Dorn im Auge

Astrid Hammerthaler für #kkl43 „Moralisierung“




Dorn im Auge

Wenn ich nicht tue, was du erwartest, bin ich schlecht.

Aber wer sagt, dass das, was du erwartest, gut ist?

Altruismus soll gut sein. Vor allem für Frauen. So hört man(n).


Doch: Wenn eine so ist, nimmt sie mir Kraft. Ich sehe ihren Körper gebückt und alles an ihr ist Vorwurf. Sie wähnt sich im Recht. Moralisch einwandfrei. Sie gibt bis zur Selbstaufgabe. Seht mich! Wie gut ich bin!
Aber wer ist sie?
Ihr Gesicht ist verdunkelt, weil sie sich selbst nicht kennen und lieben will. Weil sie bedürftig ist und nicht genährt wird. Von der wichtigsten Person, die es gibt: Von sich selbst.
Ihr Blick ist klagend. Sie klagt andere an. Ihr seid nicht gut. Nicht so gut wie ich. Man muss sich selbst aufgeben, Erwartungen erfüllen.
Brav sein wie ein ungeliebtes Kind. Warum nicht aufstampfen und aufbegehren?

In Wahrheit ist die Altruistische oft eine Last.

Da drüben lebt die Frau, die ihr Leben genießt. Sie strahlt, ist herzlich und lässt sich nichts vorschreiben. Sie lässt sich nicht nutzen, ist nicht benutzbar. 
Sie liebt wen und wann sie will. Derzeit einen, der jünger ist als sie. Und der liebt sie auch. Ihre Freude ist ansteckend, weil sie von Lebendigkeit erzählt. Ich sehe sie oft in knallroten Kleidern.
Haushalt, Kinder, Konventionen – das sind nicht ihre Vorlieben.
Sie legt den Wert auf Freiheit. Die liebt sie vor allem. Und darüber hinaus: Sich selbst.
So könnte sie glücklich sein.
Aber dieses Glück ist den vermeintlich Sehenden ein Dorn im Auge.
Er spießt nicht das Auge der Urteilenden, sondern versucht den Stachel in das Lebensglück der Frau zu setzen.
Die Frau, die nur froh ist, ihren Weg gefunden zu haben. Und ihn gegangen zu sein.
Sie liebt, bewegt, leuchtet. Ist bestenfalls groß. Ein großes Licht.
Das kaum aushaltbar scheint für die mit dem Dorn im Auge. Die das Strahlen nicht aushalten.
Sie haben sich ja selbst verletzt, am Auge.





Astrid Hammerthaler lebhaft in München, schreibt und ist als Fotografin tätig.
Zuletzt Veröffentlichungen bei #kkl.
Sie ist Sozialpädagogin und Arbeit am Tonfeld®-Therapeutin.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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