Astrid Kohlmeier für #kkl45 „Mutter, Vater, Eltern“
Zeitreise
Wie sehne ich mich danach, rückwärts zu laufen
In der Zeit kleiner und kleiner zu werden
Noch einmal würde ich von der Unschuld kosten
Hineinbeißen in den süßen Apfel des Glücks
Noch einmal wäre ich heil und ohne Narben
Und zuhause an der Brust der Mutter
Noch einmal würde ich Ich-liebe-dich sagen ohne Furcht
Und all meine Tränen in Windeseile vergessen
Noch einmal würde ich aufblühen bei jedem Atemzug
Würde staunen und spielen ohne Ernst und ohne Waffen
Noch einmal wäre ich im Glauben, dass alles gut und möglich ist
Und würde vom Tod noch gar nichts wissen
Noch einmal würde ich niemanden und nichts verloren haben
Und hätte nicht verraten und verletzt
Aber über allem hätte ich noch einmal einen Vater
Und müsste nicht erwachsen wie ich bin an seinem Grabe stehen
Astrid Kohlmeier, Autorin und Regisseurin, geboren 1983, studierte Germanistik an der Karl-Franzens-Universität und der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz.

Seit 2002 schreibt sie Theater- und Erzähltexte, Lyrik und Hörspiele. Ihre Lyrik und ihre Prosa wurden in zahlreichen Literaturzeitschriften („Lichtungen“, „Die Rampe“, „Freibord“, „Luftdurchlässig“, „Proto“, etc.) und Anthologien publiziert. 2010 erschien ihr Sachbuch „Vom Roman zum Theatertext. Eine vergleichende Studie am Beispiel der ‚Leiden des jungen Werther‘ von Johann Wolfgang Goethe.“ bei VDM. 2012 erhielt die Autorin das Österreichische Staatsstipendium für Literatur. 2015 erschien Kohlmeiers Gedichtband „Flüstere mir mein Meer glatt“ im INST Verlag, 2023 der Lyrikband „Zärtliche Risse“ im Wolf Verlag. Im Winter 2024 folgt der dritte Gedichtband „Dir zugeneigt“. Kohlmeiers Theatertexte und Bearbeitungen von Prosatexten werden an Bühnen in Österreich, Deutschland, Luxemburg und in der Schweiz aufgeführt. Astrid Kohlmeier ist Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung und der IG Autorinnen Autoren.
Seit 2006 ist Astrid Kohlmeier auch als Regisseurin tätig und inszenierte u.a. „Windstrich“ von Walter Weyers, „Shakespeare, Mörder, Pulp und Fiktion“ von John von Düffel, „Cabaret“ von John Kander und Fredd Ebb, das szenische Pasticcio „In Flammen. Waldbrand Kantate“ von Johann Georg Albrechtsberger und seinen Zeitgenossen und eigene Theatertexte wie „Männliche Wimpern & Weibliche Zehen“, „Black dogs“, „Die Ordnung der Gesellschaft nicht stürzen“ nach Friedrich Schiller am Landestheater Schwaben und beim XIX. und XX. Greizer Theaterherbst. Im November 2024 kommt ihr Stück „Erkläre mir die Liebe“ in eigener Regie am Dachbodentheater Stainz zur Aufführung.
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