Selbstermächtigung

Dominik Ressig für #kkl57 „Selbstermächtigung“




Selbstermächtigung

In der Stadt, in der ich lebe, gibt es ein Restaurant mit dem klingenden Namen: High Noon. Die Wände bestehen aus abgeflämmten Latten, darauf sind unter anderem Hörner, Felle und diverse Utensilien aus dem Pferdestall, aber auch Bilder aus alten Tagen zu finden. Die urigen Einrichtungsgegenstände wurden sehr authentisch nachgebaut. Inmitten des Lokals eine sehr mächtige Bar mit einer gut polierten Oberfläche, die es ermöglichen soll, dem gut geschulten Personal sei dank, gefüllte Bierkrüge gekonnt von dem einen Ende bis zum anderen Ende, an dem bereits der durstige Reisende wartet, zu schieben. Vor der Bar, sehr aufwendig gefertigte Barhocker, die Pferdesatteln als Sitzfläche haben. Bilder, die wir noch aus alten Filmen kennen, finden hier ihr lebendiges Wiedersehen.  

Dieses Lokal wird durch eine massive Schwingtür betreten, wie wir es uns vielleicht in den Geschichten von Karl Friedrich May vorgestellt oder in dem einen oder anderen Westernfilmklassiker gesehen haben.

Es macht Freude zu sehen wie sich die Haltung und Habitus der Besucher, bevor diese das Lokal betreten, verändert. Manchen steht die Freude ins Gesicht geschrieben. Als würden sie nun in eine andere Welt eintauchen um ihr eigenes Leben für eine kurze Zeit zu verlassen, vergessen oder auszublenden. Einige von ihnen haben sich echt fein rausgeputzt: Westernstiefel, Ledergilet oder Poncho, karierte Hemden oder Cowboyhut. Selbst legen detailverliebte Gäste auch Wert auf Sporen an den Schuhen oder Westernchaps über den Hosen. Andere wiederum tragen ein Halstuch oder sogar einen Gürtel mit Halfter, Spielzeugpistole und Plastikpatronen inklusive. Es vermittelt mir das Gefühl, einige lassen ihre Kindheit wieder aufleben, andere wiederum nutzen die Möglichkeit für kurze Zeit jemand anderer zu sein. Manche stellen ihre imaginären Pferde vor dem Lokal ab, andere spielen so, als hätten sie einen langen Ritt hinter sich und gehen breitbeinig ins „High Noon” um sich nun von den Strapazen des Alltags zu erholen und abzuschalten.

Wenn die Bohnenpfanne mit Speck den Tisch erreicht hat und dazu dickgeschnittenes Brot im Korb gereicht wird, kann es dem einen oder anderen schon passieren, sich wie Terence Hill oder Bud Spencer zu fühlen. Selbst die kleinen Schnapsflaschen sind mit kleinen Korken verschlossen, der leicht am Flaschenhals anliegt. Auch hier werden oft die Korken mit den Zähnen aus der Flasche gezogen um diesen dann auf den Boden zu spucken. 

Die Menschen in dem Lokal spielen Szenen nach und fühlen sich, zumindest für eine kurze Zeit, wie im Western. 

Eins haben alle gemeinsam: Sie tauchen in eine andere Welt ein. In eine Welt von damals. Indianer und Cowboys, so wie es uns die laufenden Bilder aus TV und Kino vorgezeigt haben. Oder waren es die Geschichten, die uns Eltern oder Großeltern erzählten oder eben wir selber, meist nachts mit der Taschenlampe unter der Decke, durch das Lesen der Bücher unsere Vorstellungskräfte beflügelt wurden.

Menschen schlüpfen oft nur in eine Rolle und nehmen diese dann (zu) ernst. Ganz gleich ob es die Krawatte ist die morgens um den Hals gebunden, die Uniform oder jegliche andere Berufskleidung angezogen wird.  

Was ist aber, wenn wir bemerken, dass diese Welt in der wir Leben irgendwie nichts mit unserem wahren Selbst zu tun hat? Also eigentlich auch nur in einer Rolle stecken. 

So als würdest du dich auch immer ein wenig verstellen müssen. Die tägliche Routine lässt dich schnell vergessen, was da eigentlich abgeht. Zeit darüber nachzudenken bleibt in den meisten Fällen nicht, genauso wenig diese zu hinterfragen. Vielleicht fühlst du einen Teil in dir der sagt: „Wer bin ich eigentlich und was will ich wirklich?”

Wir werden und wurden immer irgendwie beeinflusst beziehungsweise lassen es über uns ergehen. Allein dieser Schritt, erlaubt es uns zu hinterfragen, ob ich jenes oder dieses wirklich benötige. Unsere ersten Vorbilder waren bestimmt unsere Mutter, dann der Vater, oder eben unsere Erziehungsberechtigten. Später die erweiterte Familie, Lehrer, Professoren, Mentoren, Mitarbeiter, Vorgesetzte, Freunde oder mit einfachen Worten unsere Wegbegleiter. Und jeder hinterlässt Eindrücke.

Bestimmt sind uns auch Dinge widerfahren, die physische oder psychische Narben hinterlassen haben. Ich möchte es dabei nun belassen und denke die Personen die Erfahrungen machen durften, die sehr außergewöhnlich waren, um es vorsichtig auszudrücken, wissen worauf ich abziele.

Dann Kindergarten, Schulen, Ballett-, Klavier oder Karateunterricht, manche später sogar Hochschule oder ähnliches. Mentoren, Professoren, Autoren oder Schauspieler, längst Verstorbene oder Gurus haben uns begleitet.  

Die Liste wem wir aller nachjagen ist genauso lang wie weshalb wir uns so magisch hingezogen fühlen. Vielleicht haben wir uns auch einfangen lassen und kleben an den Mäulern dieser Personen.

Wir sind immer noch im Bereich der Fremdbestimmung. Wir stehen da, das Steuerrad hat jedoch eine uns vertraute oder fremde Person in der Hand.

Nun kommen wir der Sache schon näher

Ist es so, dass du dich verloren hast, und es nicht anders weißt damit umzugehen? Machst Dinge, die du nie gemacht hättest, jetzt aber in einem Art Sog bist und gar nicht mehr weißt wie du dazu gekommen bist?

Fein, dann bist du den ersten Schritt gegangen. Du hast es erkannt, dass das möglicherweise gar nicht du bist, der das macht sondern ein Teil in dir, der einem Gefühl nachhängt oder nachjagt.

Nun treten wir in das „ICH BIN” ein

Wie kommt es, dass viele unter uns, nicht mit ihrem Namen, Aussehen oder Wesen zufrieden sind? Wann hat es begonnen und was können wir tun um uns davor zu beschützen. Ich meine damit die Situation besser wahrzunehmen und zu beleuchten?

Lege eine Hand auf dem Bauch und sag einmal „ICH BIN” und spüre hinein.

Wie fühlt es sich an? Widerstand? Mulmiges Gefühl in der Bauchgegend? Vielleicht aber auch ein Anflug von leichter Übelkeit. Optimal wäre es wenn es sich gut anfühlt, wohlig und vertraut.

Hier eine kleine Hilfestellung, dich zu finden.

Unser Körper, Hirn, Geist, Nerven oder Blutbahnen. Alles was uns widerfährt wird in einer Art und Weise gespeichert. Bei der einen Person mehr, bei einer anderen weniger. Die Frage, wie wehren wir uns dagegen? 

Die Abwehr bei Tieren ist einfach. Schon einmal einen Hund oder eine Antilope beobachtet, wenn ihm was gegen den Strich geht? Ob es die fletschenden Zähne eines anderen Hundes sind oder der Angriff eines Löwen erfolgreich abgewehrt werden konnte: Das Tier schüttelt sich um dieses Ereignis „aus dem System” zu bekommen. Sonst würde der Hund nie wieder auf die Straße und die Antilope traut sich nie wieder auf die Weiten der Prärie zu gehen.

Und wie ist es bei uns Menschen? Diese Art von Abschütteln verlernen wir bereits in den ersten Lebensmonaten, wir haben meist ein andere Technik im Talon.

Ich kann dir unzählige Beispiele nennen, bei denen wir uns immer klein machen. Egal in welcher Lebenslage sich die Person befindet, immer gibt es Ausreden in Form von Ängsten, persönlichen Antreibern (wie „Mache es allen recht” oder „Sei perfekt”) oder den persönlichen Glaubenssätzen (wie „Geld stinkt” oder „Nur die Harten kommen in den Garten”), die vielleicht nicht von dir sind, aber es hat dich bis jetzt das Leben irgendwie einfacher gestalten lassen. Eine schnelle Abwehr. Keine Wogen. Kein unangenehmes Auffallen.

Lieber machen wir uns im Nachgang tagelang noch Vorwürfe, als zu erkennen unser wahres Ich zu erlangen. 

Es hat keiner gesagt, dass es einfach wird seine Selbstermächtigung zu erlangen. Es geht darum, einige Barrieren, die dir in den Weg gelegt wurden, ganz gleich von wem, zu erkennen und zu hinterfragen, ob diese nun noch ihre Wichtigkeit und Daseinsberechtigung haben.

Hilfreich ist auch für die erste Zeit, dich und das „ICH BIN” getrennt zu betrachten:

Beispiele aus dem Leben:

„ICH BIN” und hänge die Wäsche auf.

„ICH BIN” und helfe meinem Kind bei den Hausaufgaben.

„ICH BIN” und putze den Hamsterkäfig.

„ICH BIN” und gehe im Wald spazieren.

„ICH BIN” und mache, was ich immer schon machen wollte.

„ICH BIN” und spreche die Person, die ich eigentlich schon eine lange Zeit toll finde, an der Bushaltestelle jetzt an.

„ICH BIN” und sage bestimmt „Nein” zu dem Vorschlag noch weitere Aufgaben von meinem Chef/Kollegen etc. zu übernehmen.

Du wirst mit der Zeit bemerken, dass alles ein wenig einfacher von der Hand geht. Gerade bei Tätigkeiten, die dir keine besondere Freude bereiten, lässt sich der Fokus auf das Wichtige lenken. Denn du stehst im Mittelpunkt, dann kommt lange nichts und dann erst die Arbeit, Aufgabe oder was auch immer. Auch wenn es dir keine große Freude bereitet.   

Durch dieses ICH BIN vermittelst du dir, dass du bist. Keine Ausreden wie „Ich kann nicht” oder „Ich will, aber ich trau mich nicht”, kein Suchen und auch keine faulen Ausreden. Sondern einfach DU SEIN.

Du befindest dich auf deinem Weg und das zählt. Wieder ganz sein, wieder die wahre Freude in dir zu finden und nicht nur im Außen zu suchen.

Darum geht es wirklich um sich auf deinem Weg der Selbstermächtigung zu bewegen.

Wie bereits erwähnt sind uns viele Dinge in unserem Leben widerfahren, einige waren ganz toll einige sagen wir mal suboptimal. Jetzt geht es darum, einmal Frieden mit dieser Zeit zu finden.

Ich wünsche Dir eine schöne Zeit und bleibe Ganz. Denn nur so wirst du deiner Selbstermächtigung einen Schritt näherkommen.

Denn ich finde, wir haben alle einen Grund hier auf der Erde zu sein und es wäre doch schade, wenn wir das nicht herausfinden können, weil ein paar Wegbegleiter versucht haben uns etwas anderes einzutrichtern, nur weil sie es nicht besser wussten.




Dominik Ressig hat mit den Vorgaben seiner Ahnen nichts anfangen können. Es dauerte allerdings seine Zeit, bis er dahinterkam, wessen Leben/Lehren er da führte und welche Muster ihn dazu bewegten. Dann kam die Prüfung: Der Körper sagte „nein“ und so begab sich Dominik auf den Weg der Selbstermächtigung. Mit dieser Ausschreibung versucht er anderen zu zeigen, dass es geht, sich mit diesem ersten Schritt aus dem Gröbsten zu ziehen. Sein Credo lautet: Erkennen – Beleuchten – Begraben – Wachsen. Das wünscht Dominik auch Dir.







Über #kkl HIER

Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

Hinterlasse einen Kommentar