaufen?

Oder kaufen?

Love, sex, money?


Der Gartenzwerg baumelt im Nirgendwo.

No more art.

Keine Kunst mehr.

Für heute.

Bitte.


Où est le noveau?

fragt vorwurfsvoll der grüne Papagei.

Jage ich dem Neuen hinterher?

Vergeblich?




Häutung


Einsam sitzt sie dort am Fenster,

schaut hinaus, weit in die Welt.

Ihre Haare, halb verborgen,

eine Hand die andere hält.


Wütend blickt sie hin zur Türe,

starrt von dort hinauf zur Uhr,

hat es satt, erneut zu warten,

fragt sich selbst: Wo bleibt er nur?


Von den rot geschminkten Lippen

zischt ein Fluch hinaus, ganz leis.

Wenn er käme, ach, sie würde –

doch er kommt nicht, wie sie weiß. 


Plötzlich packt sie eine Regung:

Schade um die Lebenszeit!

Sie greift schnell nach dem Notizbuch,

zahlt und geht hinaus, ganz weit.


Heute wartet sie nicht länger,

heute wird sie einfach gehen,

wird ihr Leben neu gestalten,

unerhört bleibt dann sein Flehen.


Unerwidert seine Schwüre,

dass sich ändern wird, was war.

Sie läuft weiter in die Sonne,

die heut scheint, so hell und klar.


Streift den Mantel von den Schultern,

wirft den Schal fort, weg von sich,

atmet tief die Luft des Frühlings

und sie denkt: Ich häute mich.




Persephone


Ich bin die Tochter, die Abschied nimmt und doch bleiben möchte.

Ich bin die Tochter, die ihren eigenen Weg geht und akzeptiert werden will.

Ich bin die Tochter, die voller Schmerz und voller Freude an ihre Kindheit zurückdenkt.


Ich bin die Tochter, die sich Distanz und Verbundenheit wünscht.

Ich bin die Tochter, die frei sein will und klare Grenzen braucht.

Ich bin die Tochter, die zurückkehren und aufbrechen will.


Ich bin die Tochter, die Verantwortung übernimmt und davor zurückschreckt.

Ich bin die Tochter, die Leichtigkeit lebt und Schwere fühlt.

Ich bin die Tochter, die sich längst gefunden hat und doch immer weitersucht.


Ich bin die Tochter, die nichts will und doch alles.

Ich bin die Tochter, die so viel fühlt und so wenig weiß.

Ich bin die Tochter, die sich ausprobiert und sich festlegen will.


Ich bin die Tochter, die zart und wild zugleich ist.

Ich bin die Tochter, die Familie langweilt und erfüllt.

Ich bin die Tochter, die maßlos ist und in Balance bleiben will.


Ich bin die Tochter, die müde ist und nicht schlafen kann.

Ich bin die Tochter, die Ruhe sucht und das schnelle Leben findet.

Ich bin die Tochter, die das Leben liebt und den Tod fürchtet.




Aphrodite


Stolze Selbstermächtigung,

lebendige Freiheit.


Authentisch Ich sein,

kraftvoll Ja zum Leben sagen.


Du darfst das,

sei du selbst!


Sinnliches Spüren,

loderndes Feuer.


Was macht mir Freude?

Was treibt mich an?


Lebensgenuss in Fülle,

Lust dringt aus jeder Pore.


Ich darf das,

ich bin ich selbst.




Artemis


Verwurzelte Füße,

kraftvoll und fest.


Selbstbehauptung,

Klarheit,

Energie.


Wilde Vitalität,

archaisches Pulsieren.


Jagen,

vorantreiben,

zielen.


Mein Körper.


Steh aufrecht,

bleib bei dir,

lass dich nicht unterkriegen.


Ich nehme Raum ein

und strecke mich weit,

fest verwurzelt

in der Erde.




Ella Einhorn, geboren und aufgewachsen in Süddeutschland, lebt in Bremen. Geisteswissenschaftliches Studium in Heidelberg und Rom. Arbeitet im pädagogischen Bereich. Schreibt vor allem Lyrik und Kurzgeschichten. Liebt Yoga, Literatur, Zitroneneis, den Frühling und das Meer.







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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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