Hirn Schund

Leandra Bulla für #kkl46 „Traum, Realität, Wirklichkeit“





Hirn Schund

Er freut sich, wie jeden Nachmittag, auf seinen wohlverdienten Feierabend. Ja, in seine kleinen Rituale ist er sehr vernarrt, und darüber hat er sich nie beklagt. Doch das Beste kommt wohlbekannt erst zum Schluss: Geht er dann zu Bett, sagt er dem Hund ganz nett „Schlaf gut“ und genehmigt sich noch einen kleinen Schlummertrank, so kommt die beste Zeit des Tages. Findet er. Der Schlaf ist ihm ein guter Freund. „Wer schläft, der sündigt nicht“, pflegte sein Vater zu sagen. Doch auf sowas ist er eh nicht erpicht, auch nicht, wenn draußen scheint helles Licht.  Lieber beschäftigt er sich damit, was geschah und was er sah vor einigen Stunden, als er glaubte, gedanklich entschwunden zu sein. Denn dort zwischen Schlaf und Erwachen findet er sich häufig in Momenten wieder. Momente, von denen er nicht weiß, ob sie beißend echt oder doch nur ein, zu Recht, gedankliches Gefecht seien. Denn zu diesem Zeitpunkt tut er so manch wirres Zeug, mit benebeltem Kopf und wenig Verstand.

Einst war er so durstig gewesen, dass er die alte Wärmeflasche, welche er nach einer Schmerzenslinderung im Bett vergaß, austrank. Am Morgen erwachte er, fragte sich so gleich, bin ich verrückt, oder war das geträumt? Wenig beglückt recherchierte er dann, ob er so etwas einst in einem Film gesehen haben könnt‘. Dies vermag schließlich ein Grund zu sein.

An einem anderen Morgen glaubte er sich zu erinnern, in seinem Zimmer herumgeschlichen zu sein. Die verschobenen Pantoffeln deuteten darauf hin. Seine Alarmglocken läuteten, aber er war sich doch so sicher, kein Schlafwandler zu sein. Und wenn es doch so wäre, erschrak sich der Hund sehr?

Die eine Situation lässt ihn nicht in Ruh‘. Er schrieb sie nieder, in sein Tagebuch. Denn da, in der Nacht vom Freitag auf den Samstag, erhob er sich vom Bett und trottete wenig bedeckt zum Telefon. Er wählte ziemlich bestimmt eine Nummer, welche er sich bereits versucht hatte, aus dem Gedächtnis zu radieren. Offenbar ohne jeden Erfolg.

Denn beim Morgengrauen sah er dann: Das Telefon hing nicht mehr an der Wand. Doch dies könnte ein Hinweis sein, ob das alles wirklich passiert. Bei so einem klaren Gedanken ließ er seine Überlegungen nicht weiter ranken und warf einen euphorischen Blick in die Anruferliste. Sein plötzliches Erschrecken konnte er kaum verstecken.

Der Dame, welche ihm befohlen, nie wieder den Kontakt zu suchen, habe er letzte Nacht Qualen beschert?

Ganz zaghaft, mit einem „´Tschuldigung“ auf den Lippen, die Bitten um Vergebung schon eingeübt, wählte er die Nummer. Doch sie lieferte ihm die klarste Bestätigung: Ignoranz.

Und so ließ sie den armen Mann, mit seiner bröckelnden Fassung ganz allein.





Leandra Bulla

Die Autorin ist Schülerin aus Berlin, geboren Ende 2009. Sie beschäftigt sich seit dem Grundschulalter mit dem Schreiben von Kurzgeschichten und Ähnlichem.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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