Die Aktion

Ulrich Kaufmann für #kkl57 „Selbstermächtigung“




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Die Aktion (Hendrik 5)      

Was das alles zu bedeuten hat, wenn das alles passiert?

Passiert ist schon einiges. Ungewöhnliche Dinge. In Hendriks Leben. In letzter Zeit. Auch die Beziehung zu Lisa ist gewachsen.

„Wie wäre es, wenn wir zusammen ziehen. Bin ja fast eh nur noch bei dir“, sagte sie letztens zu ihm. Da hat sie allerdings recht. Er stimmte ihr zu. Nur noch eine passende Wohnung finden.

Aber was das andere alles zu bedeuten hat? Das mit dem Teufel, dem Löffelstiel, Gottvater und Wilson, dem großen Zampano, der vor zwei Tagen überraschenderweise bei den beiden aufgetaucht ist. Das weiß Hendrik nicht. Ist ihm aber auch egal.

Es winkt ein Abenteuer. In Hendriks tristem Leben. Lisa ausgenommen.

„Wir ermächtigen uns selbst, diesen Mistkerl“, gemeint ist der Teufel, „in die Schranken zu weisen.

Als er diesem Satz sagte, gestern Abend, auf dem Balkon bei schöner Sommerabendstimmung sitzend, schaute Lisa ihn mit großen Augen an. Das klang aber sehr pathetisch. Ist doch sonst nicht seine Art. Dachte sie sich. Aber willig ist er immer noch, die Aktion im Löffelstiel mit Wilson durchzuziehen. Sie auch. Auf jeden Fall.

„Wollte dieses Wort schon immer mal gebrauchen. Selbstermächtigung. Jetzt passt´s.“ Aha. Lisa lächelt. Aber recht hat er irgendwie.

Apropos Wilson.

Heute. 17.10 Uhr. Es klingelt an der Haustür. Lisa öffnet. Wilson ist wieder da. „Komm doch herein.“ Wie selbstverständlich waren sie jetzt beim Du.

„Setz dich. Ein Bier?“ Hendrik auch

„Ein Bier? Warum nicht. Gerne.“ Wilson setzt sich auf den Platz, den er auch vor zwei Tagen innehatte. Lisa und Hendrik ihm gegenüber.

„Wir haben jetzt einen Plan.“

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Wir noch nicht, denkt Hendrik sich. Erst mal nur du. „Dann schieß mal los.“

„Drei Teile Johanniskraut. Ein Teil gesegnetes Wasser. Wir sprühen uns damit ein.“ Wilson stellt eine kleine Sprühflasche auf den Tisch. „Und dann ab ins Löffelstiel. Wir verteilen das Zeug im gesamten Restaurant. Und halten uns damit den Teufel vom Leib. Der ist schneller futsch, als wir gucken können. Und schon sind wir auch wieder weg. Schnell rein, schnell raus. Und das Problem ist erstmal gelöst.“

Er schaut die beiden an, die ihn mit fragendem Blick mustern. Noch bevor sie irgendetwas sagen können, fällt dem großen Zampano der Angebot von Hendrik ein.

„Ein Bier wäre jetzt wirklich nicht schlecht.“

„Oh entschuldige. Ja klar.“ Hendrik erhebt sich sofort.

„Bleib sitzen, Liebling. Du auch eins?“

Lisa ist schon auf dem Weg in die Küche. „Ja. Danke“, ruft Hendrik ihr zu.

Die drei stoßen auf ihr Vorhaben an. Lisa mit Cola. Sie trinkt nicht gerne Bier.Durchzug

„Du sagtest, erstmal ist das Problem gelöst.“ Lisa nimmt das Gespräch wieder auf. „Was heißt das konkret?“

„Dass der Teufel nicht vernichtet ist, nur vertrieben, und bestimmt eine Möglichkeit sucht, und auch finden wird, uns das Leben wieder schwer zu machen. Und das heißt, dass wir im Kontakt bleiben und auf der Hut sein müssen. Vielleicht gewinnen wir weitere Mitstreiter. Und werden ihn eines Tages ganz los.“

Hendrik macht einen auf Django und schlägt vor, sich Knarren zu besorgen und dem Teufel zwei Kugeln in die Stirn zu jagen. Er würde das übernehmen. Dann wäre das Problem endgültig beseitigt.

„Du warst ja nicht mal bei der Bundeswehr, weil du keiner Fliege was zuleide tun kannst.“ Lisa lacht laut auf.

„Hätte auch wenig Sinn“, schaltet sich Wilson ein. „Dann schaltet der auf Durchzug. Quasi. Die Kugeln können ihm nichts anhaben Gehen durch ihn durch. Wir können ihn nicht liquidieren. Das ist nicht in unserer Macht.“

„Und wer kann das dann?“. Hendrik hakt nach.

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„Der Chef. Nur der.“

„Und warum macht der Chef dann nichts?“

„Weil der Teufel als ehemaliger Mitarbeiter im Himmelblau, der Zentrale, wo das ist, weiß kein Mensch, vertraglich eine Unverletzlichkeitsklausel auf Lebenszeit hat. Und der lebt ewig. Haben die übrigens alle da.“

„Ehemaliger Mitarbeiter?“

Ja. Der Chef hat ihn rausgeschmissen. Vor x-tausend Jahren. War mal ein Engel. Seitdem macht der nur noch Mist hier auf der Erde. Bis zum jüngsten Tag. Dann wird abgerechnet. Dann gelten auch die alten Verträge nicht mehr.“

„Wann wird das sein?“, möchte Lisa wissen.

„Das weiß keiner. Nur der Chef.“

Hendrik holt noch ein Bier für Wilson und sich. Lisa schenkt er Cola nach. Mut antrinken für die Aktion. Es ist noch einiges fraglich. Wilson steht Rede und Antwort.

Warum Johanniskraut? Auch Herrgottsblut genannt. Es bezieht sich auf Johannis, den Täufer und blüht um den Johannistag, dem 24.06. Hat eine abstoßende Wirkung auf den Teufel. Ebenso das geweihte Wasser.

Wie ist das geweiht worden? Durch einen Pfarrer in der Kirche? Nein. Ist destilliertes Wasser von mir zu Hause, berichtet Wilson. Und der Chef, war gestern bei ihm, hat es seinen Odem gegeben. Mit anderen Worten, er hat reingerotzt.

„Wie bitte?“. Hendrik glaubt sich verhört zu haben. Auch Lisa blickt vollkommen ungläubig.

„Ist wirklich so.“ Wilson meint es absolut ernst.

„Und damit soll ich mich einsprühen?“ Lisa sträubt sich. Willigt letztendlich aber ein, als Wilson ihr versichert, dass göttliche Rotze on keiner Weise Ekel hervorrufen kann.

Was mit Gästen im Restaurant passiert, wenn die Aktion läuft? Ob die nicht gefährdet sind. „Nein“, versichert Wilson. „Die werden Reißaus nehmen, wenn der Teufel ausflippt und verrückt spielt. Und das wird er. Wir werden darauf achten, dass die Leute das Lokal so schnell wie möglich verlassen.

„Einer von denen wird vielleicht die Polizei rufen“, gibt Lisa zu bedenken.

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„Dann sollten wir schon futsch sein, wenn die eintreffen.“ Wilson hatte keine Lust, unbequeme Fragen zu beantworten.

Auf die Anmerkung Hendriks, es sei ja viel zu wenig Essenz in der kleinen Sprühflasche, die würde niemals für die ganze Sache reichen, beruhigt ihn Wilson mit der Information, zwei 150-Liter Kanister befinden sich in seinem Auto, einem VW Bully. Und große Sprühvorrichtungen mit mehr Fassungsvermögen.

Damit ist alles geklärt. Noch ein Schluck Bier, oder Cola. Gesagt, getan. Es kann los gehen. Ab ins Löffelstiel.

19.05 Uhr. Ein Blaumann-Overall für jeden. Eine Strumpfmaske übergezogen. Wilson hat an alles gedacht. Die drei sprühen sich gegenseitig ein. Die Leute auf der Straße vor dem Löffelstiel schauen irritier. Es muss schnell gehen.

Mit einem lauten „Raus hier“, stürmt zuerst Wilson, hinter ihm Hendrik und Lisa in den Gastraum. Die Leute blicken verstört, ängstlich. Zwei Frauen schreien. Unruhe macht sich breit. Die Gäste verlassen panisch das Restaurant. Einige vergessen ihre Jacken oder Mäntel.

„Sprüht alles ein. Wir haben genug davon“, ruft Wilson. Auf dem Rücken hat jeder von ihnen eine Vorrichtung mit 5 Litern Inhalt, der wie ein Rucksack aussieht mit einem Drucksprüher, den sie in den Händen halten. Sie verteilen sich.

„Was ist denn hier verdammt noch mal los?“ Der Teufel kommt schimpfend aus seinem Büro im hinteren Teil Gebäudes, bleibt im Türrahmen stehen und nimmt sofort den zitronenähnlichen Geruch der Essenz wahr. Er hustet, schlägt um sich, ist außer sich und rennt taumelnd in Richtung Ausgang. Er achtet nicht auf das ausgestreckte Bein von Hendrik. Er kommt zu Fall und stößt hart mit dem Kopf an ein Tischbein. Er schreit vor Schmerz, rafft sich mit letzter Kraft wieder auf und erreicht die Eingangstür.

„Heute ist nicht aller Frage. Ich komm wieder. Keine Tage.“ Im Türrahmen stehend droht er den Dreien noch. Hendrik hätte laut losgelacht, wenn die Situation nicht so angespannt wäre. Der Spruch jetzt, dann auch noch verdreht. Kommt da noch was von dem? Aber da ist er auch schon weg. Lisa tritt aus der Küche, hat dort ihren Job erledigt. Das Personal ist über den Hinterausgang raus.

„Okay. Das reicht. Lass uns abhauen.“ Wilson mahnt zur Eile. Am Bully angekommen, hören sie auch schon die Sirenen der anrückenden Sicherheitskräfte. Wilson gibt Gas.

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20.31 Uhr. „War das ne coole Aktion. Dem haben wir es richtig gezeigt.“ Hendrik hebt sein Glas. „Darauf lasst uns anstoßen.“

Rotwein zur Feier des Tages. Die Sonne geht langsam unter an diesem warmen Sommerabend. Die drei sitzen auf dem Balkon und genießen es.

„Das heißt aber nicht, dass wir schon fertig mit dem sind.“ Wilson blickt ernst in den blutroten Himmel.

„Egal, großer Zampano.“ Lisa euphorisch. „Wir sind ein klasse Team. Soll der mal kommen. Dann kriegt er wieder eins drüber.“

„Heute ist nicht alle Frage…“ Weiter kommt Hendrik nicht. Alle drei lachen herzhaft und genießen ihre erfolgreiche Mission.

Teil 1 , Teil 2 , Teil 3 , Teil 4 der Geschichte




Mein Name ist Ulrich Kaufmann. Am 14.03.1965 habe ich in Neuss das Licht der Welt erblickt. Ich bin ausgebildeter Erzieher, habe jedoch nie als solcher gearbeitet, sondern war nach meiner zweiten Ausbildung als Krankenpfleger tätig. Dem gehe ich auch aktuell noch nach.
Aus meiner ersten Ehe habe ich drei inzwischen erwachsene Söhne. Seit 2018 bin ich das zweite Mal verheiratet.
Seit 2016 lebe ich in Brandenburg an der Havel. Bis dahin war mein Wohn-und Lebensmittelpunkt der linke Niederrhein. Aufgewachsen bin ich in Düsseldorf.
Das Schreiben war schon immer eine große Leidenschaft von mir. Außerdem mache ich Musik, spiele Gitarre. Und bin auch sonst sehr Kunst- und Kulturinteressiert.






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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