Der Schnee fällt in einem…

Nicole Locatelli für #kkl49 „Ablenkung“




Der Schnee fällt in einem dumpfen, sanften Rhythmus, als ob die Welt selbst den Atem anhält. In dieser Stille ist alles eingehüllt – jedes Geräusch, jeder Gedanke. Der Schnee nimmt alles auf, das Lautlose wird zum einzigen Klang, die Stille zur absoluten Absolution. Es ist der Moment, in dem der Raum und die Zeit verschwimmen, in dem das Nichts sich zu allem weitet. Um uns herum nur weiße Weite, der Himmel, der sich schwer und endlos über uns spannt. Keine Geräusche, keine Ablenkungen – nur das Gefühl, in einer vollkommenen, unberührten Ruhe zu stehen. Der Schnee umhüllt uns, die Welt wird still, und wir finden uns selbst in dieser Leere, die gleichzeitig alles enthält.
Der Schnee umhüllt die Welt in einer tiefen, fast greifbaren Stille. Es ist eine Ruhe, die sich wie ein schwerer, sanfter Mantel über alles legt, jedes Geräusch dämpft und die Zeit selbst zu verlangsamen scheint. Der erste Schneefall bringt ein Gefühl der Isolation, als ob die Welt plötzlich in ein anderes, beruhigendes Universum übergegangen wäre. Jede Flocke, die langsam und lautlos den Boden berührt, trägt das Versprechen einer Vollkommenheit, die weit entfernt von der Hektik des Alltags liegt. Der Schnee schafft einen Raum, in dem nichts stört, nichts drängt – nur diese endlose Weite der Stille.
In dieser Stille können wir uns verlieren, in der sanften Kälte, die uns umhüllt, die uns aber auch reinigt. Es ist der Moment, in dem die Zeit aufhört zu existieren, der Augenblick, in dem wir uns selbst finden, tief und ohne Ablenkung. Der Schnee macht alles weich, alles fließend. Er lässt uns die Welt mit anderen Augen sehen, als ob er uns zu einer neuen Wahrnehmung führt. Es ist, als ob wir in einem Raum stehen, der nur für uns geschaffen wurde – die Weite des Schnees, der endlose Horizont, der uns in seiner reinen Form von der Last der Welt befreit.
Die Farben sind gedämpft, fast verschwommen. Weiß und grau mischen sich, der Himmel scheint sich mit der Erde zu verbinden. Die Kälte, die uns umgibt, wird zu einer Präsenz, die uns gleichzeitig belebt und beruhigt. Es ist ein Moment der absoluten Ruhe, in dem die Welt stillsteht und wir in der Stille das Leben spüren – tief, unverfälscht und ungestört. Der Schnee ist nicht nur eine physische Erscheinung, sondern auch ein Zustand des Seins, der uns in unsere innere Ruhe führt, der uns mit der Natur und uns selbst in Einklang bringt.


Schneebedeckte Landschaften mit weiten, unberührten Flächen, die eine tiefe Ruhe ausstrahlen. Winterliche Wälder, in denen die Bäume in der Kälte still und majestätisch wirken, das Licht gedämpft und die Welt in eine ruhige, fast träumerische Atmosphäre tauchend. Verschneite Straßen, die leer und weit wirken, in denen der Schnee alles umhüllt und die Welt in eine fast meditative Stille hüllt. Der Horizont in einem winterlichen Abendlicht, wo die Grenzen zwischen Himmel und Erde verschwimmen, eine endlose Weite, die uns mit ihrer Stille einhüllt.
Die Welt heute ist ein unaufhörliches Rauschen aus Benachrichtigungen und Unterbrechungen. Jeder Blick auf das Smartphone, jede neue Meldung, jede Aufforderung, zu reagieren – alles zieht uns aus dem Moment, in dem wir uns befinden. Die Stille ist verschwunden, ersetzt durch die lauten, unablässigen Impulse der digitalen Welt. Der Blick in den Himmel ist verstellt von der flimmernden Oberfläche der Bildschirme, die uns ständig mehr zu bieten haben, als wir verarbeiten können. Diese Welt ist das Gegenteil der Ruhe des Schnees – eine Hektik, die uns hin und her wirft, ohne dass wir einen Augenblick innehalten können. Inmitten dieses Chaos verlieren wir das Wesentliche aus den Augen, so wie der Schnee uns lehrt, in der Stille zu verweilen und uns selbst wieder zu finden. Doch hier sind wir gefangen in einem Netz aus ständiger Ablenkung, das uns hindert, wirklich präsent zu sein.

Die lauten, unablässigen Impulse der digitalen Welt reißen uns aus dem Moment, aus dem Hier und Jetzt. Jeder Ton, jedes Blinken, jede Nachricht fordert unsere Aufmerksamkeit, zieht uns in verschiedene Richtungen, zersplittert unseren Fokus. Die ständige Verbindung, die ständige Verfügbarkeit – wir sind gefangen in einem Netz aus Reizen, die nie abreißen, nie enden. Der Blick wird immer häufiger von der Realität abgelenkt, und wir verlieren uns im Strudel der endlosen Informationen, die uns kaum Zeit lassen, den Atem zu holen.

Und doch, inmitten all dieser Ablenkungen, sehnen wir uns nach dem, was uns der Schnee lehrt: eine Welt der Stille, der Reinheit und der vollkommenen Ruhe. Im Schnee, in seiner unaufhörlichen, lautlosen Präsenz, finden wir das, was uns in der digitalen Welt abhanden kommt – den Raum, wirklich zu sein. Wo der Schnee jede Ablenkung erstickt und uns die Möglichkeit gibt, im Moment zu verweilen, so fehlt uns in der digitalen Welt oft der Raum für diese Ruhe, für diese tiefe Verbindung mit dem Jetzt. Die Ablenkung lässt uns von uns selbst entfremden, während der Schnee uns zurückführt – zu uns selbst, zur Stille, zum Wesentlichen.

Im Vergleich zwischen der unaufhörlichen Ablenkung der digitalen Welt und der Stille des Schnees liegt eine scharfe Kluft, die uns die tiefere Wahrheit über unseren Zustand der Gegenwart zeigt. Die digitale Welt, mit all ihren lauten, unablässigen Impulsen, bietet uns eine ständige Flut von Eindrücken – ein fast rauschhaftes Spiel von Informationen, die sich in unserem Geist überschlagen und uns in alle möglichen Richtungen ziehen. Es ist eine Welt, die uns immer wieder fordert, uns immer wieder zwingt, unseren Fokus zu verlieren, uns immer wieder nach außen zu richten. Sie erfordert eine permanente Reaktion, eine Antwort auf jedes Blinken, jedes Piepen, jedes Geräusch, das unser Smartphone uns zuflüstert. Es ist ein nie endender Fluss, der uns fortwährend in Bewegung hält, uns von einer Ablenkung zur nächsten führt, uns jagt und dabei mehr und mehr von unserer inneren Ruhe raubt. Wir sind vernetzt, aber gleichzeitig auch zerstreut – die Unruhe, die uns durchdringt, hat keine Pause, keine Unterbrechung, keinen Moment der Reflexion.
Im Gegensatz dazu steht der Schnee, in seiner vollkommenen, ungestörten Ruhe, die uns nicht nur die äußere Welt in eine andere Dimension eintauchen lässt, sondern auch unsere innere Landschaft verändert. Die Schneeflocken, die sanft und lautlos vom Himmel herabgleiten, sind das Gegenteil der unaufhörlichen Forderungen der digitalen Welt. Sie bringen uns nicht nur eine äußere Stille, sondern auch eine tiefere Form der Einkehr, eine Rückkehr zu uns selbst. Im Schnee wird die Welt nicht nur ruhiger, sondern auch reiner – die Unordnung des Außen verschwindet, und wir sind gezwungen, in uns selbst zu blicken. Der Schnee macht das, was er umhüllt, weich – die Welt wird weich, die Gedanken werden weich, und die Stille wird nicht mehr als Leere empfunden, sondern als ein wertvoller Raum, in dem wir uns endlich finden können. Der Schnee gibt uns eine Pause, einen Moment der Freiheit, in dem wir einfach nur sind, ohne drängende Anforderungen, ohne endlose Reize. In dieser Stille können wir uns selbst wieder wahrnehmen und finden, was in der lauten Welt oft verloren geht – die Tiefe des Moments, die Wahrheit des Jetzt.

Das Fazit dieses Vergleichs ist schlicht und doch von großer Bedeutung: Wir leben in einer Welt, die uns ständig ablenkt, die uns ständig fordert und unsere Aufmerksamkeit in alle Richtungen zieht. Doch genau wie der Schnee uns zeigt, dass wahre Ruhe und Klarheit nur in der Stille zu finden sind, so zeigt uns die digitale Welt, dass unsere stetige Ablenkung uns von uns selbst entfremdet. In der Hektik des Alltags und der Informationsflut verlieren wir leicht den Zugang zu der inneren Ruhe, die uns die Verbindung zu uns selbst und zur Welt um uns herum ermöglicht. Der Schnee, in seiner stillen, sanften Präsenz, erinnert uns daran, dass es auch anders geht – dass wir, um wirklich zu leben, um wirklich zu fühlen und zu erleben, innehalten müssen, dass wir den Moment und uns selbst in der Tiefe spüren müssen. Nur in der Ruhe, wie sie der Schnee uns schenkt, können wir die Wahrheit des Lebens erkennen – fernab von der Lärmquelle, die uns in der digitalen Welt so oft umgibt.

Bilder pixabay.com




Ich bin Nicole Locatelli, 48 Jahre alt, Mutter von zwei Söhnen und lebe mit meinem Mann und unseren Kindern im Schwarzwald. Als leidenschaftliche Hobby-Schriftstellerin widme ich mich neben meiner Familie und meinem beruflichen Alltag der Kunst des Schreibens. Ursprünglich aus der Schweiz stammend, habe ich mein Heimatland verlassen, um in Deutschland ein neues Kapitel meines Lebens zu beginnen.









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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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