Schwarze Fäden

Wolfgang Malischewski für #kkl59 „Ich denke, also bin ich“




Schwarze Fäden

Ich – wer ist das? – komme mir abhanden.
Was war jemals von mir da?
Ins Leere greifen die Begriffe.
Mein Ich – was nannte ich mal so? –
Was davon übrig ist, stürzt ab
und stammelt: Ich fühle mich zerstört –

bin ich das noch, was war ich denn? –

und voller Wörter-Müll. Graues Scheuertuch
singt traurig bunt. Hoffnung riecht wie
nasser Hund. Schwarze Fäden, manchmal gleißend,
kreisen kreischend im Gehirn.
Nicht mehr zu entwirr’n. Bilder
schreien schrill und stumm.




Alles im Griff

Irre Träume von der Resterampe.
Kopflos loten wir uns aus.
Was sagt denn unser Herz?
Oder ist es eine trügerische Schlampe?

Wir räumen auf: Verborgenstes des Unbewussten
durchschauen wir, als ob wir es schon immer wussten.
Was sagt denn unser Herz?
In sieben Schritten – kleiner Therapeuten-Scherz –

bringen wir es klug auf den Begriff,
befreien uns vom tief versunknem Kindheitsschiff
und fühlen uns als Herr zu Haus.
Jedes Schweben, Schwanken der Gedanken ist ein Graus.

Und endlich haben wir beherzt
alle Träume renoviert, verständlich tapeziert,
mit sicherer Erkenntnis ausstaffiert
und jede trunkne Küchenschabe ausgemerzt.




Wolfgang Malischewski, Jg. 1952, Studium der Germanistik und Wissenschaft von der Politik. Er schreibt Lyrik, Epik und vor allem Theaterstücke (vergl. Theaterbörse). Zuletzt: „Flieg, Ikarus, flieg durchs Eis!“






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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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