DER KULT

Ansgar Eyl für #kkl53 „souverän“



DER KULT

Der Rauch floss in ein Nebelmeer. Ein Wolkenfisch grinste an einem Schornsteinhaken. Alles was Hände hatte, versuchte zu angeln und mit Messern und Gabeln nach den Fängen zu stechen. Speichel gurgelte durch verkrampfte Münder. Die Bisse nach den Gefühlsbrocken wogen schwer auf den zerkratzen Unterarmen.

Ein Priester im weißen Gewand gestikulierte, und eine bassbeladener Sprachbrei quoll in hochsensible Hörorgane. Das Gurgeln der Ideenfetzen ließ einen riesigen, glänzenden Abfluss zu einem fleckigen Fixstern werden.

Strahlenimplosion, Zischen, Züngeln, waren Sinnesorganempfindungen. Weihrauch schwebte über den Szenerien. Die ausladenden Armbewegungen des Zeremonienmeisters verschoben Lufträume.

Sonne peitschte und Regen schien. Der Horizont blinkte starr. Neongelbe Wolken beleuchteten die fahle Mimik. Fingerknöchel winkten, flammenförmige Pupillen kreisten. Die Gier ließ Speichelreste auf den Jochbeinen zurück. Das Sinnieren grub sich durch die Zellmembranen und ließ kalkhaltige Ablagerungen zurück. Kalte Armduschen halfen nicht die Aufmerksamkeit wieder herzustellen. Worte stoben, irritierten, bezeichneten Müdigkeitssyndrome. Eine Stimme näselte, dass man bald einen koffeinhaltigen Aufputschtrink benötige.

Lautsprecher knisterten, Windempfindungen knarrten durch vernarbte Gehörgänge.

Die Verästelungen eines gequälten Lächelns speisten schwarzgelackte Tränen. Lederne Handschuhe lagen verknotet im Staub auf dem Altar. Ein Tabernakel glänzte, es roch nach Weihrauch. Myrrhe desinfizierte die Lebenslinien der rosaroten Faustinnenflächen. Rotwein tropfte von gefeilten Fingernägeln bis in die aufstrebenden, schlierigen Seen der Wolkenreste. Die Erde auf dem Himmel wurde erdacht und kopulierte.

Es wendete sich ab wer konnte, breiige Gefühlströme durchzuckten die Verdauungsorganik. Platschend und mit hochroten Köpfen bewegten sie Fußmuskulatur, um nicht zu stolpern.

Die Rucksäcke schienen ihre Wirbelsäulen zu zerdrücken.

Nun lagen die Opfer auf dem Altar und die hochroten Sonnenstrahlen kitzelten vibrierende Bauchdecken.

Die Klinge aus Obsidian schnellte, während die Quelle weiterhin ihre Freudentränen spie.





DIE THERAPIE

Mit den Zehennägeln den Nacken gekrault, vom Wadenhieb zusammengeklappt, lag er röchelnd auf dem  feuerroten Psychologensofa.  Die „Goshin- Jutsu“- Übungen hatte er nach Anleitungen durch den Mentor im täglichen Leben angewandt.  Sein Rücken schmerzte und die Füße pochten. Elektrische Impulse verursachten einen Schwall von Appetitlosigkeit. Der Rehabilitand sah in stechend grüne Anakonda-Augen.

Gedanken schlängelten sich um sein Sicherheitsgefühl,  die Fingerkuppen drangen in ein Kissen, das an der Lehne, schon leicht  zerbeult, harrte.

 Die weit geöffneten Mundränder  katapultierten einen stummen Schrei, der als kalter Hauch an den irritierten Nüstern des Sitzungsleiters verebbte.

Das Leben lief in einem überschnellen Death-Metal- Song an ihm vorüber, die Hörmuscheln des Kopfgestells drohten zu implodieren.

´Hatte er seine Aufgabe erfüllt? ´

Schockwellen durchflossen seine muskulöse Brust. Wuchtiger gerieten die Wunschüberlegungen  des Patienten. Krankes flocht sich aus seinen Poren. Er fieberte in zehntelsekündlichen  Abständen in die knittrigen Stoffbezüge.  Die Netzhäute wurden Zeugen beim Verglühen  riesiger, alles Streben einnehmender, Fixsterne.

Worte des Begleitens wurden zu zerfetzen Silben im Denken und beim Vibrieren des Lippenschlusses.

Der Planet Erde floss, Butter brach aus einem zerbrechlichen Gefäß, es endete, obwohl alle Texte nun begannen ein Abbild seiner Wahrnehmung  zu werden. Gelblichternes,  kleinteiligeres  Zerfließen, nun konnte er am Lauf seiner Handlungen nichts mehr ändern. Er sah zu, wie er sich selbst durch den Raum schleppte.

Buchstabenecho in den Gängen des Körpers.  Die Schritte gelangen und das Strecken der Arme war dagegen ein Balancieren auf  Luftpolstern.  Das Becken rutschte zurück auf die Möbelkante.

Alles würde beim Alten bleiben,  seine  Selbstverteidigung war gelungen. Schuld trug die Welt, die sich um ihn drehte. Das Schwindelgefühl konnte bleiben, so dass der Psychologe  ihm seine rasend schnelle Fortentwicklung erklären konnte.





Ansgar Eyl, geboren am 17.06.1969 in Neuwied. Er veröffentlichte in Anthologien und Literaturzeitschriften, lebt in Kleinmaischeid im Westerwald,

Einzelveröffentlichung: „Orangensaft“-Lyrik im Mauer-Verlag,  Ansgar Eyl veröffentlichte bislang Prosa und Lyrik, u.a. in Axel Kutsch´ versnetze´1- 14 kontinuierlich  vertreten. Publizierte in Anthologien und Zeitschriften.

Internationaler Lyrik-Wettbewerb ´Sannio´- in Italienisch-deutscher Anthologie-1997 veröffentlicht u.a.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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