Christian Schwetz für #kkl54 „denkbar“
viel bunt
Die dicke, fette Lebenseule sitzt selbstgefällig am Thron. Alles wird reingefressen, wenig rausgerülpst. Das Wissen der Welt. Die Welt so rot und blau und gelb und grün, aber, aber. Abara Kadabera, so ogergscheit, keine Haberer. So entsteht Welt. Aus Keller wird Kellner wird Ober wird Oger. Die kellergscheite Eule hat keine.
Ein Freund, ein echter Freund, an der Tankstelle kann man Wissen abzapfen, aber alles hat seinen Preis. Die dicke, fette Lebenseule ist nicht billig, ist nicht willig, oder tut so, tut so, als ob sie nicht wollen würde, aber will ja gefragt werden.
Wer nicht fragt, wird nie was wissen.
Will gefragt werden, aber will nix rausrücken.
Will gefüttert werden, mit Rot und Blau und Gelb und Ginster.
Für die eine kostet die Information einen Liter Veilchensirup, für den anderen einen blauen Starlink-Satelliten. Die dicke, fette kellnergscheite Eule, ein Aug blau, ein Aug rot. Da sieht wer rot und haut sie blau.
Keine Geschichte, die Eule gibt dir keine Geschichte, sie kotzt dir Brocken ihrer Weisheit auf die Schuhe, aber du bekommst keine Geschichte. Es gibt keinen Sinn, es gibt keine Handlung, es gibt kein Vorne und Hinten. Es gibt Orange und Braun und Lila.
Wenn wer rotsieht, fährt die Eule ihre Scherenhände aus. Johny ist nicht nur Depp, er heißt auch so. Edwardine ist kein Knabe. Adamine ist nicht Kannibalin. Die dicke, fette Lebenseule kommt mit einem blauen Auge davon, der Rest ist rot und flüssig und stinkt nach ein paar Tagen.
Frag die Eule, was du willst, aber leg dich nicht an mit. Reg dich auf über, aber reg nicht auf sie. Evar ist ein Knabe namens Evar. Adamine ist kein Knabe nicht. So was sagt die dicke Fette. So was stapelt sie im Kropf, im Blumentopf. Aus dem Schopf wächst ihr Wissen, aber es wird krumm und krümmer.
Eule, ich habe den Namen des krummen Knaben aus Bulgarien vergessen, gegen den Harry Potter aussieht wie ein englisches Würstchen.
An gelben Tagen sagt die fette Eule: weil Herminus Potter ein englisches Würstchen ist, das aussieht, wie Salami aus Wales. An roten versickert Blut in der Matratze.
An blauen Tagen rollt das Lied vom Freund, dem echten Freund aus dem weisen Bauch der weißbebauchten Eule.
Ronja, ach Ronja, du vielbeschwisterte Räubertochter.
An grünen Tagen nur ein gerudada, genemmur plöttemar gusud.
Kein Inhalt, sagt die dicke Fette, kein Sinn, kein Husten.
Wer zu viele Worte im Kopf hat, der wird eine Fliege, die den Distelstrauch frisst.
Ach wär ich nur in Heidelberg, Schnucki Schnucki schwarz bepinselt.
Die Eule will zu viel, Kandinsky will zu viel, Hermine weiß zu viel, so viel, so viel Rot und Grün und Blau und Gelb. Alles zu viel. Grawiggo Genusoff
Vivat Viktor Krum, du Knabe mit dem Namen Viktor Krum.
Vivat Viktoria Krum, du Unbeknabte.
Die dicke fette Lebenseule ist vollgestopft mit Sprache, aber sie platzt nicht.
Und wenn nicht snorrge brugg, dann ist das nicht
the end.
Christian Schwetz, geb. 30.12.1962, lebt und arbeitet in Wien.
Seit den 1980er Jahren ist er literarisch aktiv. Als Fazit seiner Diplomarbeit „Die wirtschaftliche Lage der Schriftsteller in Österreich“ beschloss er, das Schreiben nicht zum Hauptberuf zu machen und wurde Steuerberater.
Er ist Gründungs- und Vorstandsmitglied von „DAS SPRECH-Initiative für Sprach-, Sprech- und Hörkunst“.
Mit der Band „Novi Sad“ besteht seit den 1990er-Jahren eine künstlerische Zusammenarbeit.
Veröffentlichungen
2010 „Zwischen Brot und Spiel“; Kurzgeschichten; Testudoverlag
2011: „Traanbecks Ausnahmezustand“; Roman; Arovell-Verlag
2014: „Mails & Love“; Roman; Arovell-Verlag
2016: „Am Anfang war das A“; Textsammlung; Edition Libica
2021: „Wunderschönes Tier“; Textsammlung; Edition Libica
sowie in diversen Anthologien und Zeitschriften.
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