Sich verrühren

Johanna Hilgert für #kkl52 „Essenz“





Sich verrühren

Durch den Saft meiner kräftigen Wassersuppe bin ich Alchemist.

Sehe meine pompös mickrigen Muskeln im Funken des Hexenkessels glitzern.

Der Inhalt in unsagbaren Farben, spritzt betrügerisch, als wollte er sagen:

Ich will du sein,

Lass uns tauschen.

Augen tränen wässrig den Laborrauch hinaus.

Wandregale durch Gläser geziert sind inhaltlich konzentriert.

Runde Fenster lauschen, um das Geheimrezept zu erspähen.

Leben hängt ab und ist aufgegangen am rustikalen Kleiderhaken.

Neben der berühmten blauen Regenjacke:

Lass Cohen recht haben.

Brodelraunen spielt das Spiel „Musik“ nicht schlecht.

Stille ist gut, wenn man gemeinsam ist.

Schallplatten ausrauben.

Sag: die Ich-Zutat ist zu entstauben.

Lieber schwänze ich den Tag,

Denn ich bin Menschengeschlecht,

Und zähme einen Buntspecht.





Flügelleihen

Augenringe trinken Espresso,
Sonnenstrahlen lichterloh.
Zu klein die Tasse,
eins-A-Klasse.

Schnörkellöffel rührt Unendlichkeit,
Portal in Garten Eden hinein.
Kaffeereste vom Tisch fegen.
Maschinen laufen,
Berg hinauf.

Im Himmelreich schweben unten,
Engel sind am Loben.
Winken der Kreatur,
andere Schulterseite ist ganz leise.

Halb angetrunken,
ausgetrunken,
bist du ohrensesselversunken.





Angekommen

Liebe Welt,

ich möchte mich für jeden entschuldigen, der sich lediglich eines kurzen Blickes bemühen kann, deine Schönheit zu erfahren.

Es ist ein leichtsinniges Gespött der Blinden.

Deswegen solltest du es nicht persönlich nehmen.

Die Sonne umarmt dich mit ihren Sonnenhänden.

Deine Wüstenstrände aus Saurierzeiten begleiten mich in waagerechte Traumwelten.

Ich habe mit einem Katzensprung die weite Welt gesehen.

War bereits Übersee und 2001 Meilen unter dem Meer.

Habe mich verreist, denn ich war auf dem Jupiter.

Trage seinen Ehering am Mittelfinger.

Ja, unsere Welt: eindeutig besser.

Glücklichsein ist nicht schwerfach, sondern einfach zu haben.





Ich bin Johanna Hilgert, 2004 geboren und studiere in Cottbus.
Kunst ist für mich ein Lebensgefühl und der dazugehörige Schaffungsprozess fundamental und wesentlich.
Der Austausch solcher Prozesse stellt für mich einen Sinn des Lebens dar.
Als Studentin der Digitalen Gesellschaft sind mir vor allem menschliche Beziehungen wichtig, welche ich gerne lyrisch fragmentiert zu Papier bringe.

Ich werde im kommenden Lyrikband für experimentelle Lyrik im Stelling-Verlag veröffentlicht und nehme seit kurzem regelmäßig an Schreibwettbewerben teil.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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