Helmut Blepp für #kkl57 „Selbstersmächtigung“
Meine Fahnder
Sie kamen unangemeldet
beide zeigten Ausweise mit Daumen überm Foto
und setzten sich in mein Wohnzimmer
Sie tranken meinen Kaffee kippten meinen Cognac
qualmten meine Nichtraucherbude voll
erklärten das müsse alles so sein
denn sie wären auf der Spur des Feindes
und der sei auf dem Weg zu mir
Bald wollten sie mit mir anstoßen
mich ihrer Freundschaft versichern
doch die Zungen wurden ihnen schwer
die Lider ihrer blutunterlaufenen Augen flatterten
und dann weinten sie an meinen Schultern
weil dieser Feind einfach nicht auftauchen wollte
Als die Flasche leer war der Aschenbecher voll
schliefen sie in meinen Armen
tauschten Träume aus über diesen Feind
der hellwach zwischen ihnen saß
Versuchte Klarstellung
Sie erliegen einem Irrtum
denn ich möchte dem Gedicht
das Sie erwarten
nicht entsprechen
An meinem Gedicht
habe ich die Rechte
Sie sind nur mittendrin
Solange Sie bleiben
setzen Sie sich
womöglich
Beschimpfungen aus
Lobhudeleien oder
nur meinem Bedauern
über Ihr mangelndes Verständnis
Das ist Kunst
der Künstler entscheidet
Sie dürfen dabei sein
Entwachsen
Wir hatten Helden für jeden Anlass
aus Büchern und Filmen und Songs
schlecht rasiert mit schnoddrigen Sprüchen
immer eine Lösung parat
nach dem Showdown eine Kippe
entzündet an glühenden Trümmerteilen
und ein Adieu im Sonnenaufgang
Aber sie starben vor der Zeit
Ohne ihren Schutz sind wir groß geworden
trotz aller Erzieher
die uns immer kleinhalten wollten
Jetzt sind wir am Drücker
und bauen ihnen Traumgefängnisse
Denn Gefangenschaft
lernten wir früh
ist wie Flucht
nur davor
Helmut Blepp *1959 in Mannheim, Studium Germanistik und Politische Wissenschaften, selbständig als Trainer und Berater für arbeitsrechtliche Fragen; lebt mit seiner Frau in Lampertheim an der hessischen Bergstraße; Veröffentlichungen: vier Gedichtbände; zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien; hblepp@aol.com
Über #kkl HIER
