Karin Alana Cimander für #kkl50 „Hingabe“
Das Glück im Sterben
Ich halte ihn liebevoll im Arm, meinen kleinen Sohn. Er ist gerade einmal fünfeinhalb Wochen alt und liegt im Sterben. Er wurde mit einem Herzfehler und weiteren, diversen Auffälligkeiten geboren. Nach einer intensiven Untersuchung in einem Herzzentrum stand fest, sie können nichts für ihn tun.
Die letzten Wochen waren sehr aufreibend und haben mich oft an meine Grenzen gebracht. Es war ein ständiges Auf und Ab zwischen Hoffen und Bangen. Oft hatte ich das Gefühl, in einem schlechten Film eine der Hauptrollen zu spielen. Ein Albtraum, aus dem ich hoffte zu erwachen, was nicht geschah.
Doch nun, nun ist Frieden eingekehrt. Tief schlafend, durch verabreichte, starke Medikamente, liegt er friedlich in meinem Arm. Ich durfte ihn die letzten Wochen kennenlernen. Fühlen, wie sich seine Haut, seine Haare anfühlen. Ich konnte ihn streicheln und ihm meine Liebe geben.
Ich betrachte sein winziges Gesicht und streichle es sanft. Seine Haut ist so unbeschreiblich weich! Im Hintergrund ist das monotone Piepen der Herzfrequenzanzeige zu hören. Die Abstände werden immer größer, das kleine Herz schlägt immer langsamer. Kurz bevor es aufhört zu schlagen, öffnet der kleine Mann, trotz der starken Beruhigungsmittel, noch einmal seine Augen und schaut mich an.
Tiefe Liebe fließt mir entgegen, Dankbarkeit liegt in seinem Blick.Unsere Liebe hüllt uns ein, in eine Blase tiefen Glücksgefühls. Es ist, als wenn die Zeit stillsteht, in der nur wir beide existieren. Unsere Herzen verbinden sich zu einem. Nichts ist mehr wichtig, nichts bedeutungsvoll.
Dann schließt er die Augen und geht, doch das Glücksgefühl, die Liebe und die Dankbarkeit bleiben, für immer.
Karin Alana Cimander
Schon als Kind und auch später, als Erwachsene, verfasste sie zu Weihnachten, Ostern, Geburtstagen, Hochzeiten und dergleichen Anlässe, kleine Geschichten und Gedichte. Die Geburt ihres Sohnes im Jahr 1987, der mit einem Herzfehler geboren wurde und im Alter von fünfeinhalb Wochen verstarb, drängten sie „Gedanken einer verwaisten Mutter“ zu Papier zu bringen, die später, als kleine Broschüre, den Weg in eine örtliche Frauenklinik fanden, wo sie in Aus- und Weiterbildungen des Pflegepersonals berücksichtigt wurden.
Von 2000 – 2004 war sie Mitinhaberin des selbst geründeten Verlags K&C Buchoase, in dem sie, von Lebensereignissen und Bewusstseinserkenntnissen inspiriert, die beiden Bücher „Seelenfeuer – Gefühle auf Papier” und „Hautnah – Liebe und noch mehr“ veröffentlichte. Hier gab sie auch anderen Autoren den Raum ihre Werke veröffentlichen zu können. Seither schreibt sie weitere besinnliche Texte und kleine Kurzgeschichten.
Die meisten ihrer Werke sind auf ihrem Blog www.geschichtenzauber.net zu finden.
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