Anita Lang für #kkl58 „Ethik“
Prüfstein Realität
Menschen sind von Natur aus unterschiedlich. Sie kommen in vielfältigen Varianten zur Welt, sind mit vielerlei Talenten ausgestattet. Der Mensch geht seinen individuellen, auf seine Weise einzigartigen Lebensweg. Dementsprechend verschieden sind auch die Erfahrungen und Meinungen, die Menschen vertreten.
Betrachten wir nun Machthaber, die nur ihre eigene Meinung akzeptieren und die Andere mundtot machen wollen, unter diesem Aspekt. Im Erkennen, dass es verschiedene Meinungen gibt und sich nicht alles am Herrschenden ausrichten wird, liegt die Realität. Eine Führungspersönlichkeit, die Andersdenkende aus ihrem Gesichtsfeld verbannt, hat ein Problem, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist. Eine weitere Frage in Gesellschaften, in denen nur die Ansichten der Regierenden toleriert werden, liegt darin, was mit denen geschieht, die anders denken. Sie sind nach wie vor da, mit ihrer Meinung, die von der vorgegebenen abweicht. Die Geschichte und Zeitgeschichte führen uns eine Vielzahl an menschenverachtenden Vorkommnissen vor Augen, wie Andersdenkende verfolgt und bekämpft wurden. Die jeweilige gesellschaftliche Moral hat sehr stark damit zu tun, ob Menschen Tatsachen erkennen und einschätzen können.
Wer ein Problem mit Andersdenkenden hat, hat ein Problem mit der Wirklichkeit. Denn es wird niemals so sein, dass Menschen sich wie Klone verhalten. Es werden auch nicht alle dem Herrschenden nach dem Mund reden und die Meinung vertreten, die ihm genehm ist. In logischer Konsequenz befinden sich die Andersdenken bereits in unmittelbarer Nähe, in seinem eigenen Umfeld, in seiner Familie, in seinem angestammten Team. Der Egotrip steht auf wackeligen Beinen.
„Spiel und Wetteifer hat eine kulturschaffende Funktion“, schreibt Johan Huizinga, ein niederländischer Historiker im 20. Jahrhundert. Er sieht das spielerische Element des Agonalen in der Gesellschaft. Wettstreit und Diskurs seien Bestandteile, die unser Wirtschafts- und Rechtssystem geprägt haben. Ich bin froh, in dieser Gesellschaft mitreden zu dürfen, die von der Diskussion reich versorgt wird und die Menschen mit vielfältigen, interessanten Begabungen zu Wort kommen lässt.
Anita Lang
publizierte Romane, Kurzgeschichten und auch einen Kurzgeschichtenband im Selbstverlag. Mit ihren journalistischen Arbeiten möchte sie geisteswissenschaftliche Themen zur Sprache bringen.
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