Kafkas Käfer

Bernd Watzka für #kkl45 „Mutter, Vater, Eltern“





Kafkas Käfer


Howdy, hier spricht ein Käfer

der „Verwandlung“. Nicht Gregor Samsa,

sondern ein gebürtiger Käfer,

der unter Gregors Bettlein haust und

in der Erzählung keine Rolle spielt.


Als ungeheures Ungeziefer

wird mein Käferbruder Gregor

in der Geschicht’ beschrieben –

und, nicht weniger schlimm, er denkt

als Käfer weiter wie ein Mensch.


Ich sage: Kafka! Du hättest deine

Neurosen, Ängste und Psychosen

nicht auf Käfer projizieren sollen!

Wir können – bei Skarabäus! –

nichts für deinen Vater- und Frauenkomplex.


Also, Schluss mit dieser ekeligen

Insektenfeindlichkeit in Büchern!

Sonst schreib ich über einen Käfer,

der nach unruhigen Träumen

als ungeheurer Mensch erwacht. Igitt.





Die Schraubenziege


Im pakistanischen Hinterland

meckert ein junges Mufflon

den ganzen Tag herum.


Es war mit falscher Klaue

aufgestanden in der Früh.

Da kommt dem jungen Mufflon

die Schraubenziege gerade recht.


„Alles dreht sich um deine Hörner“,

mault das Mufflon, um das sich nie

was drehen wird im Leben.

Da wird die Schraubenziege traurig

und geht zu ihrer Mutter.


„Stimmt es, Mutter, dass alles sich

um meine Schraubenhörner dreht?“

„Mein Kind, nicht alles dreht sich drum –

nur eine Mutter“, spricht die Mama

und setzt sich drauf aufs Schraubenhorn

und dreht die erste Runde.





Ein rätselhaftes Tier


Als ich verlieft Muttis Schoß,

war ich zwei Zentimeter groß.

Dann begann die Wanderschaft,

der erste Weg – rasch geschafft.


Bald war ich so groß wie ihr;

gefürchtet ist ein Tritt von mir.

Ich bin schnell und spring sehr weit:

Dreizehn Meter, bist du g’scheit.


Im Beutel habe ich statt Geld,

etwas, das mir besser gefällt.

Ich lebe auch auf großem Fuß,

und – was ich noch sagen muss:


Kein Männchen tut mich meiden,

denn ich hab, ähem, drei Scheiden.

So, jetzt geb ich eine Ruh –

ich, Frau Riesenkänguru.





Bernd Watzka

Lebt und arbeitet in Wien als Lyriker, Dramatiker und Kulturjournalist. Studium Germanistik, Mag.phil.

LYRIK / VERÖFFENTLICHUNGEN

Tiergedichte-Band „Traum eines Chamäleons“ (198 Seiten), erschienen August 2023

Tiergedichte erschienen im Band „Fantastische Abenteuer in der Unterwasserwelt“ (2023, MTM Verlag), in der Anthologie „Damals … auf der Arche Noah“ (2023) von Martina Meier (Hrsg.)

im Poesiealbum 1/2023 („Klimawandel mit Donnerwetter“), im Wandkalender 2023 des Krogg Verlag, in der 8. Anthologie des Bubenreuther Literaturwettbewerbs 2022, auf verdichtet.at,  kunstkulturliteratur.com, in der Anthologie „Das große Mahl“ (2022) der Literaturzeitschrift Podium, in der Zeitschrift der schule für dichtung „sfd & tiere“ (2022), im Wiener Bezirksblatt, in der Anthologie des Ulrich-Grasnick-Lyrikpreises (2022) und auf Radio Orange u.v.m.

LYRIK / LESUNGEN
Lesungen seit 2022 im Cafe Prückel/KiP, Bezirksmuseum Neubau, Bezirksmuseum Landstraße, Read!!ing room, Stuthe Quickie Open Stage im Amerlinghaus, Cafe Gagarin, Cafe Baharat u. v. m.

Videos von Lyrik-Lesungen: facebook.com/bernd.watzka

Interview für den #kkl-Kanal 2023 HIER







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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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