Betrachtungen von Sternenstaub

Tom Chowdhury für #kkl44 „Kosmos“




Betrachtungen von Sternenstaub

Sind wir nicht alle Sternenstaub?

Einst kamen wir von diesen fernen Leuchten, und bald werden wir wieder dorthin zurückkehren.

Und wenn das so ist, was sind wir dann schon auf der Erde?

Fremde, Sternenstaub, den kurz etwas Ungreifbares zusammenhält, mehr nicht?

Oder aber ist die Erde selbst fremd in dieser Leere als Sternenstaub?

In jedem Fall sind wir Reisende, oder? Sammeln Erfahrungen, um schließlich zurückzukehren in den Kosmos… ein seltsames Wort, Kosmos.

Was ist schon ein Kosmos? Das Alles, würde man antworten, doch dann käme die Frage: Und was ist dieses Alles?

Die Antwort wäre wohl: Na, eben alles, was es gibt.

Und das, was es nicht gibt?

Das natürlich nicht.

Aber wieso wissen wir davon, wenn es es nicht gibt?

Na, wir wissen es eben. So wie wir sonst auch wissen, was es gibt.

Weißt du denn alles, was es gibt?

Nein, müsste man zugeben, denn es geht ja immer noch weiter, oder? Weiter zumindest als das, was ich sehen kann.

Also kannst du doch garnicht sagen, was es alles gibt.

Damit sind wir ja noch weniger weit als vorher, mag man einwenden.

Aber sind wir das? Jetzt wissen wir etwas neues: Dass wir eigentlich garnicht wissen, was dieser Kosmos ist.

Wir sind Teil davon, versteht sich. Ebenso ist unser Umfeld Teil davon, alles, was wir sehen und erreichen können, alles von dessen Existenz wir wissen.

Und wenn dieses Wissen nun falsch ist?

Ist es nicht, mag man einwenden, und das völlig zurecht.

Aber was wäre, wenn es doch so wäre? Wäre dann auch dieses falsche Teil des Kosmos?

Natürlich nicht, mag man sagen, schließlich beschließen wir ja nicht, was der Kosmos ist, wir erforschen es nur.

Aber was erforschen wir?

Wir wissen doch nur, was wir wahrnehmen. Und das kann ja falsch sein.

Ist es aber nicht, mag man einwenden, und das völlig zurecht.

Aber was wäre, wenn es doch so wäre?

Ändern würde das an unserem Kosmos nichts, oder?

Ist der Kosmos dann vielleicht doch nicht so etwas unerschütterlich objektives?

Vielleicht sogar maximal subjektiv?

Und nicht zuletzt muss man sich doch fragen: ist unser Kosmos alles, was existiert, oder doch alles, was existiert und je existiert hat?

Nehmen wir als Beispiel Lao Tse. Lao Tse ist schon lange tot. Ist er Teil des Kosmos?

Nun mag man sagen: Nein, denn wo und wie in der uns bekannten und unbekannten Welt soll denn Lao Tse sein? Die Antwort wäre sicherlich: Nirgendwo. Aber ist es so einfach?

Wir wissen, dass unser Kosmos wächst, wir wissen aber auch, dass nichts aus unserem Kosmos fliehen kann oder neu hineinfinden kann. Keine Energie verschwindet oder taucht auf.

Dann sind doch irgendwo die Teilchen des Lao Tse, oder?

Vielleicht sind sie ganz in der Nähe.

Vielleicht sind sie sogar in dir: Sternenstaub, einst zusammengehalten von etwas Seltsamen namens Leben.

Ist also Lao Tse immer noch Teil des Kosmos? Teil des Kosmos als Sternenstaub oder Teil des Kosmos als Leben, das müsste man sich für die Gewissheit fragen.

Aber wie wir schon festgestellt haben, ist der Kosmos etwas schrecklich undefiniertes. Was ist er nun, dieser Kosmos? Alles, was ist? Alles, was ist und war? Und alles, was je sein wird? Und was ist dieses Alles? Nur die Grundessenz oder auch ihre Zusammensetzung?

Ist das Alles eine Zahlenreihe an Teilchen, zu groß, als dass wir etwas mit ihr anfangen könnten? Oder ist es alles, was je aus diesen Teilchen zusammengesetzt war, was je daraus werden wird, was je daraus werden kann? Somit erstrecken sich immer größere Zahlen vor uns, immer mehr Möglichkeiten, und doch sind das nur Dunkelziffern. Denn wie wir bereits feststellen wissen wir garnicht, wie viel dieses ominöse Alles in diesem ominösen Kosmos tatsächlich ist.

Ach ja, all diese Gedanken, die einem kommen, während man Nachts am Fenster liegt und nichts tut als die Sterne zu beobachten.

Sie scheinen uns so ewig, so fest, so mächtig, und doch sind auch sie einem ständigen Wechsel der Dinge unterlegen.

Ist Zeit denn so etwas relatives? Wir sehen die Sterne, und sie werden vor uns und nach uns genauso leuchten. Aber die Sterne sehen sich, beziehungsweise könnten sie sich sehen, hätten sie die Veranlagung dazu, und sie wissen, dass sie nur einen Augenblick sehen.

Dann schließe deine Augen, ganz fest. Zähle, garnicht viel, nur bis eins.

So muss sich dann wohl Ewigkeit anfühlen, auch nichts als ein weiterer Hauch. Ist denn nichts ewig? Nicht einmal der Kosmos? Was wird da sein können, wenn alles verschwindet?

Eine endlose Leere, ist auch das ein Kosmos?

Denn dann wäre der Kosmos ja auch nur das, was ist. Aber auch endlose Leere ist doch etwas, oder?

Ist Leere wirklich nicht, oder ist sie nur nichts?

Und wieder strandet unser Verständnis des Kosmos wieder bei dem Problem der Ansicht, der Definition.

Vielleicht ist dabei die Leere noch das beste Exempel, denn für wen ist die Leere nicht leer? Alles andere, was wir wissen, wahrnehmen, glauben, ist doch subjektiv, und damit doch nur eine einzelne Facette des Kosmos. Ist es das?

Ein großer, facettenreicher Kosmos?

Oder doch eine große Facette, reich an vielen… unsere Sprache sieht keinen Plural für Kosmos vor. Vielleicht ist das auch garnicht schlecht so, wenigstens ein wenig Halt, ein wenig Einigung für all uns Verwirrten voller subjektiver… Plural von Kosmos.

Oder gibt es vielleicht nur in deiner Wahrnehmung keinen Plural von Kosmos?

Uns Verwirrten?

Wenn das ominöse Alles subjektiv ist, gibt es dann noch ein uns?




Tom Chowdhury, *04.06.2010, lebt als Schüler beschäftigt in Westdeutschland. Das Schreiben, vorrangig Fantasy und philosophische Texte, verfolgt er als festes Hobby, veröffentlicht hat er bisher nur einen Text in einer Anthologie. Seine Geschichten begleitet er gerne durch Beschäftigungen wie dem Komponieren, dem Zeichnen und ethische Diskurse.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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