Ratten in rot und glitzer

Charlotte Stenzel für #kkl50 „Hingabe“




Ratten in rot und glitzer

Im Dunkeln nach Minuten der Fluten

geht nur noch Schweigen

Beim Reisen an den Abgrund

warten die Ratten in den Schatten

und in den Reifen, die leise kreischen

Sie sprechen sich ab und schaffen mich ab

für die nächsten paar Zeiteinheiten,

über die Anzahl müssen sie noch streiten


Die Ratten starren in die Lichter

schweben auf dem nassen Asphalt

und fragen wer rollt so spät durch Regenwasser und Gegenwind,

bist du das, klein und allein wie ein Kind?


Jeder Atemzug allein, jeder Gedanke für sich,

die Finger taub, der Regen laut,

das Handgelenk ist festgestellt

Ich hör mich nicht und dich auch nicht

aber ich spüre, dass da noch jemand ist

dass die Straße mich nicht frisst,

weil die Ratten und ich nicht alleine sind


Jemand zweites schweigt am Abgrund neben mir,

ich weiß nicht wie tief der ist und wo der liegt,

aber er hat den meinen in seiner Einsamkeit besiegt

für die restlichen paar Zeiteinheiten,

sollen sie doch streiten

Ich möchte anwesend sein

und mir Wimpern ausreißen,

sie auf die Fahrbahn schmeißen,

und Scherben überfahren

bis die Reifen platzen

und die Ratten frei lassen

damit sie auf den Scherben sterben

und mein Schweigen bersten

und vielleicht auch deins?

in rot und glitzer

und vor allem für immer




kleine flamme

ich strahle dich an

greife nach oben komme nicht ran

mein licht bricht sich an dir

in tausend kleine Strahlen

die jeder für sich recht viel

alle zusammen zu wenig wagen.


warmes gelb wird blutorange

zieht sich zurück in meine hand

blauviolett wird grelles weiß

mir ist kalt




Brich die Eierschalen

Blamier dich

Fang jetzt damit an

Mach was falsch

Bleib stehen

Bleib auch mal krumm

Blamier dich

Zeig dich

Sieh dir ins Gesicht

Mit Unsicherheit

Aber ohne Scham und Grauen

Es ist egal ob das was da ist da sein sollte oder wollte

Es ist dein Gesicht, ein anderes kriegst du nicht

Blamier dich

Genier dich

Wenn du magst

Oder nicht

Du musst ja nicht gleich versagen

Aber lauf nicht weiter so auf Eierschalen

Die brechen eh und tun kaum weh

Blamier dich

so richtig unordentlich

Da wo man das sieht

Fürchte dich

Das geht vorbei

Wenn du stehen bleibst und mit offenen Augen

Versuchst möglichst viel richtig zu machen

In dem Wissen, dass das nichts wird

Blamier dich

Zeig dich

Halt dich aus.




Charlotte Stenzel ist in Delmenhorst aufgewachsen und hat nach der Schule ein Freiwilliges Jahr in Lübeck absolviert. Anschließend hat sie dort in verschiedenen Jobs gearbeitet, Praktika gemacht und sich politisch engagiert. Für ihr Studium der Geographie ist sie nach Kiel gezogen, wo sie nebenher in einem kleinen Verlag bei Kiel arbeitet. Über ihre Leidenschaft fürs Theater Spielen hat sie während des Studiums zum freien Schreiben zurückgefunden. Zuletzt hatte sie als Kind Geschichten verfasst.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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