Meine Stunden allein

Karl Kaputt für #kkl42 „Selbstachtung“





Meine Stunden allein


Meine Stunden allein

sind eine Übung

und ein Finger

im zerkratzten Denken


Meine Stunden allein

sind eine Frage

an das, was vor uns liegt


Meine Stunden allein

sind etwa zwei Ideen

vor dem Schweißausbruch


Meine Stunden allein

sind ungewohntes Terrain.

Ich kippe den Inhalt einer

aus den üblen Weltnachrichten

zusammengesetzten Angst

in etwas hinein, das sich

früher Abend nennt.


Meine Stunden allein

sind zwei Raben im

endlosen Rapsfeld,

die sich nicht suchen werden

und nicht finden wollen

bloß ist das Rapsfeld

gar nicht endlos.





Vom Traum ein leeres Dorf zu sein


Es reichte.

Die Krisen hatten ihr einen Schnitt ins

Herz gesetzt.

Und so begann sie, die Bäume zu hassen,

die Gier nach Frühling,

die in Einkaufszentren zelebrierte

Kraft der Verdrängung,

sie begann, Taschentücher zu hassen

und Menschen, die mit dem Weinen

aufhören wollten.


Alle konnten nicht mehr

und niemand gab es zu.


Es reichte dieser Großstadt.

Doch das Verbot,

öffentlich aufzugeben,

trug ein in seiner Breite

einschüchterndes Bündnis

beharrlich mit

und so schienen auch die

hohen Nebenkosten

nichts weiter als ein Grund zum

Abwinken zu sein.


Ich bin keine Stadt mehr,

schrie sie

und am Straßenschild gegenüber

war der halb zerkratzte Sticker

noch gut lesbar,

Dampf stieg auf

und niemand vergaß

und niemand erinnerte sich





Die Unmöglichkeit


Dich zu beleuchten

hat Schatten geworfen,

Schatten auf mich,

die mir zur Beruhigung dienten.


Wo ich in Farben

nicht war

konnten Narben

in rosa nicht sein

allein

wenn ich dich sah

wo sah ich tatsächlich hinein?


Ich kippte den Eimer

voll Frühlingsgrün

dir jeden Tag zweimal

über die Haare

so blieb mir der Schatten gewiss

ich log, wenn ich hoffte:

So machen das Paare.


Ein Paar zu sein,

ein Team,

ein Schöner mit als ohne,

das hätte dir Schatten übriggelassen.


es hätte geheißen mich anzuerkennen,

Grün ist meine Lieblingsfarbe,

im Dunkeln bekomme ich Angst.


Ach,

hätte ich mich ändern können,

ohne zu verschwinden,

doch hab ich mich verändert,

um dich in mir zu finden.


was blieb,

ist die Unmöglichkeit

mich komplett aufzugeben,

verwandelt drauf zu warten

dass du mich endlich siehst.





Mein Name ist, also, naja, ich schreibe neuerdings unter dem Pseudonym Karl Kaputt. Außerdem lebe ich in Berlin, bin dort zu einem zweiunddreißigjährigen Menschen herangewachsen, blühe, verwelke, blühe wieder, eine Phönixblume sozusagen, liebe Lasagne mit Ketchup, hadere mit der Ungewissheit überall. Papa dreier Kinder bin ich auch und Sozialarbeiter, der in der Psychiatrie arbeitet.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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