„Alles oder nichts,…

Ursula Förschner für #kkl52 „Essenz“




„Alles oder nichts, das ist hier die Frage“ – Dann doch lieber BEIDES!

Als Kind fühlte ich mich bisweilen wie im Traum. So als wäre alles, was geschieht, nicht echt, nicht wirklich. Als wäre es nicht greifbar, sondern bloß ein Dunst meiner Ein-bildung. Jedes Mal musste ich mich mit willentlicher Anstrengung in die Wahrhaftigkeit der Welt zurückzwingen, mir die Realität quasi bewusst erwirken.

„Lebe ich wirklich? WIRKLICH?“

Ja, sagte ich mir. Das bin jetzt wirklich ICH. Das ist echt.

Mit der Zeit verlor sich die Notwendigkeit des Kampfes für dieses Bewusstsein. Dafür, real zu sein, Reales zu erleben. Früher oder später wurde das Leben zur Gewohnheit und ich wurde in meinen „Traum“ hineingerissen, mit den wirren Ereignissen, mit Schmerz und Angst mitgerissen. Nur zu deutlich machte mir mein Körper bewusst, dass das, was ich erlebte, die Wirklichkeit war.

War es ein selbst kreierter Beweis, dass alles echt und greifbar war? Hätte ich es ohne diese körperlich fordernden Erfahrungen sonst heute noch nicht begriffen?

Ich weiß es nicht.

Dieses Gefühl jedoch, mir die Wahrhaftigkeit des Seins bewusst herbei zu zerren, blieb in meiner Erinnerung.

Wohl nicht zufällig hatte ich in der Schule ein Referat zu halten über die beiden literarischen Werke „Das Leben – ein Traum“ von Calderón de la Barca und „Der Traum – ein Leben“ von Grillparzer.

Und wenn ich mich heute nach dem wahren Wesen des Lebens frage – und dabei rede ich nicht vom Sinn und Zweck – dann weiß ich:

Ja, es ist ein Traum, den wir träumen. Gesponnen aus unseren eigenen Wünschen, Zielen, Vorstellungen und offenen Fragen. Ein Traum, in dem wir ausprobieren und erforschen können, lernen und uns vervollständigen.

Kaum zu glauben! Da haben wir uns von der Ganzheit des Seins abgetrennt, um einen Teil davon innerhalb der Polarität zu erkunden – denn alles auf einmal geht in der Realität bekanntlich nicht –, und dann kämpfen wir uns mühevoll in Richtung Ganzheit zurück.

„Man kann nicht ALLES haben!“ Dieser geläufige Ausspruch meines Vaters hat mich zur Weißglut getrieben.

„ICH SCHON!“, hab ich geschrien.

Die Jahrzehnte auf der Erde haben mich eines Besseren belehrt.

Und doch … Ich hab ja noch nicht ausgespielt!

Und ja, das Leben ist real.

Ein kluger Mann (Hermann Hesse) hat einmal geschrieben: „Von allem, was wahr ist, muss auch das Gegenteil wahr sein.“

Ich versteh schon, das entzieht sich unserer Logik.

Doch ich weiß, dass es stimmt. Ganz genau spüre ich das. Ich habe über die Jahrzehnte ein besonderes Bewusstsein für die Polarität allen Lebens entwickelt und erfahren, wie jede Übertreibung in eine Richtung eine Gegenbewegung in die andere mit sich bringt. Mehr noch: wie jedes Extrem eine Entsprechung im anderen Extrem hat.

Das klingt doch verdächtig nach Quantenphysik! (Schon mal von Teilchenverschränkung gehört – diesem Phänomen, bei dem ein Teilchen unmittelbar auf Veränderungen seines ‚verschränkten‘ Partners reagiert, selbst wenn er am anderen Ende des Universums wäre?)

Deshalb kann man ‚das andere‘ auch nicht durch Kampf vernichten – nur durch Integration.

Also: Das Leben ist real – was wohl 99,9999% der Menschheit bestätigen wird.

Es ist derart real, dass wir leiden. Dass wir bisweilen am Leben verzweifeln und uns ein Ende wünschen. Dass wir aber auch himmelhochjauchzend glücklich sein können.

Und es ist linear. Mit jedem Tun lösen wir den nächsten Schritt aus und kreieren so unsere Zukunft.

Denn – im Gegensatz zu unseren Träumen, wo alles ohne jede Kausalität möglich ist – gibt es hier auf der Erde, in unserem Leben, eben Zeit und Raum.

Sonst wären wir ja auch überfordert.

Und wie schon mein Vater sagte: „Man kann nicht ALLES haben“ – nicht alles auf einmal.

Hm …

Doch Traum und Wirklichkeit – diese Polarität – sehnt sich ebenfalls nach Ganzheit.

Nach Integration. 

Nach EINHEIT.

Also dann DOCH BEIDES!




Ursula Förschner, geboren 1966 in Wien, lebt und arbeitet in Österreich. Als Ganzheitliche Naturheiltherapeutin begleitet sie Menschen auf ihrem Weg zur persönlichen Entfaltung – ein zentrales Thema, das auch ihre Kunst durchzieht. In Literatur und Malerei setzt sie sich intensiv mit Weiblichkeit, Geschlechterrollen und Spiritualität auseinander. Neben dem Verfassen von Gedichten, Prosatexten und Kurzgeschichten veröffentlichte sie bereits zwei Romane aus der Serie Die Rückkehr der Lilith und arbeitet nun an der Fortsetzung.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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