Sanftmütiges Herz

Ingrid Baumgart-Fütterer für #kkl42 „Selbstachtung“




Sanftmütiges Herz

Spürst du
das sanfte Lächeln
deines Herzens,
das dich mit
Glückseligkeit
erfüllt
und dich
wissen lässt,
dass du
die reine Liebe
in dir birgst.
Lasse zu,
dass diese Liebe
deine Seele
durchdringt,
andere Seelen
sachte berührt
und somit
zum „Gleichklang“
der Herzen beiträgt.




Musikalische Leidenschaft

haucht ihrem Klavier Leben ein. Mit erstaunlicher Kunstfertigkeit gleiten ihre Finger über die Tastatur. Ihr Körper wiegt sich im Rhythmus der Musik. Mit Leib und Seele gibt sie sich dem Klavierspiel hin. Von den Klängen der zauberhaften Melodie lässt sie sich tief berühren. Grenzen lösen sich auf – sie wird eins mit dem Klavier, dessen Klangfülle in ihr Saiten des Herzens zum Klingen bringt. Wie beflügelt spielt sie mit nicht nachlassender Virtuosität selbst die schwierigsten Passagen des Musikstückes. Ein tiefgründiger Dialog entspinnt sich zwischen ihr und dem Klavier, dessen Musik immer deutlicher ihre freudvoll leuchtende Seele zum Ausdruck bringt.




Pflege und Betreuung des wahrnehmungsgestörten Herrn X (Eigenerfahrung)

Beschreibung einiger von Achtsamkeit geprägten Pflegeszenen, die Wechselwirkungen zwischen der Selbstachtung und der Achtung des Herrn X verdeutlichen.

Um seine Gefühle von Vertrauen und Sicherheit nicht zu beeinträchtigen, bereite ich Herrn X mit eindeutigen Informationen schrittweise auf die Angebote der Pflege vor.

Weil ich ihm zu verstehen geben möchte, dass ich nichts gegen seinen Willen tun werde, beobachte ich genau seine Reaktionen, um den Handlungsablauf darauf abzustimmen. Die Erfahrung, jederzeit darüber befinden zu können, ob das jeweilige Angebot für ihn das richtige ist oder nicht, wird ihm ein Gefühl von Mitspracherecht und Selbstbestimmung vermitteln.

Sollten die von ihm gesandten Signale vermutlich darauf hindeuten, dass ihm momentan eine Ruhephase lieber ist, breche ich unter Umständen mittendrin ab, um Herrn X spüren zu lassen, dass ich auf seine Bedürfnislage eingehe. So vermittle ich ihm nebenbei ein Mindestmaß an Kontrolle, über die mit ihm gemeinsam verrichteten Aktionen, was zur Stärkung seines Sicherheitsgefühls beiträgt. Um ihm obendrein ein Gefühl von Beständigkeit und Sicherheit zu vermitteln, halte ich im Verlauf der gesamten Handlung den Körperkontakt zu ihm aufrecht.

   Bei der verbalen Kommunikation beschränke ich mich auf das Notwendigste, um ihn wegen seiner       

eingeschränkten Wahrnehmungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten nicht zu überfordern oder vom Hinspüren sowie seiner Eigenwahrnehmung abzulenken. Ich möchte im Verlauf der pflegerischen Maßnahmen mit Herrn X in einen somatischen Dialog treten und hierbei über für ihn nachvollziehbare Bewegungen und Berührungen dazu beitragen, dass er „verloren gegangene“ Anteile seines Körpers wieder als etwas zu sich Gehörendes erfährt.

Während der bisherigen Betreuung des Herrn X  waren Energien und Kommunikation eher auf sein geschlossenes System gerichtet, das er aus Gründen des Selbstschutzes aufrechterhalten hatte. Da ich den Eindruck gewonnen habe, dass Herr X sich in seinem Körper, der für die Ich-Identifikation ausschlaggebend ist, zunehmend sicherer fühlt, scheint nun der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein, ihn bei einem „Aus – sich –herausgehen“ bzw. einem „Sich- öffnen“ gegenüber den Mitmenschen und der Außenwelt hilfreich zur Seite zu stehen.

Es sieht ganz so aus, als würde er aus einem Gefühl der inneren Stärke heraus es nun wagen, über die eigenen Grenzen hinweg Kontakt zu seinem Umfeld aufzunehmen. Der kontinuierliche Übergang von seiner extrem geschlossenen/verschlossenen zu einer zunehmend offenen (Körper-) Haltung scheint darauf hinzudeuten, dass er auf der Ebene des für ihn verstehbaren somatischen Dialogs sich als Mensch verstanden und angenommen fühlt. Da die zur mitmenschlichen Begegnung beitragenden Bewegungen und Berührungen stets innerhalb der von ihm gesetzten Grenzen erfolgen, erlebt er sich womöglich als Mensch, dessen Ansätze zu einem selbst bestimmten Handeln respektiert und gefördert werden.

Mithilfe von (geführten) Eigenberührungen und Eigenbewegungen wird Herr X verstärkt Kontakt zu sich selbst aufnehmen und über die wahrgenommenen Begrenzungen seines Körpers das Eingebundensein in das Umfeld spüren. Als Folge wird er besser zwischen dem „Du“ und dem „Ich“ differenzieren können und lernen, sich (wieder)  als  individuelle Person zu begreifen. Das Gefühl, sich selbst in Abgrenzung zur Umwelt als in sich ruhend zu erleben, wirdmöglicherweise seine Persönlichkeit festigen und seinen Mut zum Weiterleben stärken.

Möglicherweise haben die wahrnehmungsfördernden Angebote der Pflege ein weiteres Verblassen seines Körperbildes nicht nur aufgehalten, sondern teilweise rückgängig gemacht. Ich hoffe, dass infolge der Entfaltung seines Körper-Ich dem existenziell bedrohlichen Selbstverlust in gewisser Hinsicht Einhalt geboten werden konnte und Herr X sich in sich selbst stabiler „verankert“ fühlt. Möglicherweise hat er sich auf den Weg gemacht, sich seiner Identität und körperlichen Existenz  bewusster werden und den eigenen, ihm fremd gewordenen, gar verloren geglaubten Körper im Sinne einer „Selbstfindung“ schrittweise zurück zu erobern.

Reflexionsfragen

Wie kann ich erspüren, ob mein Tun den wechselnden Bewusstseinszuständen des von mir betreuten Herrn X tatsächlich angepasst ist?

Wie kann ich meine Wahrnehmung und mein Fingerspitzengefühl so verfeinern, dass es mir im Kontakt mit ihm gelingt, eine ihm zugewandte Präsenz zeigen und auch aufrechterhalten zu können.

 „Was kann ich ihm zumuten?“ „Gönne ich ihm genügend Ruhephasen?“ „ Deute ich seine Signale richtig oder lasse ich mich von den eigenen Interpretationen „hinters Licht führen“?

 „Wie schaffe ich es, seine Willensäußerungen z.B. nicht als aggressive Abwehr fehl zu deuten, sondern als eine Äußerung, bei der er möglicherweise sein Recht auf ein selbstbestimmtes Agieren bzw. Intervenieren einfordert?

Man kann nie wissen, wie ein wahrnehmungsgestörter Mensch, der äußerlich sein Verhalten auf bestimmte Reize anscheinend nicht (gleich) ändert, letztlich das Ganze für sich verarbeitet und mit Bedeutung versieht.  Ich habe mir bewusst gemacht, wie wichtig es ist, die eigene Unsicherheit nicht nur zu akzeptieren, sondern in Momenten der eigenen Unruhe inne zu halten, um  herausspüren zu können, welche „unmaskierten“ Gefühle sich dahinter verbergen.

(Unnötige) Zeit kostet u. U. die (zögerliche) Überwindung von Widerständen, wenn es zum Beispiel darum geht, sich selbst die Erlaubnis zu erteilen, mal innezuhalten, in sich hinein zu lauschen und auch dem Wahrnehmungsgestörten die Gelegenheit zu geben, es ebenfalls tun zu dürfen. Solange aber zu viel Energie in die Aufrechterhaltung von Widerständen investiert wird, scheint die „gefühlte“ Zeit viel schneller zu verstreichen als die real verstrichene.

Eine  „Psychohygiene“ dieser Art wird einem vor einer allzu starken Trübung der eigenen Sinneseindrücke bewahren und die Gefahr eines Überspringens eigener Emotionen auf den  Wahrnehmungsgestörten minimieren.

Es ist überaus wichtig, diese Signale zu entschlüsseln und die innere Weisheit zu entdecken, die einem solchen Geschehen innewohnt. Hierzu ist es unerlässlich, die eigene Wahrnehmung zu verfeinern. Statt zu interpretieren, sollte man vor allem hinspüren, und sich auch mal von eigenen Gefühlen und der Intuition leiten lassen, sofern ein Abgleich mit einer (weitgehend) objektiven Beobachtung nicht außer Acht gelassen wird. Ansonsten läuft man Gefahr, von sich auf andere zu schließen und demzufolge die vordringlichen zentralen Ziele der zu betreuenden Person aus den Augen zu verlieren. Bei der achtsamen Pflege geht es um eine Haltung der „Absichtlosigkeit“, die mit einem Überstülpen von „erfolgsorientierten“ Angeboten unvereinbar wäre. Mit anderen Worten: es geht nicht um die eigenen Erfolge, sondern in erster Linie darum, herauszufinden, mit welchen Angeboten wir dem von uns Betreuten dazu verhelfen können, seinen momentan bedeutsamsten Zielen näher rücken zu können.





Ingrid Baumgart-Fütterer, Autorin, geb. 1954
Im Ruhestand seit Oktober 2014

Veröffentlichung von zahlreichen Artikeln in Pflegefachzeitschriften und von Gedichten in diversen Anthologien.
Veröffentlichung von zahlreichen Artikeln in der Mitarbeiterzeitschrift „Medikuss“ im Rahmen meiner ca. 12 jährigen Tätigkeit als Mitautorin der „Medikuss“- Redaktion des Städtischen Klinikums Karlsruhe.

Beruflicher Lebenslauf

Seit mehr als dreißig Jahren war ich am Städtischen Klinikum Karlsruhe gGmbH als Lehrerin für Pflegeberufe tätig.
Meine berufliche Tätigkeit war von folgenden vier Hauptelementen geprägt:

1.
Ab 1980 Aufbau und Leitung des Weiterbildungslehrganges für Anästhesie – und Intensivpflege. Ab 1984 Führung dieses Kurses als Lehrerin für Pflegeberufe.
2.
Nachdem sich 1994 das Städtische Klinikum Karlsruhe entschloss, eine „Innerbetriebliche Fortbildung“ einzurichten und Stationsleitungskurse in eigener Regie zu betreiben, übernahm ich die Aufgabe, diese Kurse im Rahmen einer erweiterten Verantwortungstätigkeit zu konzipieren, und selbstverantwortlich zu leiten.
3.
Ab 2003 Aufbau und Leitung des Weiterbildungslehrganges „Pflegeexperten“.
4.
Ab 2008 Tätigkeit als Lehrerin für Pflegeberufe und Kursleitung an der Akademie für Pflegeberufe.

Einen Teil des Unterrichts eines jeweiligen Kurses hatte ich selbst bestritten.

Nebenberuflich Seminarleitung/Dozentin

 Themen:  Stress- und Konfliktmanagement und moderne Arbeitstechniken (ca. 12 Jahre) für Mitarbeiter des Personalamtes der Stadt Karlsruhe.






Über #kkl HIER

Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

Hinterlasse einen Kommentar