Prolog

René Oberholzer für #kkl47 „Symbolik“





Prolog

Das Meer
Eine waagrechte Bühne
Ohne Vorhang

Du und ich
Erfahrene Statisten
Wange an Wange

Unsere Haare
Noch salzig feucht
Von der letzten Welle

Unsere Blicke
Wohlig eingehüllt
In Schweigen

Unsere Lippen
Bei Sonnenuntergang
In Wartestellung

Unsere Zungen
In der Dämmerung
Hungrig auf die Nacht

Schon bald du und ich
Wie die Wellen
Wie das Meer




Herzensangelegenheit

Die Liebe ist
Ein Gespräch
Voller Musik
Unter dem Himmel
Am Nachmittag

Die Liebe ist
Ein Gedicht
Aus kurzen Zeilen
Und langen Strophen
Um Mitternacht

Die Liebe ist
Ein Schlaflied
Voller Romantik
Unter der Linde
Gegen Morgen

Die Liebe sagt
Von dir
Will ich mich
Nicht mehr
Erholen können




Samstagmorgen

Der Smooth Jazz breitet sich aus
Schwingt sich den Wänden empor
Tanzt an der Decke leichtfüssig
Lacht übers ganze Gesicht
Und meint in unterkühltem Ton
Auch Wolken haben eine Halbwertszeit
Glaube an das Blau des Himmels




Im Fluss

Kinder sind Kinder
Kinder sind Fleisch und Blut

Blut ist dicker als Wasser
Ich bin das Wasser im Fluss

Kinder bleiben Kinder
Werden grösser ziehen weiter

Blut ist ein besonderer Saft
Es fliesst in dir ganz unverdünnt

Kinder bleiben Kinder
Geben weiter das dicke Blut

Älter wirst du ganz allein
Ich bleibe das Wasser im Fluss




Wetterumschwung

Verstummt deine Worte
Verflogen mit den Wolken
Verschwunden hinterm Horizont
Lange Stille in grau

Mit der Sonne zurück
Die Wehmut des Meeres
Die Sehnsucht der Möwen
Und das gleissende Licht

Von den Eukalyptusbäumen
In den umliegenden Wäldern
Der geheimnisvolle Duft
Einer neuen Sprache




René Oberholzer

Lebt und arbeitet seit 1987 als Oberstufenlehrer, Autor und Performer in Wil/Schweiz.

Schreibt seit 1986 Lyrik, seit 1991 auch Prosa.

War Mitbegründer der literarischen Experimentiergruppe „Die Wortpumpe“ (mit Aglaja Veteranyi) und der Autorengruppe Ohrenhöhe, ist Mitbegründer der „Tischkante 16“, Mitglied verschiedener Schriftstellerverbände. Erhielt 2001 den Anerkennungspreis der Stadt Wil für sein literarisches Schaffen und 2022 den 23. Nahbellpreis des G&GN-Instituts in Düsseldorf für das lyrische Gesamtwerk.

Publikationen:

„Wenn sein Herz nicht mehr geht, dann repariert man es und gibt es den Kühen weiter“ (39 schwarze Geschichten) (2000), Verlag Im Waldgut in Frauenfeld.

„Ich drehe den Hals um – Genickstarre“ (92 Gedichte) (2002), Nimrod-Literaturverlag in Zürich.

„Die Liebe wurde an einem Dienstag erfunden“ (120 Geschichten) (2006), Nimrod-Literaturverlag in Zürich.

Kein Grund zur Beunruhigung“ (236 Gedichte) (2015), Driesch Verlag in Drösing.

„Sehnsucht. Mit Weitblick“ (80 Gedichte) (2020), Klaus Isele Editor in Eggingen

„Das letzte Stück vom Himmel“ (80 Gedichte) (2021), Klaus Isele Editor in Eggingen

Analphabeten der Liebe“ (80 Gedichte) (2023), Klaus Isele Editor in Eggingen

Gedichte und Kurzgeschichten in Anthologien, Zeitungen, Literaturzeitschriften und Online-Portalen im gesamten deutschsprachigen Raum (über 3000 Einzeltexte). Einzelne Texte sind auch ausserhalb des deutschsprachigen Raums übersetzt und veröffentlicht worden.

e-mail: rene.oberholzer@bluewin.ch

Literaturport: https://www.literaturport.de/lexikon/rene-oberholzer/

wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Oberholzer








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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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