Nordlicht

Ilona Gruber Drivdal für #kkl44 „Kosmos“




Nordlicht


Von Osten her kommt es: der Bogen ist lang

durch die Räume und Zeiten: die Pfeile des Lichts

und vom Süden nach Westen zum Untergang,

und oben im Norden ist anscheinend nichts.

Nur ewige Nacht! – Nein, wie schlägt es, mein Herz

zum Nachthimmel hin, denn ich sehe die Spur:

durch die Dunkelheit führt sie mich, nordlichtwärts

wie die magischen Zeiger der Kompassuhr.

Es tanzen am Nachthimmel bunte Gestalten,

Es zeigen sich viele Gesichter,

als ob noch die magischen Kräfte dort walten:

am Nordhimmel – kosmische Lichter.




Sterntaler


Die Nacht. Am Himmel funkeln weit.

die Sterne – sie sind nicht zu zählen,

Wer sich freuen kann, sieht in der Dunkelheit

auch das Licht und die vielen Juwelen.

Wer empfangen kann, sieht es: das Licht aus der Ferne,

wie es leuchtet im Schnee, wie in tausend Kristallen,

und wer danken kann, sieht diese zahllosen Sterne

als Taler, vom Himmel zur Erde gefallen.




Der innerste Kosmos


Vor unsrer Aussicht spannt sich weit

am Horizont ein Himmelsbogen.

So viele Pfeile sind geflogen,

von hier nach dort, durch Raum und Zeit.

Wir zählen Jahre, Tage, Stunden,

Wir sind im Sein, wir sind im Werden,

es kreisen Sternen, Sonnen, Erden,

ein Funke hat auch mich gefunden.

Ein Sternenblick, in stillsten Stunden:

Und wenn die Schale dann zerbricht,

kommt das, was drinnen war, ans Licht,

hat ein Fünkchen zur Fackel gefunden.

Mit allen Sternen, allen Lichtern,

mit allem Sein und allem Werden

mit allen Sternen, Sonnen, Erden,

und allen leuchtenden Gesichtern

sind wir im ewigen Umrunden

mit allem, was da leibt und lebt,

mit vielen Fäden fein verwebt

mit allem Sein verbunden.




Spuren am Nordhimmel


Es war dunkel und kalt, und wir hatten gefroren,

als wir am Suchen nach Unterkunft waren

wir hatten das Ziel und die Richtung verloren

unser Wagen hatte sich glattweg verfahren:

Sind wir festgefroren im ewigen Eise?

Auf verwehenden Spuren ins Winterland

sind wir Irrende, die in der Dunkelheit jagen,

auf Umwegen, weit durch das Hinterland,

sind wir Suchende, die die Gestirne befragen:

War die Irrfahrt das Ziel unsrer Reise?

Warum hat sich vom Himmel der Wagen verfahren

auf den glattesten Spuren ins kälteste Land,

wo einsamstes Ödland und Tunnel nur waren,

unsre Hoffnung in finsterster Höhle verschwand:

Was hat uns hinuntergestürzt in die Tiefen?

Als wir immer noch durch diese Schneewehen fuhren

durch Landschaften irrend und suchend im Leeren,

dann sahen wir plötzlich im Neuschnee die Spuren:

das Rad eines Wagens, und Tatzen von Bären:

War es Nacht, weil sie immer noch schliefen?

Als sie endlich erwachten – es leuchtete sehr

vom Nordhimmel spiegeln sich Lichter im Eise,

man vermutet, hier war ein großer Bär

und neben ihm ein kleiner Bär:

Die Wegweiser unsrer nächtlichen Reise.




Am leuchtenden Fenster zur Nacht


Die Nacht schaut ins Tal. Wo noch Licht ist: dort wohn‘ ich.

Noch leuchtet mein Licht hinter Fensterscheiben,

meine Hingabe fließt, so wie Wachs und wie Honig,

Dir im Kerzenlicht herzliche Briefe zu schreiben.

Wie in blauschwarze Tinte getaucht fließt es leise,

schwarz auf weiß, wie die Nacht hinter Milchglasscheiben,

am Himmelsraum wo die Gestirne die weise

Handschrift in unsere Bahnen schreiben.

Am Fenster zur Nacht, wo mein Honiglicht fließt,

werden Spuren noch lesbar im Stundenglas bleiben,

bis ein weises Gestirn mein Geschriebenes liest,

um vom Absender Milchstraße Briefe zu schreiben.

Vor den leuchtenden Fenstern des Nachthimmels grüßt

wie von Sternen geschrieben die heimliche Handschrift,

durchbricht alle Räume und Zeiten und fließt

durch mein Fenster der Nacht, und an mich ist die Anschrift.

Als hätte ein Stern meine Stirne geküsst,

so berührt mich die Wärme noch tropfender Kerzen,

und aus wachsweichen Waben, wie Honiglicht fließt

es in heilender Hingabe von meinem Herzen

Aus innerstem Raum, wenn am Fenster zur Nacht

und im Lichte der immer noch brennenden Kerzen

in mir, Briefe schreibend, die Sehnsucht noch wacht!

Von meinem Herzen zu deinem Herzen,

in Liebe – am leuchtenden Fenster zur Nacht.




In Hessen aufgewachsen, seit 1980 in Norwegen;  Anthropologin, Themenbereiche: Globalisierung, dritte Welt, Interkulturalität. Meine Leidenschaft gilt aber der Lyrik. In meinem Gedichtband „Seele der Landschaft“ geht es um die Verwandtschaft der menschlichen Seele mit der Natur – und dem Kosmos.

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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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