Thomas Schneider für #kkl46 „Traum, Realität, Wirklichkeit“
SCHMALER GRAT
Die stillste Strasse komm ich her,
im Schluchtenfluss der Otter schreit
(Theodor Kramer, Die Gaunerzinke)
Auf dem abschüssigen Traumpfad
dem schmalen Grat
zwischen Schlaf und Wachen
da mache ich Sachen
die hätten den Schränker früher hinter Gitter gebracht
Ich habe nur gelacht
Aber die Suppe im Gefängnis schmeckt halt doch fad
Die Laterne an der Strassenecke schimmert matt
durch frostigen Nieselregen
Wieder stehe ich vor dem Portal einer Bank –
Bewaffnet mit Stethoskop und Dietrich
wage ich mich bald an den Schrank
Wofür und wen bittet einer wie ich –
um Erfolg oder verzeihenden Segen?
Bloss keinen Zwiespalt beklagt!
Doch als dann der Schweissbrenner versagt
kommt mir das fast gelegen
Das Werkzeug eingesammelt und schnell heim
Heute ging ich mir selbst auf den Leim
Thomas Schneider
1951 in Basel geboren. Hausarzt im Teilruhestand. Fünfeinhalb Monate Gefängnis wegen Militärdienstverweigerung, drei Jahre Studium der Germanistik, dann Medizinstudium und Stattsexamen, Tätigkeit in verschiedenen Spitälern (davon drei Jahre am Universitätsspital Basel) bis zum Facharztdiplom in Innerer Medizin, ein Jahr lang ärztlicher Delegationsleiter der IKRK-Mission in Uganda, drei Jahre Oberarzt in einer Reha-Klinik für Querschnittpatienten und Hirnverletzte, achtundzwanzig Jahre eigene Hausarztpraxis. Aktuell Hausarzt im Teilruhestand.-

Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Zeitungen von 1975 bis 1997, unter anderem in drehpunkt, spektrum und manuskripte (ein Mal, Nr. 116/92), in der Stuttgarter und Basler Zeitung, in Anthologien unter anderem in «Kutsch» Literatur aus der Schweiz, herausgegeben von Heinz F. Schafroth und Egon Ammann (1983). Radiosendungen, Einladung an Solothurner Literaturtage, Förderbeitrag des Kantons Basel-Stadt 1984 mit Unterstützung einer Publikation («Geh mit dem Eichhörnchen»). Berufs- und familiär bedingt längere Schreibpause. Aktuelle Veröffentlichungen in «orte» (3/21), «Landstrich» (Ausgabe 2022), «Der Schreiberling» Nr. 2 (Herbst 2023) und «DAS GEDICHT» Nr. 31 (Jahresende 2023). Letzte Publikation in KKL Nr. 38, 13.3.2024.
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