Jannette Hofmann für #kkl46 „Traum, Realität, Wirklichkeit“
Innerer Monolog eines Flieders
das Leben wirkt wie ein Flieder
nur im Traum verkünden Trompeten den Duft unserer Sehnsucht
die Zunge spitzt sich in Egozentrik
und streichelt ein Hauch meiner Wärme
im satten Grün, beruhigendem Gelb
unter einem Arm, der deine Wahrheit trägt
im unbegrenzten Wachstum.
in der neuen Realität
im freundlichen Morgenschimmer
habe ich mit einem Mal entdeckt
dass sich deine Dornenkrone in meinem Kelch verheddert hat
sie fängt an, deine Haare zu verjüngen
deine wunderschönen Jahre.
das Wetter wirkt wie eine Kanne
sie gießt das Grün und zügelt die entstandene Winterhärte
sorgt für gelassene Verliebtheit
läutet ein.
das Ambiente bringt neue Farben hervor
Farben, die unentschlossen auftreten
mit Trompeten, die den Wind ins Gesicht hauen
und verstört wirken
sie knallen an den anderen
Kopf an Kopf wie der Kopf an die Wand
seit jeher
aber Wer hat den Schwung ausgelöst?
und dann hieß es
es war ein fremder Hund mit seinem Hinterbein
der die Blütenköpfe trat
der die Blüten noch blütiger machte
immer öfter
sie zerquetschte
zu Blütenpulver
welches ich einzog
wie die Schuld durch die Nase
sie war durchnässt und schwer.
sie fragt nach dem Warum?
und spiegelt das Vorübergehen, das sich in den Blüten verfängt
unter dem Kelch bleiben Krankheiten
ich werde die Geschichten immer für mich behalten
verkrieche mich unter dem Staubblatt und heule wie die Hyäne eines Flieders.
stürz mich nicht vom Beet
wenn ich die Wahrheit nicht glaube
lag es nicht mehr an dem Tinnitus.
wer ist wer?
immer Ich
eine krumme Knospe
die mit einer leichten Luftbewegung
ein Glas zum Kippen bringt.
kannst du das Loch der Sonne sehen?
es bricht meinen Kreislauf
ich sagte dir
ich werde es dir wieder sagen
doch irgendwann
ergibt es einen anderen Sinn.
und war mir sicher
während du den Christbaum holtest
in heiteren Erdtönen
so schwer wie ein Grab –
mein Leben unter Schädlinge
zerfressen ein gelungenes Leben, in dem ich wusste
keine Romanze unter summenden Bienen
wieder ein Jahr
nur einen angekündigten Himmel
unter bunten Fliedern
oder doch
ein Abgrund unter der Wirklichkeit
mit Trompeten
umher
in liegengebliebenen Blütenköpfen
im satten Grün oder beruhigendem Gelb
im begrenzten Wachstum
wenn doch dein Arm, nur eine Wahrheit tragen würde.

Jannette Hofmann
Geboren 1990 in Rheine:
Die in München lebende Autorin befasst sich seit 2022 mit dem literarischen Schreiben. Sie lauscht, liebt und lässt sich von bewegenden Themen und grenzenlosen Worten treiben. Sie selbst entwirft literarische Texte unterschiedlicher Gattungen.
Über #kkl HIER

tut mir leid, aber dazu fällt mir nur schiller ein:
„weil ein vers dir gelingt in einer gebildeten sprache,
die für dich dichtet und denkt,
glaubst du schon dichter zu sein ?“
(schiller)
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