Vernünftige Gedanken über Vernunft

Inka Hiltmann für #kkl48 „Vernunft“




Vernünftige Gedanken über Vernunft

Sunrise over the Ankara mountains

Vernunft

Ich schaue aus dem Fenster und lasse meine Gedanken um den Begriff kreisen.

Ein Wintermorgen in Ankara. Noch etwas Morgennebel, aber er lichtet sich.

Die Sonne kommt durch, die Sicht wird klar, über die noch ruhig wirkende Stadt bis zu den braunen Bergen.

Vernunft bringt Klarheit, lichtet den Nebel, erweitert die Erkenntnis der Dinge. Soweit meine erste Eingebung zum Thema.

Doch was ist Vernunft wirklich?

Ich schaue mir die Begriffsbestimmungen im Internet an

Es scheint, als müsse ich erst eine Doktorarbeit schreiben, um zur Vernunft zu gelangen.

Ich bastle mir meine persönliche Kurzdefinition:

Vernunft ist das geistige Vermögen, aus Beobachtungen und Erfahrungen durch Reflexion Zusammenhänge herzustellen, generelle Erkenntnisse über das Leben und die Welt zu erlangen und das Handeln danach auszurichten – was auch immer letzteres bedeutet.

Es scheint auf jeden Fall sinnvoll, aufgeschlossen zu sein sowie vielfältige Erfahrungen und Informationen zu sammeln. Vernunft ist ein Prozess, der kritische Reflexion beinhaltet. Trotzdem bleibt Vernunft subjektiv, oder?

Gibt es eine Vernunft außerhalb des begrenzten Erkenntnisvermögens des Menschen?

Ist Vernunft positiv oder moralisch oder neutral?

„Handle so, dass die Grundsätze, die deinen Willen bestimmen, jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnten“. Der kategorische Imperativ von Kant – eine hohe Anforderung.

Aber wer entscheidet, ob mein Wille gleichzeitig als allgemeine Gesetzgebung gelten könnte? Ich selbst? Ist Vernunft individuell oder kollektiv?

Was ist der höhere Sinn von Vernunft? Der Erhalt der Menschheit und damit auch seiner natürlichen Umgebung und Ressourcen?

Ist beides zusammen möglich? Ist es vernünftig, die Menschheit zu erhalten? Und wen interessiert das überhaupt?

Die Suche nach Vernunft liefert mir keine Antworten, nur Fragen.

Vernunft ist unübersichtlich, ungreifbar. Vernunft ist transzendent. Vernunft ist fragil.

Ich kann sie mit meinem Verstand allein nicht fassen. Die Suche nach ihr erzeugt Kurzschlüsse in meinem Gehirn.

Ich lehne mich zurück und schließe die Augen.

Allein mit mir, in einem Leerraum zwischen meinen Gedanken bleibt eine sanfte Welle von Licht und die Erkenntnis von Vergänglichkeit und Unendlichkeit. Beginnt Vernunft hier?

Istanbul seaside at night

Inka Hiltmann lebt in Istanbul, Ankara und Nordfriesland. Sie arbeitet seit mehreren Jahren in Projekten zur Unterstützung syrischer Geflüchteter und aufnehmender Gemeinden in der Türkei. In ihrer Freizeit fotografiert sie und schreibt kurze Texte. Anfang 2024 hat sie eine Weiterbildung im Fotodesign erfolgreich abgeschlossen.

www.instagram.com/inka_hiltmann

@perceptions_fragments-of-life









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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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