Christine Ibrom für #kkl50 „Hingabe“
HierSein im DaSein
Könnte es sein, dass wir unser gesamtes erLeben in nur zwei Bereiche unterteilen?
In „möchte ich“ und „möchte ich nicht“?
Könnte es sein, dass wir diese Spaltung als gegeben hinnehmen und sie noch nie hinterfragt haben?
Wie würde eine Reflexion dieser Festlegung aussehen?
Was könnte diese Reflexion für ein Resultat hervorbringen?
Wozu würde ein Resultat nützlich sein?
Welche praktische Verbesserung könnten wir daraus erleben?
Voraussetzung ist hier der Wunsch nach Überprüfung der bislang für richtig erachteten Haltung.
Der Wunsch danach, sich die gewohnte Perspektive genauer anzuschauen, könnte aus einer latenten Unzufriedenheit heraus entstehen.
Einer Unzufriedenheit, die immer dann bemerkt wird, wenn wir uns im Modus: „möchte ich nicht“ befinden. Währenddessen unser Sehnen um die „möchte ich“ Situation kreist.
Die Inhalte der Präferenzen und Situationen sind austauschbar.
Wir wollen zum Beispiel:
Das Wochenende anstelle der Arbeitstage.
Eigentum anstelle von Miete.
Einen Partner anstelle der Einsamkeit.
Harmonie anstelle des Ärgers.
Gesundheit anstelle von Krankheit.
Vertrauen anstelle von Enttäuschung.
Zufriedenheit anstelle von Unmut.
Glücklichsein anstelle von Traurigkeit.
Wohlbefinden anstelle von Unwohlsein.
Was, wenn die Projektion unserer Annahme, die Situation sei für unser Wohlbefinden verantwortlich – ein Trugschluss ist?
Was wäre, wenn wir unser Wohlbefinden nicht durch gewisse Situationen erwarten würden, sondern ein Wohlbefinden in allen Situationen erleben könnten?
Eine Situation ist nicht dafür verantwortlich, wie wir uns fühlen.
Unsere Konditionierung ist es. Wir projizieren unser nicht vorhandenes Wohlbefinden in die Situation und machen sie für das Empfinden verantwortlich. Bei angenehmen Gefühlen ist es derselbe Mechanismus. Es wird geglaubt, dass die Situation per se unser Empfinden steuert.
Ist es möglich, durch eine veränderte Haltung das konditionierte Muster zu durchbrechen?
Tagtäglich begleiten uns gedanklicher und fühlbarer Widerstand, den wir als solchen normalerweise nicht bewusst bemerken. Könnten wir einen Tag lang wirklich darauf achten, wären wir erstaunt, wie häufig wir uns in einer Form von Widerstand befinden. Dazu müssten wir jedoch zuerst erkennen können, wie sich Widerstände in Gestalt von Gedanken und Gefühlen äußern. Das ist deswegen nicht so leicht, weil wir immer automatisch davon ausgehen, dass all unsere Empfindungen der Wahrheit entsprechen. Empfindungen per se sind natürlich wahr. Die Inhalte sind es jedoch fast nie! Diesen feinen Unterschied erkennen wir dabei nicht.
Alle Gedanken und Gefühle, die in uns erscheinen, bekommen nämlich simultan und automatisch das Etikett „richtig“ angeheftet. Nicht nur die angenehmen, sondern ebenso die unangenehmen Gedanken und Gefühle werden als „für uns wahr“ erachtet. Dass sie wahrgenommen werden, scheint Berechtigung genug zu sein, um ihre konditionierten Inhalte nicht hinterfragen zu wollen oder zu müssen. Manchmal tauchen in Folge höchstens Fragen nach dem Warum auf. Warum fühle ich mich schlecht? Antworten werden dabei allerdings meist im sogenannten Außen gesucht. Nicht im Gehirn selbst, das die Empfindungen einfach ins Bewusstsein jagt. Oft werden diesen Wahrnehmungen dann noch Bedeutungen angeheftet. Die natürlich ebenfalls als richtig und wahr erachtet werden. Als Widerstände werden all die wahrgenommen Empfindungen jedoch nicht betrachtet. Selbst dann nicht, wenn wir uns hineinsteigern und uns dementsprechend wirklich schlecht fühlen. Wir wollen dann vielleicht etwas ändern, wissen aber nicht wie und hadern stattdessen weiter mit uns, während sich die Spirale noch nach unten schrauben kann. Je länger der Widerstand nicht bemerkt wird, desto schwieriger wird es, aus der Spirale wieder auszusteigen, die sich dann entwickelt. Wir kennen es alle, wenn wir dem Gedankenkarussell ausgeliefert sind und es nicht stoppen können. Vielleicht warten und hoffen wir auch auf die Situationen, in denen es wieder so laufen wird, wie wir es möchten.
Doch auch der Zustand des Wartens und Hoffens besteht aus Widerstand. Widerstand gegen das Leben selbst.
Solange wir danach streben, dass alles so sein soll, wie wir es möchten, haben wir eine genaue Vorstellung davon, wie die Situationen aussehen sollen. Gleichzeitig haben wir dabei auch eine Vorstellung von uns selbst. Durch diese gedanklichen Konstrukte ist unser pures HierSein im DaSein allerdings nicht erfahrbar. Ist es nicht so, dass, wenn wir uns in ein vermeintlich besseres Erleben denken, wir nicht das Leben selbst erleben? Sondern nur eine Vorstellung davon? Die gedankliche Ausrichtung verhindert, dass unser DaSein unmittelbar erfasst werden kann.
Und was soll jetzt die Lösung sein? Das Leben einfach so zu akzeptieren vielleicht? Warum denn nicht? Dazu bedarf es jedoch einer gewissen aktiven Bewusstwerdung. Zumindest, solange sie nicht automatisch auftaucht. Also bereits passiv vorhanden ist. Passiv bedeutet, keinen Widerstand mehr gegen das Leben aufzubringen, weil die Bewusstheit schon mehr oder weniger vorhanden ist. Messbare Grade der Abgrenzung sind dabei oft nicht so leicht auszumachen. Vielleicht handelt es sich auch um einen Prozess. Schließlich ticken wir nicht alle gleich. Und doch es ist grundsätzlich möglich, eine intrinsische Akzeptanz zu leben, die in der einfachen Hingabe an das Leben besteht. Die Instanz, die zuvor geglaubt hat, es besser wissen zu können als das Leben selbst, tritt in den Hintergrund. Der Januskopf von „möchten“ und „nicht möchten“ wird irrelevant.
Die Annahme – das Leben doch einfach so akzeptieren zu können, wie es ist – ist jedoch nur die halbe Miete. Insofern, als dass dabei ein Schritt fehlt. Oder ausgelassen wird. Wenn zuvor nicht bemerkt werden kann, dass es einen inneren Widerstand gibt, kann die Akzeptanz nicht greifen. Und beim Bemerken des Widerstandes muss eine Akzeptanz gar nicht mehr greifen. Akzeptanz ist im Grunde nichts anderes als das Bemerken des Widerstandes!
Solange das Ich-Konstrukt nicht zusätzlich im Weg steht! Denn diese Verwechslung, beziehungsweise natürlich ihr Erkennen, ist die andere halbe Miete, um in die neue Perspektive gelangen zu können. Leider verweilen wir jedoch lieber in der uns bekannten Hölle. Anstatt einen Paradigmenwechsel in Erwägung zu ziehen. Was ist gemeint mit: Das Ich-Konstrukt steht im Weg? Wir leiden nicht an unseren Gedanken und Gefühlen. Sondern wir verwechseln uns mit ihnen. Das erst erzeugt ein Gefühl von Leiden. Wir glauben aus Gedanken und Gefühlen zu bestehen. Wir heften sie nämlich diesem imaginären Ich-Konstrukt an, für das wir uns halten. Tatsächlich leiden wir also an dieser Verwechslung. Die Verwechslung mit der Ich-Wahrnehmung ist eine Identifikation, die allerdings nichts mit dem zu tun hat, was wir in Wirklichkeit sind.
Gedanken und Gefühle werden fast ständig innerlich kommentiert. Vom Gehirn! Nicht vom sogenannten Ich, wie wir unbewusst annehmen. In unserer Empfindung macht es lediglich den Eindruck, als sei es dieses Ich, das seine „eigenen“ Stimmungen interpretiert, analysiert und kommentiert. Dieses Ich-Konstrukt besteht allerdings selbst nur aus Gedanken und ist keine Entität. Wir glauben nur ein Ich zu sein. So steht das Ich-Konstrukt im Weg!
Damit ist also gemeint, dass diese Verwechslung „ihr“ Leben für wirklich und wahrhaftig hält. Natürlich hat diese identifizierte Verwechslung weder ein Leben, noch kann sie etwas über das Leben an sich wissen. Und ganz sicher kann sie das Leben nicht erleben.
Nur ohne die Ich-Identifikation, samt der Spaltung in „möchte ich“ und „möchte ich nicht“ kann es ein wahrhaftiges HierSein im DaSein geben.

Christine Ibrom wurde 1962 in Bochum geboren und wohnt heute in Dortmund.
Das Schreiben ist seit Grundschulzeiten ihre Leidenschaft.
Ein Beruf im Vertrieb ließ und lässt jedoch wenig Zeit für das Hobby. Entstanden sind dennoch einige Texte, von denen eine kleine Auswahl in ihrem dritten Buch zu finden ist. Die ersten beiden Bücher sind als eine fortlaufende Geschichte erzählt. Ihre Bücher hat sie im Selbstverlag veröffentlicht. Das Schreiben ist bis heute ein Hobby geblieben.
Das Herzensthema beim Schreiben ist die Selbstfindung oder Selbsterkenntnis.
Psychologische Themen haben sie seit ihrer Jugend interessiert. Über Bücher hat sie sich einen Hintergrund angeeignet und über Gespräche mit spirituell Suchenden ein weiteres Verständnis.
Die eigene spirituelle Suche beendete sich im April 2012.
Besonders auffällig ist, dass Christine Ibrom mit ihren Texten nicht den Mainstream bedient, sondern mit außergewöhnlichen Sichtweisen punktet.
Die Adresse ihrer Website lautet: aaronshof.jimdosite.com
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