Rainer Reno Rebscher für #kkl45 „Mutter, Vater, Eltern“
Vaters Freunde
Bewegtes Herbstmeer
springt gegen die Deiche
Blass schwarze Blätter
taumeln über die Pappelallee
im Regenwind
bis zu den Schilfwiesen
wo er die Vögel
beobachtete
Seine gefiederten
bunten Gefährten
vermissen ihn auch
singen ihm Jahr für Jahr
Wind für Wind
Welle für Welle
vertraute Lieder
Ich summe sie mit
Ganz VERSPONNEN
hängt die Spinne
unterhalb der Regenrinne,
webt und klebt ein Käferlein
sorgsam in ihr Netz hinein.
Seine Mutter fällt ihm ein.
Wieso gerade jetzt? Ach nein,
das hat nichts zu sagen.
Etwas drückt im Magen.
Er sollt wieder fragen,
wie`s ihr geht. Das Klagen
hört er schon, den Unterton:
Ach du lebst ja noch, mein Sohn.
Fette Spinne – wie zum Hohn
schrillt auch noch das Telefon,
Display MUTTER – hat verdaut
Käferlein mitsamt der Haut.
Schattenputtel
Mauern bröckeln.
Mannhafte Fassaden
stürzen
in Gedächtnis
Lücken.
Vaters Stärke
bricht am
Krankenbett.
Auf dem Schuttberg
wachsen
Vergissmeinnicht
und Augentrost.
Ein verblühtes
Tochterpflänzchen
wendet sich zum Licht.
Rainer „Reno“ Rebscher, *1949 in Darmstadt, wh. Niedereschach (BW). Psychotherapeut, Autor, Liedermacher. Mitglied der Gesellschaft für Zeitgenössische Lyrik Leipzig. Zuletzt erschienen: Neue Boote für die hellen Tage, 80 Gedichte, Reihe Poesie 21, Hrsg. Anton G. Leitner, Verlag Steinmeier, Deiningen, 2020. Drei Lyrikbücher seit 2012, mehrere CDs (zuletzt „Zwischenland – Liedpoesie“ bei Conträr Musik). In Anthologien wie Das GEDICHT, Versnetze, Poesiealbum Neu.
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