Mein Nachruf

Barbara Korp für #kkl50 „Hingabe“




Mein Nachruf

Deine ersten „Ich liebe dich“s.
Sie waren wie ein sanfter Umhang, der mich umhüllte.
Sanfte Stimmen, die mich in Sicherheit wiegten.
Deine Augen waren mein Hafen, in dem ich immer bleiben konnte.
Deine Taten waren mein Kompass, der mich durch die Welt führte.

Deine nächsten „Ich liebe dich“s.
Sie wurden zu einem schweren Tuch, das mich bedeckte.
Ich atmete schwerer, bewegte mich schwerfälliger.
Deine Erwartungen waren ein unsichtbares Netz, das mich einfing.
Deine Liebe war ein zweischneidiges Schwert: Schutz und Gefangenschaft.

Weitere „Ich liebe dich“s von dir.
Die Liebe, ein Gewicht, das mich niederdrückte, zu Boden warf.
Ich versuchte, mich zu befreien, doch die Last war zu groß.
Deine Hand war meine Fessel, die mich an dich band.
Deine Worte waren ein Paradox: Sicherheit in der Drohung.

Noch mehr „Ich liebe dich“s.
Ich bin in dieser Liebe begraben, unter Schichten von Erwartungen.
Die Angst zu ersticken wächst mit jedem Atemzug.
Deine Liebe ist ein Grab, in dem ich mein Leben verliere.
Deine Worte sind mein Epitaph, das mir selbst die Stimme raubt.

Warum habe ich Angst? Sich selbst geben, das ist doch wahre Hingabe.
Aber ich fühle mich schuldig, weil ich zögere, mich zu opfern.
Deine Augen sehen durch mich hindurch, als wüsstest du meine Gedanken.
Deine Liebe ist mein Spiegel, der mir zeigt, dass ich mich selbst verloren habe.

Und dass es zu spät ist, mich wiederzufinden.




Barbara Korp ist eine junge Autorin mit einem Hintergrund in klassischer Linguistik und Germanistik. Neben ihrer Erfahrung im Verfassen von wissenschaftlichen Publikationen und Blogbeiträgen verfügt sie über eine ausgeprägte Beobachtungsgabe und ein tiefes Interesse an menschlichen Geschichten, die sie in ihre schriftstellerische Arbeit einbringt.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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