Thale Lind für #kkl56 „Und dann kam“
„Zwischenstand“
Sie haben eine ebenso wilde wie gleichzeitig zerbrechlich vordrängend wirkende Atmosphäre, diese drei Worte.
Aussehend, wie teilweise buntfarbiges Glas und davor geblendete Gitter, die erzählen von dem Schutz vor der Gefahr des zurück, ein – oder Durchbrechens. Hörend empfunden deuten sie fast auf eine Sonate mit drei Sätzen, überblendet von einem davon.
Aber unerwartet wirkten sie, sind sie einer Stimme verbunden, auch noch anders.
Weil es eben von dieser, ihrer menschlichen Stimme, und jetzt unbeweglich da liegenden Gestalt, ihre letzten, wirklich letzten, drei Worte waren: „… Und dann kam …“
War sie es die ab da die Stille wählte? Und war es, das sie ihr, dieser Stille, wirklich schon gewachsen war? Es schien so. Wie sie gerade ist, einst war und wie wird sie ihr sein, diese unaussprechliche Stille. Wie lange wird sie bleiben, bei und mit ihr und sie in ihr?
Ausgesprochen auf ihrer letzten Liege, dann pulsierend zu einer Art flirrender Wärme von drei Intensitäten . Einer Wärme, durch die schließlich ihr Lebensverlauf auf uneinsichtige Weise gebrochen umhüllte, weil das Davor und das danach, also ein Vermutetes fehlte.
Aber auch wie das gemeinsam aufeinanderfolgende dieser drei Worte, ein einzig flüchtiger Zwischenstand war und ist, durch deren Oberflächlichkeit unerwartet dies bestimmte Licht bricht, nur dies eine; um von einer Zeit und einem Raum zu erzählen an dem es, wie die Sonne, innehält, und sich ausdehnt bis an den höchst stillen Bereich, den ihrer Seelenfamilie?
Bis einst aus dieser geboren, diese menschliche Stimme jene weiteren zukünftigen geborgenen Worten und Sätzen, jene die nach dem „… Und dann kam …“ kommen werden, aussprechen werden wird? Ob aus wirklicher und erträumter Weltwirklichkeit, naher Nähe oder fremder Ferne; doch nie zu einer Art an sich selbst Verlierendem.
Thale Lind lebt in der Nähe von Osnabrück, schreibt Kurzprosa, Essay, Lyrik und historische Erzählungen. Seitdem er schreibt, geht es ihm um »literarische Literatur«. Eben einem bewusst gewählten Geschehen, das fragt, wirklich an- und berührt, endet oder offen bleibt. Sodass Literatur ist, wie sie war und was ihr jetzt erreichbar ist und wenn sie das, was sie ausmacht nicht auf- oder abgibt.
Über #kkl HIER
