Einschreibung „In den Rückspiegel“

Mira Rauk für #kkl60 „In den Rückspiegel“




Einschreibung „In den Rückspiegel“

1. Erinnerungsschimmer

Im Rückspiegel tanzen flüchtige Schatten,

alte Straßen, verwaschene Häuser,

die Gesichter von Menschen, die ich einst kannte,

die Stimmen, die nur noch in mir klingen.

Ein Lächeln bleibt zurück, zerbrochen wie Glas,

und ich fahre weiter,

während die Sonne die Erinnerung streichelt

und der Wind alte Träume davonträgt.


2. Vergangene Stimmen

Ich sehe sie leise,

die Stimmen, die ich verlor,

die Worte, die ich nie gesagt habe,

die Schritte, die nicht mehr auf meinen Wegen hallen.

Im Rückspiegel flüstert die Zeit

von Tagen, die ich nicht mehr berühren kann,

von Abenden, die kalt und hell zugleich waren,

und ich frage mich, ob sie mich noch erkennen würden,

wäre ich stehen geblieben.


3. Loslassen

Alles liegt hinter mir,

und doch spüre ich es wie eine Kette,

die im Rückspiegel glitzert:

alte Versprechen, verpasste Chancen,

die Wärme von Händen, die ich loslassen musste.

Die Straße vor mir ruft lauter als jede Erinnerung,

doch manchmal bleibe ich kurz stehen,

blicke zurück,

und wünsche mir, dass die Schatten dort drüben

mir etwas von mir selbst zurückgeben.


4. Spiegel der Fehler

Jeder Kratzer im Glas erzählt von Irrtümern,

von Nächten, in denen ich stolperte,

von Entscheidungen, die brannten wie Feuer.

Der Rückspiegel zeigt mir alles,

was ich hätte tun können,

was ich bereue, was ich vermisse.

Ich fahre vorwärts, doch hinter mir

blickt die Vergangenheit mit stummen Augen,

und fragt, ob ich es dieses Mal besser mache.


5. Melancholie der Fahrt

Die Sonne sinkt tief,

im Rückspiegel glüht der Horizont

wie verbrannte Träume,

wie all das, was ich liebte und verlor.

Die Straße windet sich durch die Nacht,

und ich halte den Atem an,

lausche dem leisen Pochen der Erinnerung,

die mich verfolgt,

während ich immer schneller fahre,

immer weiter,

als könnte ich sie einholen und doch niemals berühren.


6. Nostalgie

Im Rückspiegel sehe ich die Lichter der Stadt,

die längst vergangen sind,

jeder Schein ein Versprechen, das nur im Rückblick lebt.

Ich erinnere mich an Schritte auf nassen Pflastersteinen,

an Stimmen, die sich im Wind verloren,

an Lachen, das die Dunkelheit durchbrach.

Und während ich vorwärtsfahre,

spüre ich, dass jede Erinnerung

eine kleine Kerze ist,

die mir den Weg weist,

auch wenn sie längst erloschen scheint.




Mira Rauk ist eine deutschsprachige Lyrikerin und Prosaautorin.

Ihre Arbeiten kreisen um existenzielle Erfahrungen, innere Brüche und die Sprache des Überlebens. Kennzeichnend ist ihre klare, ungeschönte Form, die Verletzlichkeit sichtbar macht.







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Veröffentlicht von Jens Faber-Neuling

Redakteur von #kkl Kunst-Kultur-Literatur Magazin, Autor, Trainer und Coach im Bereich Potentialentfaltung und Bewusstseinserweiterung, glücklicher Papa und Ehemann.

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