Isabel Nieber für #kkl54 „denkbar“
Denkanstoß
Menschen sind Packesel.
So zähle auch ich mich zu denen,
die von To-do´s beladen
pflichtbewusst durchs Leben traben
und trotz der Kraft, die all das trägt,
sich selber zu den Schwachen zählt,
weil mich stets ein Gefühl der Unzulänglichkeit begleitet.
Hab nicht das geschafft, was ich wollte
und von dem, was ich sollte,
auch nur einen Teil.
Und dem, was guttut, wird wenig Beachtung geschenkt,
es wird aufgeschoben,
einfach hinten angehängt.
So bleibt es bei dem „Eigentlich“,
was eigentlich nicht gut ist,
denn betrachtet aus dem Konjunktiv
hängt irgendwie das Selbstbild schief.
Du sagst, du wartest auf den richtigen Moment,
wenn die Zeit gerade besser passt,
doch hast dabei verpennt,
dass die Zeit jetzt ist.
Du rennst ihr hinterher,
bemühst dich wirklich sehr
und bleibst doch auf der Strecke.
Hast nicht das geschafft, was du wolltest
und von dem, was du solltest,
auch nur einen Teil.
Du könntest auch und würdest gern,
sofern sich die Möglichkeit ergibt –
heute, morgen, nächste Woche, nächster Monat … .
Das was bleibt,
ist das Gefühl der Unzulänglichkeit:
„Setzen! 6!“,
zusammen mit einer verblassten Erinnerung
an eine Idee, einen Wunsch, einen Vorsatz,
der mal da war.
Gestern, vor ein paar Jahren.
Das, was wir tun sollten, ist Folgendes:
Gelegentlich die Prioritäten ändern,
um die Form des Möglichen
tatsächlich zu verwirklichen.
Wenn sich das Leben als etwas nicht versteht,
dann als Eventualität.
Isabel Nieber wurde 1983 in Buxtehude geboren, und bekam damit die Liebe zum Lesen und Schreiben wohl in ihre Wiege gelegt. Als freiberufliche Texterin verfasste sie bisher Blog- und Homepagetexte, Social Media-Beiträge und Rezensionen für Kinderbücher. Heute arbeitet die Wahl-Lüneburgerin in einer Kanzlei für Medizinrecht und richtet sich beim Schreiben ausschließlich danach, wo die Kreativität sie hinführt.
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