Die Klippe

Merle Joline Brinkmann für #kkl43 „Moralisierung“




Die Klippe

Und wieder stehe ich hier auf der hohen Klippe und starre hinab in die tobende See. Der Schaum der Wellen spritzt fast bis hier oben zu mir und die Luft ist frisch und salzig.

Die Wellen brechen dann, wann sie wollen, ohne sich von den spitzen Steinen, die aus dem Wasser ragen, aufhalten zu lassen. Sie lassen sich davon nicht stören. Oh, wenn das bei mir doch genauso wäre. Wenn ich doch nur so unabhängig wäre wie das Meer. Und so wenig beeinflusst von all den Schwierigkeiten.

 Dabei hat das Meer doch auch Schwierigkeiten, oder nicht? Manchmal muss es doch auch Probleme haben, so wie ich. Aber das Meer ist mächtig. Mächtiger als ich. Viel mächtiger. Dem Meer sind die Probleme von uns Menschen egal. Sie sind unwichtig. Aber für mich sind sie es natürlich nicht.

Immer, wenn ich hier auf der Klippe stehe und die Seeluft tief einatme, hilft mir das ein wenig, neue Energie zu tanken. Es ist wie ein Heilungsvorgang, den man rein medizinisch nicht beschreiben kann.

Obwohl die Probleme dadurch natürlich auch nicht verschwinden. Und das werden sie nie. Solange ich lebe. Ich werde mit den Problemen niemals so umgehen können wir das Meer. Ich werde niemals so stark sein. Nie und nimmer.

Ich hebe meine Arme wie Flügel an und fühle mich wie der König der Welt. Nirgendwo sonst fühle ich mich so wie hier auf der Klippe. So frei, so gleichgültig, so erfrischt und vor allem so, als könnte ich selbst über mich bestimmen. Über mein Leben. So wie das Meer. Als könnte ich genauso über den Problemen stehen. Und sie beherrschen. Nicht andersherum.

Aber so ist die Realität nun mal nicht. So sieht mein Leben nicht aus. Weil ich ein Mensch bin und nicht der Ozean. Weil Menschen scheinbar leiden müssen.

Denn im Gegensatz zu den Fluten, die einfach ungestört über den Felsen brechen und somit die Widerstände, die sich ihnen bieten, außer Acht lassen, gewinnen bei uns Menschen jene Widerstände die Überhand. Während das Meer die spitzen Felsen, die es zu durchdringen versuchen, gar nicht zu bemerken scheint, lassen wir Menschen uns von unseren Problemen erstechen. Wir gehen daran zugrunde.

Und genau das ist der Grund, warum ich nun einen Schritt nach vorne mache und in den Ozean falle, um das qualvolle Leben hinter mir zu lassen.




Mein Name ist Merle Joline Brinkmann. Ich bin 14 Jahre alt. Die Geschichte habe ich mit 13 Jahren geschrieben.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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