Jochen Stüsser-Simpson für #kkl42 „Selbstachtung“
Nase hoch
Spröde vernarbt und wund ist
die Innenseite der Außenseiter
nach unten zeigen die Stirnen
Wenige heben den Blick
und beginnen als Schmuggler
den kleinen Grenzverkehr
sie gehen in die Fugen vergrößern
Risse finden Lücken sie schleusen
ihre Waren und Botschaften
in die Mitte der Ausgrenzer
zählen die Löcher der Nasen
blasen Frühling in Altweibersommer
Altmännerhaar balancieren Sinn
und Gegensinn schaben an der
Außenseite nehmen Glanz gewinnen
Widersinn aus kleinsten Fragmenten
sie lehren das Rechnen und:
Nase hoch hilft nicht gegen Rechnen.
Allmählich und fast unbemerkt
wird etwas ordnen neu sich Verhältnisse
bipolare Störung die Mehrheiten wandern
wenn die Zahlen sich ändern Mitte sich schiebt eingegrenzt ist ausgegrenzt
und: Nase hoch hilft nicht gegen Rechnen.
Fast zunehmendes Ich
Ich spitz den Mund und streck die Zunge
zieh Wangen ein, reiß Augen auf
dann zwinker ich, spiel mit den Fingern
lass Enten kleine Fische sein
öffne die Lippen leicht und
hänge einen Finger ein, ich liebe
Angelhaken, Kliff-Hängerei
auch dann mit dem Gesicht
viel Arbeit, Schauspiel, Masken
Bildnerei und Mühtoss ich
habe zwischen Spur und Anfang
fast alles richtig
gemacht, fast
Schnappschuss
Selfie
Jochen Stüsser-Simpson liest, schreibt, joggt in Hamburg – paddelt immer wieder auf der Elbe und schwimmt gerne in der Alster
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