Mila Alieva für #kkl49 „Ablenkung“
Und wo ist die Soße?
Reis und Fleisch standen einladend auf dem Küchentisch – doch die Soße, die kleine Krönung des Gerichts, fehlte noch. Ein Rezept sollte schnell im Netz gefunden sein. Doch aus wenigen Minuten wurden viele: Nachrichten blinkten auf, Beiträge verlangten nach Kommentaren, Diskussionen eskalierten und endeten in schweigender Leere. Ein Bild hier, ein Like dort – und so verrann die Zeit wie Sand zwischen den Fingern.
Als sie auf die Uhr blickte, war die Soße längst vergessen. Was blieb, war ein Teller ohne Vollendung und die feste Erkenntnis: Das Handy hatte nicht nur ihren Appetit gestohlen, sondern auch etwas viel Wertvolleres: ihre kostbare Zeit.
Wie leicht man sich in der scheinbar endlosen Weite des Internets verliert – aus Neugier, Gewohnheit oder der Sehnsucht nach Anschluss. Doch wie viel kostet einem diese Ablenkung wirklich? Manchmal ist es nur die Soße. Manchmal ist es mehr.
Mila Alieva lebt in Berlin,schreibt Gedichte und Kurzgeschichten.
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