Esther Horat für #kkl42 „Selbstachtung“
Eine Weile noch
Wer wird die dünne Haut
noch zärtlich tasten,
die Hand dir halten
und den Blick,
der sich nach innen wendet,
die Worte hören, die du sprichst,
wenn die Stimme langsam versiegt?
Die Zweige beugen sich herab
zu den Wurzeln.
Doch die Gedanken steigen auf,
die Tage atmen still
in die Rastlosigkeit
der Welt.
Die Früchte des Somners
trägst du; und immer noch wachsen sie
einer Antwort entgegen.
Deine Schritte werden kleiner,
das Lied klingt aus.
Seine Töne tragen dich
ans Ende der Brücke.
Niemandsland
Die Nacht weicht nicht,
der Mond treibt noch die Schatten
vor sich her – Namenlose.
Einöde schweigt
über stumpfem Gras.
Kein Wind in den Halmen.
Das weite Land
zeigt keinen Weg,
starrt stumm
aus dürren Büschen.
Lange schon irre ich umher,
suche mein verlorenes Lachen
irgendwo
in dieser Wegelosigkeit,
finde die Stille
und tief in mir
das Strömen der Zeit.
Sternenstaub
Ich fliege hoch hinauf,
gleite über Seen, Flüsse,
zerklüftete Berge,
folge dem Ruf eines Falken,
bis ans Ende der Welt.
Meine Gedanken lichten sich,
ziehen dorthin
wo Wunder wohnen.
Dämmerung.
Ich sinke in tiefere Farben.
Der Kokon
Ins Vergangene entführt mich die Musik
gleich einer Mücke irgendwie
gefangen im Netz
wär da nicht
der kleine Schmetterling
spielerisch flatternd
eine Blume suchend.
Mein Kokon bekommt Risse.

Esther Horat, geboren 1958, lebe in Basel.
„Bisher veröffentlichte ich meine Gedichte auf diversen online-Plattforen.
Zudem bin ich Malerin: diverse Kurse an der Kunstgewerbeschule in Basel sowie beim Baseler Kunstmaler Kurt Pauletto.“
Über #kkl HIER

Liebe Esther Horat,
besonders ihr Gedicht „Eine Weile noch“ hat mich sehr berührt. Ich danke für´s Teilen und habe es mit einem Hospizverein geteilt.
Mit Grüßen aus dem Schwarzwald Michael Hübner
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Lieber Michael Hübner,
das freut mich natürlich sehr! Auch dass Sie es mit einem Hospitzverein geteilt haben. Das Altern und Sterben ist leider häufig noch ein Tabu-Thema. Es ist schön, wenn dieses Gedicht berührt. Danke auch für die Grüsse aus dem schönen Schwarzwald. Von meiner Seite grüsse ich Sie herzlich aus Basel. Esther Horat
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