Karola Meling für #kkl53 „souverän“
Rückführung
Heilsprache – die ich brauche – nicht jene –
Nicht die über Lautbildungen hinausragenden Buchstaben
Sondern Bannworte – wenn ich auf das treffe
Wovor ich flieh – statt Rohbauten aus Satzanfängen
Borken, Borken – ohne Rinden
Ver-Satz-Stücke statt Herz-Stücke – bleibt Flucht:
Ich zerstückele die Grammatik der Nichtwissenden
Meine Fußnoten erreichen keinen Boden – der sich
Aus Tiefständen erhebt – im Lichtlosschein bleibt nichts
Als Sprachgebräuchliches – trotz Regelbrüche
Borken, Borken – ohne Rinden
Attitüden haften am Übergedeuteten – verhindern
Sinnhafte Tiefschläge neuer Erkenntnisse – doch
Tief unter den Totengräbern der Altsprachen – sind Tamil und
Navajo-Schriften auf Borken – brüchig wie Pergament
Wiederlesbarkeit des Ursprungsduktus – mit Rückführung
Zum kindsübergreifenden Wunderwort
Zwischen Borken: Rinden, Rinden

Karola Meling, geb. 1962 in Grevesmühlen, Dozentin für Kreatives Schreiben an der Freien Akademie Braunschweig, Illustratorin, Beiträge in Anthologien wie z.B. „Zeit nur für mich“, Herder Verlag, 2002, „Jetzt“, Axel Dielmann-Verlag, 2010, Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e. V., Poesiealbum neu „Gedichte zu Pflanzen“, Steinbrech, 2017, Lyrischer Lorbeer 2024, Literaturzeitschriften wie z.B. in den „Essener Literaturflugblättern“, 2001, in „EXperimenta“, 2019, Dackel Nr. 2 2020, Literaturpreise wie z.B. Kleist-Anerkennungspreis 2011, 1. Preis der Nationalbibliothek des Deutschen Gedichts, München, 2002, Shortlist B. Traven Preis 2020.
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