Clara Sinn für #kkl60 „In den Rückspiegel“
Initiation
„… in den Rückspiegel und Schulterblick …“, mahnte der Fahrlehrer.
Sie konnte ihn nicht leiden.
Und sollte Recht behalten. Hatte sie durchfallen lassen. Ohne Not.
Da war noch genug Platz. Als er seine Bremse trat.
Und dieser erzgrässliche Ton erklang.
Mit dem Wechsel des Fahrlehrers ging alles plötzlich superglatt.
Mit dem Deutschlehrer war es genauso.
Vier. Weil sie Waschbecken geschrieben hatte.
Es heiße Spülbecken. Darin würde nur der Schwamm …
Und noch zwei, drei Sachen in dem Stil. Jede Verteidigung sinnlos.
Beim neuen Lehrer stand sie von Anfang an bis zum Abitur glatt eins.
„… das, was man in den Vereinigten Staaten als affirmative action bezeichnet …“, schob die Professorin nach.
Hatte ihre besondere Förderung mit fragloser Bestimmtheit angekündigt und auch so durchgesetzt. Hier sei eine Studentin aus Deutschland, deren komparativen Sprach-Nachteil man positiv zu würdigen und, und … jedenfalls kurz: auszugleichen habe.
Das erste Mal. Dass sie nicht negative Diskriminierung erlebte. Sondern positive.
Kannte das gar nicht
Wohlwollen.
Güte.
…
Von Anfang an.
Clara Sinn ist in verschiedenen Literaturzeitschriften bzw. -podcasts vertreten und publiziert in diversen mono- sowie polythematischen Anthologien.
Sie schreibt seit über 30 Jahren Lyrik und Kurzprosa, bietet regelmäßig Einzel- bzw. Gemeinschaftslesungen und leitet mehrere Schreibgruppen.
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