Eline Menke für #kkl49 „Ablenkung“
Ich habe durch Milch und Blut geflüstert
Manchmal hinke ich
dem Reden hinterher,
finde den Rhythmus nicht.
Im Raum ohne Wände
zerstreut sich die Zeit,
wird einig mit Zungen,
auf denen unsere Namen
zerbröseln, die Sprache der Nacht
überschreiben.
Niemand weckt uns.
Wir atmen Rücken an Rücken,
jeder für sich allein.
Übermalung
Ich habe es kaum wahrgenommen,
so leise klingt das Blättern,
als die Wiese das Buch des Sommers aufschlägt,
zittern Graswimpern,
die ein Braunkehlchen streift.
Es singt und will flügge werden,
im Flimmern des Lichtes,
mit seinen Flügeln
die Felder ausmalen,
zuvorkommen der Mahd,
die eine neue Landschaft schneidert.
Manchmal kämme ich
mein Haar über den Scheitel des Jetzt,
finde tanzende Schwingkölbchen,
ein Schimmern im Haarwurzelversteck.
Eigentlich sind es nur spielsüchtige
Launen, wenn ich Wellen lege,
die auslaufen bis an die Brauen der Nacht.
In den Bürsten der Zeit bleibt wenig
hängen. Nur der Duft der Worte nistet
in meinen Händen, als gäbe es
sonst nichts, was mich zerstreut.
Gelegenheit
Heute könnte ich der Umarmung
von Erinnerungen entkommen,
Hals über Kopf flüchten
in deine weiße Welt,
die ihren Hals nach mir ausstreckt
wie ein Schwan.
Doch da ist dieses störrische Haar,
das etwas weiß von meinem Widerstand.
Es kriecht meinen Rücken entlang
kitzelt mich, warnt.
Eline Menke, * 1956, lebt in Rheda-Wiedenbrück. Studium der Slavistik, Germanistik und Sozialwissenschaften, 1987 Promotion. Veröffentlichungen in Literaturmagazinen wie DAS GEDICHT, Dichtungsring, Die Sentimentale Eiche, Die Geste, erostepost, etcetera, Poesiealbum neu, Tentakel und Wortschau sowie in zahlreichen Anthologien. Einzeltitel: Die Luft trägt Blau, Poesie 21, Deiningen, 2023.
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