Parabel

René Oberholzer für #kkl48 „Vernunft“




Parabel

Die grosse Schere
Zwischen gebildet und ungebildet
Klafft immer mehr auseinander

Um schneiden zu können
Muss das Blatt immer tiefer
In die Schere geführt werden




Der Apfelbaum

Sie duftete nach Rosen
Ich folgte ihrem Hals
Das Gras stand hoch

Vogelgleich tanzte ich
Grüsste den Himmel
Breit waren ihre Hüften

Sie streckte ihre Arme
Pflückte einen Apfel
Ihr Hintern war rund

Sie nahm einen Bissen
Reichte mir den Apfel
Zart war ihre Hand

Das war das Paradies
Es gab ein Nachher
Hätte es wissen müssen




Der mit den Mokassins tanzt

Sie hatte sich verliebt in die Vorstadtprärie
Und den Indianertypen mit den Mokassins

Ich blieb mit einem blutenden Herzen zurück
Lachte mir eine andere Squaw an

Meine Ex lebte fortan im Tipi
Wir sahen uns neulich an einem Gartenfest

Ihren Indianerfreund grüsste ich knapp mit
Du hast aber an Charisma eingebüsst

Ich hätte das sein lassen sollen
Er war bekannt für seine Fesselkünste




Unberührt

Du bist der Nachtfalter
Der durch meine Träume fliegt

Berührte ich dich
Wären die Träume zu Ende

So lass ich dich weiterfliegen
Bis ans Ende aller Träume




René Oberholzer      

e-mail: rene.oberholzer@bluewin.ch

Literaturport: https://www.literaturport.de/lexikon/rene-oberholzer/

wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Oberholzer

Lebt und arbeitet seit 1987 als Oberstufenlehrer, Autor und Performer in Wil/Schweiz.

Schreibt seit 1986 Lyrik, seit 1991 auch Prosa.

War Mitbegründer der literarischen Experimentiergruppe „Die Wortpumpe“ (mit Aglaja Veteranyi) und der Autorengruppe Ohrenhöhe, ist Mitbegründer der „Tischkante 16“, Mitglied verschiedener Schriftstellerverbände. Erhielt 2001 den Anerkennungspreis der Stadt Wil für sein literarisches Schaffen und 2022 den 23. Nahbellpreis des G&GN-Instituts in Düsseldorf für das lyrische Gesamtwerk.

Publikationen:

„Wenn sein Herz nicht mehr geht, dann repariert man es und gibt es den Kühen weiter“ (39 schwarze Geschichten) (2000), Verlag Im Waldgut in Frauenfeld.

„Ich drehe den Hals um – Genickstarre“ (92 Gedichte) (2002), Nimrod-Literaturverlag in Zürich.

„Die Liebe wurde an einem Dienstag erfunden“ (120 Geschichten) (2006), Nimrod-Literaturverlag in Zürich.

Kein Grund zur Beunruhigung“ (236 Gedichte) (2015), Driesch Verlag in Drösing.

„Sehnsucht. Mit Weitblick“ (80 Gedichte) (2020), Klaus Isele Editor in Eggingen

„Das letzte Stück vom Himmel“ (80 Gedichte) (2021), Klaus Isele Editor in Eggingen

Analphabeten der Liebe“ (80 Gedichte) (2023), Klaus Isele Editor in Eggingen

Gedichte und Kurzgeschichten in Anthologien, Zeitungen, Literaturzeitschriften und Online-Portalen im gesamten deutschsprachigen Raum (über 3000 Einzeltexte). Einzelne Texte sind auch ausserhalb des deutschsprachigen Raums übersetzt und veröffentlicht worden.

 





Über #kkl HIER

 

Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

Hinterlasse einen Kommentar