Keisha Lindinger-Asamoah für #kkl48 „Vernunft“
Die ganze Welt in einem Gen
Zwei Kulturen, eine Welt. Zwei Kulturen, ein Haus. Zwei Kulturen, eine Beziehung. Zwei Kulturen und zwei Kinder.
Ein Ebenbild im eigenen Haus zu suchen; Als Kind in die Gesellschaft zu tauchen und nie den Spiegel zu sehen. Man fängt an sich zu deformieren, um ein Teil von etwas zu werden, zu sein, wofür man noch nicht mal den gereiften Wortschatz hat, um es benennen zu können.
Außenseiter, das giftige Wort von dem man sich nicht erwischen lassen möchte. Man rennt und doch finden ihr Worte immer einen Weg zu einem.
Leben und leben lassen, solange du wie die Mehrheit bist, denn alles andere ist ja nicht vorgesehen.
Als Kind war mir nie klar, wie ich aussehe. Ob ich jetzt grün oder blau bin, ob meine Haare aussehen, wie die meiner Mutter oder die meines Vaters.
Mehrmals versuchte ich zu definieren, wer ich bin. Einen Ort zu finden, wo auch ich normal sein kann. Wo ich mich nicht entscheiden muss für eine Vergangenheit, für einen Welt, für eine Stimme.
„Sei du selbst!“
Aha, ok. – und wie sieht das aus ?
Unsere Gesellschaft stellt den Ofen bereit, die Keksformen, um uns als Weihnachtskekse zu vermarkten, damit Heiligabend existent bleibt und dann sagt ein Vanillekipferl zu dem anderen –„ sei du selbst“.
Alles klar, ich probier’s.
Den eigenen Weg zu gehen, was soll das überhaupt bedeuten?
Meint man Schulen, Studieren, Arbeiten- all diese vorgekauten Wege, die für alle Menschen dasselbe Ziel produziert. Eine Firma, die Menschen in eine bestimmte Position, mit einer scheinheiligen Auszeichnung, die Status bedeuten soll, verseht, damit sie weiterhin Lust haben in der Firma zu bleiben und zu arbeiten. Doch hin und wieder regen sich Leute auf und wollen Veränderung, sie wollen entscheiden und aussuchen. Die Firma gibt ihnen die Wahl- freie Wahl- jede drei Jahre dürfen sie wählen, ob der vorherige Firmenchef bleibt oder der neue, der immer von Veränderung schwärmt und Zusammenarbeit ihm glatt auf die Stirn tätowiert ist. Jede drei Jahre hüpfen, die Arbeiter von einem Chef zum anderen, jedoch in der ganzen Zeit haben sich vielleicht hier und da kleine Dinge geändert, aber im Großen und Ganzen ist alles jedes Mal gleichgeblieben, außer, dass die Arbeiter selbst entscheiden zu glauben.
Einige Arbeiter wollten, dann die Firma wechseln und brachten ihr Vorsehen durch, jedoch in der Unklarheit, dass diese Firmen ein und denselben gehören. Die ganze Welt gehört ein und denselben.
Gewisse Menschen, die in Macht geboren wurden und nie eine andere Klasse besuchen mussten.
Wie auch in der Geschichte glauben wir, dass wir Dinge ändern oder dass die Zeit, in der wir leben anders ist. Nicht wirklich, sie hatte nur ein Upgrade und wurde modernisiert und anders bezeichnet.
Kolonisation…. „Dritte Weltländer“…. „Bergbau im Kongo“…. Klassengesellschaft… „Scherre zwischen Arm und Reich“…
Es ist nicht Vergangenheit.
Es ist keine Übertreibung.
Es ist keine Geschichte, es ist Realität.
Und so endete fast jedes Abendessen am Sonntag. Deshalb haben wir es unter der Woche eher unterlassen gemeinsam zu essen oder bestimmte Themen anzusprechen.
Heikle Themen, wie Sklaverei, Ausbedeutung in 2024, die SS-Auszeichnung von meinem Opa, … wurden eher vermieden, aber manchmal rutschten wir von einem Fettnäpfchen ins andere und gingen über zu-
Dissonanz .
Die Dissonanz, die rassistische Menschen haben im Bezug zur Sklaverei und schwarzen Menschen. Wie die stereotypischen Bilder erfunden und einer Partei auferlegt wurden, so dass man mit guten Gewissen weiter diskriminieren darf. Die Dissonanz entsteht in dem Punkt, wo rassistische Menschen zu glauben scheinen, das nach der Geschichte oder in der Geschichte schwarze Menschen den Anschein erweckten, vor ihnen Angst haben zu müssen. Denn eigentlich waren es bis jetzt die rassistischen Menschen, die die andere Partei versklavt, ausgebeutet, psychisch verletzt und generations-anhaftende Schäden hinterlassen hat. – und doch finden es rassistische Menschen adäquat zu glauben und zu behaupten, das schwarze Menschen gefährlich sein.
In dem Punkt hat mein Vater trotzdem immer etwas zu sagen, aber nicht, weil er rassistisch veranlagt ist, sondern wenn viele Menschen von Rassismus reden, wird meistens auf weiße Menschen angespielt- was nicht ohne Grund so gesehen wird – in dem Wort findet sich mein Vater wieder und hat dann das Bedürfnis sich zu verteidigen, was für meine Mutter oft so wirkt, als ob er die Geschichte verteidigen möchte.
Es ist klar, dass 2024 nicht jede Person mit heller Haut ein Rassist ist oder die Sklaverei befürwortet, aber es ist auch klar, dass 400 Jahre lange Sklaverei und die Kolonisation Spuren hinterlassen hat bei Generationen fortan und beide Parteien auch heute noch nicht gleich aufstehen.
Natürlich sind meine Eltern hitzig bei so einer Diskussion, weil beide das Gefühl haben, gerade nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Eltern und Großeltern zu verteidigen- sie glauben ihre Existenz und ihr Handeln rechtfertigen zu müssen.
Und das ist das Problem mit Reden heutzutage, man hört nicht zu, möchte nur seinen Ballast abgeben und identifiziert sich mit seiner Meinung, anstatt das Leben und menschliche Interaktionen, wie eine Chance zu sehen, neue Gefühle, Gedanken und Verständnis kennen zu lernen.
Zuhören ist der Schlüssel für das Reden.
Nach diesem Stichwort Zuhören löst sich das Familien Zusammensein auf und man taucht wieder in seine Blasen ein.
Am nächsten Tag ist ein Familienfest geplant.
Es 2:00 noch keiner weit und breit. Treffpunkt war für 13: 50 angesetzt.
Da höre ich schon die Autotüren lauten und blicke aus dem Fenster, um Kinder Geschrei zu vernehmen und Gelächter im Vorraum. Es geht los!
Die nächsten kommen und kommen bis unser Haus von einem großen Platz zu einem engen Skilift mutierte. Jede Sekunde stößt man auf einen neuen Gast. Manchmal kennt man sie gar nicht, aber sobald sie die Türschwelle übertreten haben, sind sie Tante und Onkel, Cousin und Cousine oder Bruder und Schwester. Familie ist Familie, laut meiner Mama, mein Vater hat da schon einige Unterteilungen und Mauern die Vermischung oder Verwirrung verhindern sollen.
Das Essen ist angerichtet, Musik spielt, Menschen tanzen.
Auf dem Tisch stehen Schnitzel bis Fufu , Vita Malt bis Holundersaft alles, was das Herz begehren könnte. Man hört meine Oma auf Fanti schimpfen, weil meine Cousine sich verkühlen wird, wenn sie jetzt keine Socken anzieht, man hört von der Küche meinen Vater, der mit seinem Freund ein Bier zischt und in Gelächter ausbricht.
Das ganze Haus voller Lebensfreude und das ist es, was die Beziehung meiner Eltern mich jeden Tag aufs Neue lehrt,
Unterschiede machen Freude.
Die Lebensenergie entsteht im Unbekannten, etwas, was man noch nicht kennt, und zu Lieben lernt, das ist Leben.
Mein Name ist Keisha Lindinger-Asamoah, ich bin momentan 18 Jahre alt und habe bis jetzt zwei kürzere Bücher ,sowie durch einen Poesie-Wettbewerb ein Gedicht in der Frankfurter Bibliothek Adventsausgabe veröffentlichen dürfen. Ich habe keine bestimmte Destination im Blick, nur ein Ziel, mir selbst beizubringen, einfach zu probieren und den Weg zu lieben verstehen.
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