Ingrid Baumgart-Fütterer für #kkl43 „Moralisierung“
Ein Mann, ein Wort – eine Frau, ein Wörterbuch
-Satire-
Männer und Frauen scheinen verschiedene Sprachen zu sprechen. Jedenfalls reden sie oft aneinander vorbei und können demzufolge kaum Verständnis füreinander entwickeln. Zum einen mag es daran liegen, dass Frauen sich gern hinter abgegriffenen Redewendungen verstecken, weil ihnen der Mut zu einer glasklaren Aussage oder einem eindeutigen Ja oder Nein fehlt. Zum anderen machen sie aus dem Bauch heraus wolkige Bemerkungen und vernebeln sich dadurch ihren Verstand. Der Mann dagegen greift Fragen auf, die in der Luft liegen, stellt sondierende, polemische, inquisitorische, enthüllende Fragen und drängt auf plausible Erklärungen aus Frauenmund.
Zum Schutz gegen seine bohrenden Fragen, die unbehagliche Gefühle in Frauen hervorrufen, hüllen sie sich mit gequältem Lächeln in den Mantel des Schweigens, unter dem sie emotional in der Versenkung verschwinden. Dem wölfisch grinsenden Mann bleibt ob der verstockten Sprachlosigkeit der Frauen nichts anderes übrig, als zähneknirschend die Antworten auf seine Fragen selbst zu finden, wobei er selbstgerecht zeigt, dass er um keine Antwort verlegen ist.
Weil Frauen ansonsten dazu neigen ohne Punkt und Komma ihr Gerede abzuspulen, ist es sozusagen ohne Hand und Fuß. Dafür tragen sie ihr Herz auf der Zunge. Schon Luther zog aus dem Umgang mit redseligen Frauen die Erkenntnis: „Wes Herz voll ist, des gehet der Mund über.“
„Nun mach mal einen Punkt!“ herrscht da der Mann nicht selten selbst die Dame seines Herzens an, wenn er ihren Wortsalat wieder einmal gründlich satt hat oder ihm das aus den Fingern Gesaugte und an den Haaren herbeigezogene Gestammel gehörig auf den Geist geht.
Während die Frauen bekanntlich ihr Herz auf der Zunge tragen, sozusagen ihr Innerstes nach außen wenden, gibt sich der Mann eher „zugeknöpft“. Da er die Ansicht vertritt, dass jemand, der nach allen ‚Seiten offen ist, nicht ganz dicht sein kann, nimmt er ihre Selbstoffenbarungen nicht ernst. Er kann nur müde lächeln über die Bemühungen der Frauen, ihrer inneren Stimme zu folgen – und das bei dem Durcheinandergerede der zahlreichen Plappermäuler im Kopf, von denen jedes glaubt, die Weisheit für sich gepachtet zu haben.
Mit kriminalistischem Gespür deckt der Mann im von Frauen ins Unreine Gesprochene, Stereotypien, Halbwahrheiten, Widersprüchlichkeiten oder auch faustdicke Lügen auf, die sie ihm aufzutischen versuchen. Doch mit substanzlosem Geschwätz lässt er sich nicht abspeisen. Soweit machbar, wird vom ordnungsliebenden Mann „Verrücktes“ zurechtgerückt, verunglückte Sätze zusammengeflickt, Ungereimtheiten und Plattitüden ausgemerzt. Ist er daraufhin dem Körnchen Wahrheit auf die Spur gekommen, löchert er die Frauen mit brennenden Fragen, bis aus ihnen wahrheitsgetreue Informationen heraussickern. Emotional gefärbtes „Gewäsch“ verleiht er durch Schwarz-Weiß-Formulierungen einen Anstrich von bestechender Objektivität und unmissverständlicher Klarheit. Desgleichen tut er ihnen „sanfte“ Gewalt an, wenn er mit seinem analyrischen Scharfsinn ihr Geschwafel seziert. Konstruktionen der Sätze zerlegt er in ihre Einzelteile, klopft sie auf Schachstellen ab, um Kernaussagen ausfindig zu machen und fügt dann die Fragmente in wohlgesetzten Worten zu sinnvollen Satzkonstruktionen zusammen. Sein messerscharfer Verstand sorgt hierbei für die nötige Trennschärfe. Hernach überprüft er, ob seine Neuversion profunden Analysen aus linguistischer Sicht standhalten kann. Hat der Mann dem endlosen Geerde der Frauen somit ein Ende gesetzt, es gewissermaßen auf den Punkt gebracht, bleibt von der weiblichen Urfassung nicht viel übrig.
Seine fein ziselierten Sätze heben sich gegen die formelhaften Wendungen der Frauen bedeutungsschwer ab und bleiben dem Hörer wie Klebstoff im Gedächtnis haften. Seine erhabenen und geistreichen Reden machen ihn zum unbestrittenen Wortführer. Seine markanten Sätze lassen kaum Zweifel an der Richtigkeit seiner Aussagen zu. Pointiert bringt er Frauen gegenüber sein Begehr zum Ausdruck. Aufgrund seiner Wortgewalt versiegt der Redefluss selbst der mitteilsamsten Frauen, gerade so als hätte er ihnen ein unsichtbares Heftpflaster über den Mund geklebt. Ihr Schweigen durchbrechen sie am Ende allenfalls, um ihm nach dem Mund zu reden.
Spracherzieher der Frauen
-Satire-
Frauen fühlen sich seelisch zu Hause in Wolkenkuckucksheimen und Luftschlössern, wo sie jedoch keinen Boden unter die Füße bekommen und Gefahr laufen, aus allen Wolken zu fallen. Da obliegt es dem Manne, sie auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen und dafür zu sorgen, dass sie auf dem Teppich bleiben. Mit ihren wolkigen Bemerkungen vernebeln Frauen sich ihren Verstand, was der Mann für sich auszunutzen versteht. Binnen kürzester Zeit erzielt er mit sprachgeschmeidiger Schlagfertigkeit die von ihm angepeilten Ergebnisse.
Weil Frauen den gewichtigen Worten des Mannes ohnehin mehr Bedeutung beimessen, als real vorhanden ist, lastet die Verantwortung für seine von der Vernunft diktierten Entscheidungen schwer auf seinen Schultern. Pflichtschuldig und souverän zugleich stellt er sich dieser Herkulesaufgabe und bringt hinsichtlich des kommunikativen (Fehl-) Verhaltens der Frauen eine bemerkenswerte Engelsgeduld auf.
Deren Münder rattern wie Maschinengewehre, die nichts als Worthülsen ausspucken. Weil sie ihr Pulver schneller verschießen, als sie denken, sind sie im argumentativen Schlagabtausch dem Manne bei Weitem unterlegen. Frauen, in der Kunst der unfairen Dialektik so gut wie nicht bewandert, standen seit jeher im Wortgefecht mit männlichen Widersachern auf verlorenem Posten, was ihm mehr als recht sein kann. Dem wahrheitsliebenden Mann geht es ausschließlich um nackte Tatsachen. Nötigenfalls stellt er verquastes Drumherumgerede in aller Öffentlichkeit bloß und bringt Sprechblasen durch bohrende Fragen, spitze Bemerkungen oder stichhaltige Argumente zum Zerplatzen. Dass Frauen sich innerlich vor Scham krümmen, tangiert sein Gewissen nicht im Geringsten.
Hemmungslos bestürmt er Frauen regelrecht mit fundamentalen Fragen, wie Eisbrecherfragen, Schlüsselfragen, Sondierungsfragen, Vertiefungsfragen, Rangierfragen, falls unabdingbar, auch mit hinterhältigen Fangfragen. Eine intensive Informationsausbeute ist für ihn schließlich die Voraussetzung für ein respektables Herausschälen femininer Kernprobleme.
Getreu dem Motto: „Wer fragt, der führt“, gibt der Mann mit Hilfe von Frageketten den Frauen die thematische Marschrichtung vor. Gern stellt er ihnen auch sokratische Fragen, um sich permanent ihrer Zustimmung zu versichern, womit er einen Volltreffer nach dem anderen bei ihnen landet. Mit geschlossenen Fragestellungen versucht der Mann Frauen zu punktgenauerem Denken und eindeutigeren Stellungnahmen zu veranlassen. Allen Bemühungen zum Trotze ringen diese auf sein Nachfragen oftmals um Worte, antworten ihm in Halbsätzen oder verheddern sich erst recht in Widersprüche. Bevor seine entlarvenden Fragen sie jeglicher Ausflüchte berauben oder sie sich unheilvoller als zuvor in fragliche Erklärungsversuche verstricken, geben sie lieber klein bei. Frauen neigen dazu, in Rätseln zu sprechen, sich in doppeldeutigen Verallgemeinerungen zu ergehen, Themen zu zerreden, Gedankengänge zu überspringen, Gedanken um unergiebige Themen und Vermutungen kreisen zu lassen, mit Fantasie angereicherte Tatsachen zu verdrehen etc. Sein scharfsinniger Verstand weissagt ihm bereits nach den ersten Sätzen, dass das schwammige Geschwätz der Frauen Sinn entleert bleiben wird. Zuhören wäre demzufolge Zeitvergeudung.
Da bleibt ihm nichts anderes übrig, als substanzlosem Geschwätz rigoros auf den Grund zu gehen. Mit kriminalistischem Gespür identifiziert er in den leichtfertig daher gesagten Sätzen der Frauen Stereotypien, widersinnige Begründungen, Halbwahrheiten, Verschleierungstaktiken und dergleichen. Satzfetzen aus Frauenmund bringt er mit sprachlicher Geschliffenheit in einen Sinnzusammenhang und sorgt durch Ausmerzen von Plattitüden und Ungereimtheiten für beeindruckende rhetorische Prägnanz. Zum gegebenen Zeitpunkt löchert er Frauen mit brennenden Fragen, bis aus ihnen wahrheitsgemäße Informationen „hindurchsickern“.
Mit der Absicht, eine geistige Neuausrichtung seiner weiblichen „Zöglinge“ anzupeilen, lenkt er deren Geplapper mit salomonischer Weisheit in konstruktive Bahnen.
Während seine Ausdrucksweise lupenrein ist, scheint die der Frauen nicht ganz astrein zu sein. Sie reiten verbal mit „weißen Schimmeln“ durch den Schnee von gestern, kauen auf leidigen Themen herum, ohne sie geistig verdaut zu haben, womit sie dem Mann gehörig auf den Geist gehen. Gegen ihre formelhaften Wendungen heben sich seine fein ziselierten, inhaltsschweren Sätze wohlklingend und überzeugend ab. Sprachlich virtuose, geistreiche Reden mit präzise gesetzten Pointen lassen an der Richtigkeit seiner Aussagen keinerlei Zweifel aufkommen.
Spuckt der Mann große Töne, treibt es Frauen das Wasser in die Augen. Mit stoischer Gelassenheit lassen sie Strafpredigten über sich ergehen und hören über bedrohliche Zwischen – und Untertöne wohlwollend hinweg. Seine Leitgedanken dienten ihnen seit Menschengedenken als Richtschnur ihres Handelns.
Böse Zungen könnten behaupten, dass die vom Mann praktizierte Spracherziehung der Frauen einer schikanösen geistig-seelischen Vergewaltigung gleichkäme. Doch weit gefehlt ! Ohne sein permanentes Eingreifen als „Ordnungshüter“ weiblichen Kommunikationsverhaltens, würde die Gedankenwelt der Frauen in heilloses Chaos zerfallen. Dann wären sie sich möglicherweise ihrer selbst nicht mehr sicher und hätten ständig „einen kleinen Mann im Ohr“.
Ingrid Baumgart-Fütterer, Autorin, geb. 1954
Im Ruhestand seit Oktober 2014
Veröffentlichung von zahlreichen Artikeln in Pflegefachzeitschriften und von Gedichten in diversen Anthologien.
Veröffentlichung von zahlreichen Artikeln in der Mitarbeiterzeitschrift „Medikuss“ im Rahmen meiner ca. 12 jährigen Tätigkeit als Mitautorin der „Medikuss“- Redaktion des Städtischen Klinikums Karlsruhe.
Beruflicher Lebenslauf
Seit mehr als dreißig Jahren war ich am Städtischen Klinikum Karlsruhe gGmbH als Lehrerin für Pflegeberufe tätig.
Meine berufliche Tätigkeit war von folgenden vier Hauptelementen geprägt:
1.
Ab 1980 Aufbau und Leitung des Weiterbildungslehrganges für Anästhesie – und Intensivpflege. Ab 1984 Führung dieses Kurses als Lehrerin für Pflegeberufe.
2.
Nachdem sich 1994 das Städtische Klinikum Karlsruhe entschloss, eine „Innerbetriebliche Fortbildung“ einzurichten und Stationsleitungskurse in eigener Regie zu betreiben, übernahm ich die Aufgabe, diese Kurse im Rahmen einer erweiterten Verantwortungstätigkeit zu konzipieren, und selbstverantwortlich zu leiten.
3.
Ab 2003 Aufbau und Leitung des Weiterbildungslehrganges „Pflegeexperten“.
4.
Ab 2008 Tätigkeit als Lehrerin für Pflegeberufe und Kursleitung an der Akademie für Pflegeberufe.
Einen Teil des Unterrichts eines jeweiligen Kurses hatte ich selbst bestritten.
Nebenberuflich Seminarleitung/Dozentin
Themen: Stress- und Konfliktmanagement und moderne Arbeitstechniken (ca. 12 Jahre) für Mitarbeiter des Personalamtes der Stadt Karlsruhe.
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