ma tête

Rima Syed Ettner & Kyra Clemen für #kkl49 „Ablenkung“




ma tête

Ich spüre einen Widerstand.

Ich denke nicht nach.

Es ist ein Grübeln ohne Nachgang,

ein Laufen in mir selbst.


Regelmäßig komme ich vom Weg ab.

Es verläuft sich kreisförmig.

Biete mir selbst nur endlose Pfade.

Die Zeit hat keine geraden Wege hinterlassen.


Augenblicklich soll es sein.

Ich schiebe nicht auf.

Aufgeschoben bedeutet aufgehoben.

Meine lange Bank ist endlos.

Ich verlagere und verstecke.

Wird ein Dilemma geortet,

wird es nur eine Frage für mein Morgen-Ich.


Ganz tief in meinem Stollenende,

es wird dort verbleiben.

Ich höhle alles emsig aus.

Der Sinn muss erst zu Tage befördert werden.

Ich gönne mir keine Pause.


Bin so gut im Lügen und Betrügen,

über alles, mich selbst.

Meine Intuition spricht eine andere Sprache.

Führ mich selber an der Nase,

täusche Tatsachen vor und stelle mir ein Bein.

Schaffe meine eigene Illusion und simuliere,

bin ein Trickser und kein Denker.


Kann mir selber nicht mehr glauben.

Klage Leid nur dem Rückspiegel,

denn die Retrospektive –

die liegt mir.

Dann spüre ich tote Winkel auf,

male durchzogene Linien,

entledige mich des Bedeutsamen.

Mein Kopfkino auf großer Leinwand.


Entnehme die Essenz.

Grübel bis zum letzten Punkt.

Etwas offenbart sich mir.

Kann die alte Schrift entziffern und verstehen.

Tauche und kann den Hintergrund ergründen.


Was übrig bleibt,

kenne den Standort nicht mehr.

Mein Archiv verstaubt.

Stelle alles in einen leeren Raum.

Suche mir einen Fluss ohne Strömung.

Schwimme eifrig in Letargie.

Träume nur am Tag.


Lasse mir auch nur ein Haar,

beschimpfe mich und

schwärze mich selber an.

Führe mich selbst hinters Licht,

drängel mich in die dunkle Ecke.


Will mich nicht mehr selbst beachten.

Lasse meine Bilder links liegen.

Simuliere vor dem Spiegel.

Schlüpfe in die Rolle,

zeige allen, was ich hören will.


Werde zum Visionär.

Schreite nicht zur Tat.

Meine schönste Utopie kommt zu mir.

Sie ist eine reizende Nuance entfernt.

Folgsame Taten gibt es wohl nicht.

Sie legt den Arm um mich und lädt mich ein.

Sie will dabei sein.


Träumst du auch davon?

Ich lege meinen Kopf aufs Kissen.

Meine Hülle wird weich gebettet sein.

Ich kann den Ansatz nicht einmal im Ansatz erkennen.

Stoße mit meinem Kopf voran.


Nehme den falschen Weg, da ich den richtigen kenne.

Ändere den Kurs und

verfolge zuerst Plan B.

Am Ende bin ich müde,

meine Papiere verwüstet.

Habe meine Portion aufgebraucht.

Gebe keinen Spielraum für Tumulte mehr.


Ich soll endlich still sein.





„Wir sind Freundinnen und beide Künstlerinnen – Rima als Malerin, wohnhaft in Deutschland, und ich, Kyra als Texterin in Frankreich.“








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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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