Schattenspiel

Matthias G. Kausch für #kkl45 „Mutter, Vater, Eltern“





Schattenspiel

Der Blick zurück,

nur Stille, Leere,

kein Kopf erscheint

und auch kein Bein,

kein Lächeln und

kein Arm zum Abschied.

Unvollständig bleibt das Bild,

das jahrelang vollständig war.

Erst blieb die Mutter drin,

dann auch der Vater.

So fordert Alter seinen Zoll,

fällt Laufen schwer und schwerer

bei jedem weitren Schritt.

Am Ende  weicht gewohntes Bild,

wird Illusion, wird Emotion.

Bald steht das Haus wohl leer

und Stille bleibt als letzter Gruß.

Nur Schatten huschen durch den Spiegel.




Alte Liebe

Hand in Hand seh ich sie

heut noch sitzen,

als Ohren noch zu jung

zum Missverstehn

und drei Programme

gerade mal

im Fernsehn liefen.

Jetzt hört sie schlecht

und er, er hört noch schlechter,

gerade jetzt, wo Worte

nötig wärn.

Das Haus verwaist,

die Kinder sind gegangen,

sind sie gefühlt

einander Last vielmehr

als pure Freud.

Nur täuscht Gefühl,

die Worte trügen,

die dann und wann

im Ärger meist gesagt.

Gefühle lassen sich

doch nicht belügen,

sie liebt ihn noch

und er liebt sie.




Wie sehr ihr Blick doch Wärme strahlt

und Traurigkeit zugleich

im selben Atemzug

bei jeder neuen Abschiedsgeste.

Zerreißen möcht es mich,

weil ich nicht weiß, wie oft

der Blick noch greift.

Wird’s heut zum letzten Male,

darf ich doch wiederkehren,

dass Augen treffen sich erneut

und weben sich zu einem Blick,

zu einem Rauschen tief im Sein,

in dem nichts trennt getrennte Leben,

in dem die Nabelschnur

kehrt ein in ihren Anfang

und Herzen ganz verweben?

Los muss ich reißen

meinen Blick,

der nicht will lassen

von des Mutters Augen,

der nicht will gehen, aber muss.

Es wartet doch das eigne ganze Leben.




Alterserscheinung

Knochig die Hand, die er reicht,

und knochig der Körper,

das Fleisch fast verflüchtigt

im steigenden Alter, halb

verfallen schon auf dem Weg

hin zum drohenden Ende.

Das Leben, es scheint schon gegangen,

blitzte es nicht in den Augen,

wenn Worte versagen, da

das Gehör schon zum Todsein verdammt.

Dann strahlen die Blicke, lebt

Leben in endlosen Bahnen, erscheint

der schleichende Tod im Lebensgewand.

Doch brechen die Blicke,

erfasst Kälte den Rücken und das Kissen

mit Strom heiß gemacht,

ersetzt die fehlende Wärme.

Bis Blicke wieder verbinden

und Wärme im Herzen entstanden

durchströmt kurz den frierenden,

klapprigen Körper

und Liebe vom Vater zum Sohn fließt in nie endendem Fluss.





Matthias G. Kausch

Geboren1965, von Beruf Lehrer

Ich schreibe seit rund 30 Jahren v.a. Gedichte. 






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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