Teilchenphysik

Katrin Wolf für #kkl44 „Kosmos“



Teilchenphysik

Das wissen die Wenigsten, dass miteinander verbundene Quantenteilchen, sich automatisch aufeinander ausrichten. Wenn nämlich eines der beiden Teilchen eine bestimmte Drehrichtung annimmt, kann das andere gar nicht anders, als eine Drehrichtung in genau der entgegengesetzten Richtung anzunehmen, damit es insgesamt stimmt. Und dabei ist es vollkommen egal, wie weit sie voneinander entfernt sind und ob es sich um Photonen oder sonst was handelt, es gilt einfach für alle Teilchen, die verbunden sind.

Kaum jemand weiß das, und ich frage mich warum, dabei ist es doch so wichtig, es hat so einen großen Einfluss, und ich frage mich wirklich, warum das nicht viel mehr Leute interessiert.

Sogar Einstein vermutete, dass es eine so unmittelbare Ausrichtung aufeinander über so große Entfernungen gar nicht geben könne. Aber es gibt sie, das weiß ich ganz genau, es ist ganz sicher so, dass verbundene Teilchen einfach keine andere Möglichkeit haben, dass es kein Entrinnen gibt, wenn eines der beiden einen bestimmten Zustand annimmt.

Es war nämlich noch bevor ich die Mailbox abgehört hatte, dass ich wusste, was mit dir ist, und auf eine ganz unausweichliche Weise, veränderte sich alles an mir. Dein darauf gesprochener Satz, dass du noch nicht zurückkommen würdest, war nur die Bestätigung für etwas, das mir ohnehin klar war.

Was ich damals noch nicht wusste, sondern erst kürzlich erfuhr, ist, dass die Verbindung zweier miteinander verbundener Teilchen sich dadurch augenblicklich löst. Schneller als mit Lichtgeschwindigkeit. Wenn also das Eine seinen Zustand manifestiert und damit das Andere in den entgegengesetzten Zustand versetzt, hebt sich die Verbindung einfach auf. Stell Dir das mal vor! Die Verbindung besteht nur, solange beide Teilchen in einem unbekannten Zustand sind, nur so lange besteht überhaupt eine Verbindung zwischen ihnen, das ist doch unglaublich! Als sei es der Zauber eines Geheimnisses.

Das zwischen uns, das war für mich nie etwas, das eines Geheimnisses bedurft hätte, es war einfach nur gut, auch wenn ich gar nicht weiß, was ich damit sagen will. Vielleicht, dass mich heute dieses Wissen um die Zusammenhänge eher belastet, als dass es mir die sonst so wohltuende Befreiung einer erhellenden Erkenntnis bringt.

Aber jetzt interessiert mich natürlich – wenn es nicht sogar die alles entscheidende Frage ist – wie überhaupt eines der beiden Teilchen dazu kommt, einen Zustand anzunehmen, der all diese weitreichenden und unausweichlichen Folgen hat.

Und wenn ich dir das jetzt sage, dann wirst du merken, dass ich einer wichtigen Sache auf der Spur bin. Es hat nämlich mit dem Beobachten zu tun. Wenn irgendjemand eines der beiden Teilchen genauer ansieht, einfach nur eine ganz harmlos erscheinende Information beispielsweise nach den Koordinaten will, dann kann es passieren, dass unwiederbringlich diese ganze Kette von Veränderungen abläuft.

Und nun frage ich mich,

nun frage ich dich,

wer war das!




Katrin Wolf

Literatur ist eine eigene Dimension, und schreiben heißt, sie auszuloten.

Katrin Wolf hat viel ausgelotet, machte einen Teil ihrer Ausbildung zur Medizinerin

in Simbabwe und England, lernte in China Akupunktur, arbeitete als Dozentin,

Internistin und Referentin, und war schließlich so nahe an der Politik, dass sie

viel über die Bedeutung von Erzählungen lernte.

Nun erzählt sie selbst, machte eine Ausbildung an der Autorenschule

Schreibhain in Berlin, gewann 2023 einen Schreibwettbewerb am

Literaturhaus Zürich mit „Captain Kirk“ und wird mit ihrem noch

unfertigen Roman von Tatwort Medienagentur vertreten.

Sie lebt und arbeitet in Berlin.







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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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